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Insbesondere die Katholiken gingen während der vergangenen 30 Jahre immer seltener in die Kirche. Gründe dafür können vielfältig sein: Bequemlichkeit, Atheismus oder die Trennung von Glaube und Kirche. Umfragen lassen vermuten, dass die Kirchenbänke vor allem deshalb leer bleiben, weil die Menschen an der Kirche und ihren Praktiken zweifeln – und nicht, weil sie nicht mehr an Gott glauben. So berichtet der Global Trust Report 2013 der Gesellschaft für Konsumforschung, dass das Vertrauen der Deutschen in die Kirche als Institution im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken ist. Dies korrespondiert mit dem Rückgang der Zahl der Katholiken, die jede Woche den Gottesdienst besuchen: Die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger im Alter von 16 bis 44 Jahren ist von 1980 bis 2012 um 80 Prozent zurückgegangen. Und auch von den über 65-Jährigen besuchen nur noch weniger als 40 Prozent fast jeden Sonntag den Gottesdienst (Grafik).

Fast alle Altersgruppen lassen sich also seltener im Gottesdienst blicken. Dennoch bleibt der Trend, dass ältere Menschen häufiger in die Kirche gehen als jüngere. Hängt dies nur damit zusammen, dass die Älteren noch aus einer Generation stammen, in der die Kirche stärker zum Alltag gehört, oder hat der Anstieg der Kirchenbesuche mit dem Alter andere Ursachen?

In einer Studie zum Thema „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ wird deutlich, dass sich der Glaube im Alter von 39 bis 45 Jahren am stärksten verändert. Lebenskrisen können der Auslöser sein. Sinnkrisen und Existenzfragen werden mit zunehmendem Alter häufiger, und die Menschen suchen seelische Unterstützung. Die Kirche kann Orientierung bieten, wenn sich Menschen des Unterschieds zwischen Welt- und Lebenszeit schmerzlich bewusst werden und nach Antworten suchen.

Nach der „Midlife-Crisis“ werden andere Fragen wichtig: Ein großer Teil des Lebens ist mit Mitte 60 vorbei, die Kinder sind aus dem Haus und die berufliche Karriere ist kein Ziel mehr – die Endlichkeit des eigenen Lebens wird deutlicher. Die seelsorgerische Begleitung bei Sinn- und Existenzfragen gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben der Kirche. Die Gemeindearbeit gehört zu den Kernkompetenzen der Kirche.

Ein Ausbau dieser Aufgaben in Richtung jüngerer Altersgruppen wäre wünschenswert, da die Menschen immer früher in Sinnkrisen geraten. Seit etwa 15 Jahren häufen sich die sogenannten “Quarterlife-Crisis“: Junge Menschen zwischen 25 und 35 fühlen sich von der Freiheit, den unzähligen Wahlmöglichkeiten und dem Erfolgsdruck in unserer Gesellschaft überfordert. Diesen Menschen bietet die Kirche kaum (noch) Halt.

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