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Hierzu einige Fakten:

Fakt 4: Vertragsfreiheit und damit Freiheit im ökonomischen Handeln sind für eine Marktwirtschaft unerlässlich. Das islamische Recht schränkt diese Freiheiten nicht zwingend ein, selbst die Scharia kann verschieden ausgelegt werden. Und man darf nicht vergessen: Auch die westlichen marktwirtschaftlich organisierten Demokratien kennen zahlreiche Einschränkungen der Vertragsfreiheit wie etwa das Verbot von Wucherzinsen oder die Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb. Vor allem der deutsche Arbeitsmarkt ist ein Beispiel für einen stark regulierten Markt, wo die Vertragsfreiheit deutlichen Einschränkungen unterliegt. Allerdings ist es bedeutsam, dass es keine willkürlichen Staatseingriffe gibt, verlässliche Regeln gelten und die Korruption die Freiheit nicht bedroht.

Fakt 5: Zentral für eine Marktwirtschaft ist die Garantie des Privateigentums. Sie sorgt für Anreize sich anzustrengen. Dies wird in den Demokratien der westlichen Welt auch von der Bevölkerung so gesehen. In großem Stile Privateigentum einzuschränken und gegen Staatseigentum zu tauschen – dafür ist in Deutschland nicht einmal jeder zehnte. In Schweden liegt der Anteil knapp über 10 Prozent, in den Vereinigten Staaten sind es gerade einmal zwei Prozent, die sich für eine deutliche Einschränkung von Privateigentum aussprechen. Ganz anders in den arabischen Staaten: Im Iran liegt der Anteil bei knapp einem Viertel, in Jordanien bei circa 30 Prozent und in Ägypten bei etwa einem Drittel. Daraus können sich langfristig Probleme für Wachstum und Wohlstand ergeben, die auf fehlenden Anreizen zum Beispiel für Forschung und Investition basieren.

Fakt 6: Denn für nachhaltiges Wachstum bedarf es Innovationen und Imitationen. Ein funktionierendes Preissystem mit offenen Märkten ist notwendig. Staatliche Eingriffe in den Markt sollten möglichst unterbleiben, und wenn, dann sollten sie klar vorher definierten Grundsätzen folgen und auf keinen Fall willkürlich getroffen werden. Wieweit dies mit dem Rechtsverständnis in der arabischen Welt vereinbar ist, muss erst einmal offen bleiben. Dass über 30 Prozent aller Ägypter und über 50 Prozent der Jordanier aussagen, es gehöre zu ihrem Verständnis von Demokratie, dass das Militär die Kontrolle übernimmt, wenn die Politiker sich als inkompetent erweisen, zeugt davon, dass eine wirkliche Rechtssicherheit schwierig zu etablieren sein wird.

Der Wunsch nach Freiheit und Demokratie ist bei vielen Menschen in der arabischen Welt möglicherweise aber nicht wirklich das bestimmende Ziel, sondern lediglich ein Instrument, um die ökonomischen Perspektiven zu verbessern. Sicherlich wollen auch große Bevölkerungsanteile Freiheit und Rechtssicherheit um ihrer selbst willen. Aber: Rund 70 Prozent aller Jordanier und Ägypter sehen die wirtschaftliche Prosperität eines Landes als wesentliches Charakteristikum einer demokratischen Staatsform. Auch in Marokko, dem Iran oder Indonesien sind die Menschen in der Mehrheit, die Demokratie mit wirtschaftlichem Erfolg eines Landes gleichsetzen. Diese häufige Gleichsetzung von mehr Demokratie und besserer wirtschaftlicher Performance macht deutlich, worum es den Menschen in der arabischen Welt ebenfalls geht: Sie wollen wirtschaftlich den Anschluss wiederherstellen. Ob dies mit ihrem Verständnis von Religion, Demokratie und Marktwirtschaft möglich ist, bleibt abzuwarten.

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IW-Nachricht, 25. Mai 2016

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Auf Kirchentagen gehört Kapitalismuskritik zum guten Ton. Dabei haben Kirche und Unternehmen letztlich ähnliche Anliegen. Entsprechend ist es zu begrüßen, dass auf dem 100. Katholikentag in Leipzig häufig der Dialog zwischen Wirtschaft und Kirche auf dem Programm steht. mehr

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