. Auch in Jordanien, Syrien und dem Jemen brodelt es. Die Ursachen der Proteste sind vielfältig und miteinander verwoben: Der Wunsch nach Freiheit, die religiösen Vorstellungen und der ökonomische Hintergrund spielen eine wichtige Rolle.

Wunsch nach Demokratie
Wunsch nach Demokratie

Westliche Medien nennen als Ursachen der Krise den Wunsch nach Freiheit und die mangelnden Perspektiven der Menschen, einen guten Arbeitsplatz zu finden und zu Wohlstand zu gelangen. Doch was wollen die Menschen wirklich? Eine Demokratie nach westlichem Vorbild? Wie stark soll der Einfluss der Religion und damit der geistlichen Führung in dieser Demokratie sein? Versprechen Sie sich von der Demokratie nicht nur Freiheit, sondern vor allem bessere Chancen und mehr Wohlstand? Und sind sie bereit, ein marktwirtschaftliches System zu etablieren und am Welthandel teilzunehmen?

Die vorliegende Ausgabe von Wirtschaft und Ethik beschäftigt sich deshalb auf drei Seiten mit dem Wandel in den arabischen Staaten und stellt Fakten vor.

Ägypten, Jordanien und Marokko können dabei dank des World Values Survey genauer betrachtet werden, da auch repräsentative Daten zu den Ansichten in der Bevölkerung vorliegen.

Fakt 1: Nicht in allen, aber in vielen arabischen Staaten sehnen sich die Menschen nach einem demokratischen System. Jordanien und Ägypten bilden die Speerspitze des Wunsches nach Demokratie, denn der ist hier noch stärker ausgeprägt als in vielen westlichen Ländern. 78 Prozent aller Ägypter sind der Auffassung, dass Demokratie äußerst wichtig sei – dies sind 2 Prozentpunkte mehr als in Deutschland. In Jordanien sind es sogar 86 Prozent.

Fakt 2: Laut dem Demokratie-Index (ermittelt von Economist Intelligence Unit) gilt kein einziges Land mit einer Mehrheit islamischer Bevölkerung als lupenreine Demokratie. Lediglich Indonesien und Bangladesch werden überhaupt als Demokratien (mit Mängeln) aufgeführt. Unter den arabischen Staaten gibt es keine einzige echte Demokratie, auch wenn Länder wie Algerien, Ägypten oder der Jemen die Worte demokratisch oder Republik offiziell im Staatsnamen tragen.

Fakt 3: Die Vorstellung, wie Demokratie mit Religion zusammenpasst, unterscheidet sich in den Staaten mit überwiegend islamischer Religion erheblich von der unsrigen. In der westlichen Version des Demokratieverständnisses geht Demokratie einher mit freien Wahlen und der Durchsetzung des Willens der Mehrheit. In der islamischen Welt ist der Einfluss der Kirche hingegen groß. Staatskirchen gibt es zwar nicht nur in der arabischen Welt – in Liechtenstein etwa gibt es eine katholische Staatskirche, in Norwegen eine protestantische und in Griechenland eine christlich orthodoxe. Aber der Einfluss der Kirchenoberhäupter auf die politischen Entscheidungen ist dort sehr begrenzt. Denn: In den westlichen Ländern ist der Anteil der Bevölkerung, die ein Mitspracherecht der Kirche verlangen, äußerst gering. Auf die Frage, ob es für eine Demokratie zentral sei, dass religiöse Autoritäten die Gesetze interpretieren, gaben in Deutschland, den Niederlanden oder Schweden nicht einmal zwei Prozent eine zustimmende Antwort. In Jordanien und Ägypten liegt die Zustimmung bei über 50 Prozent. Die Idee einer religiösen Auslegung von Gesetzen ist in den arabischen Staaten insgesamt deutlich ausgeprägter als in westlichen Staaten.

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