Ein erster Ansatz, auf internationaler Ebene etwas gegen die Klimaveränderungen zu unternehmen, war das Kyoto-Protokoll. Hier haben sich erstmals mehrere Länder dazu verpflichtet, ihre Emissionen bis zum Jahre 2012 zu senken. Bisher sieht die Bilanz allerdings nicht sehr gut aus. Zum einen ist jetzt schon klar, dass nur wenige der beteiligten Länder ihre Ziele erreichen werden, zum anderen haben sich wichtige Emittenten von Treibhausgasen gar nicht erst an dem Abkommen beteiligt. Vor diesem Hintergrund müssen Überlegungen angestrengt werden, wie ein neues Abkommen nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 aussehen könnte.

Co² - Ausstoß weltweit
Co² - Ausstoß weltweit

Wichtig wird nun vor allem sein, die größten Schwachpunkte des Kyoto-Protokolls zu beheben. Das heißt in erster Linie, dass künftig sowohl die USA als auch die großen aufstrebenden Schwellenländer wie China und Indien an einem Klimaschutzabkommen beteiligt werden müssen.Damit ein neues Klimaschutzabkommen überhaupt einen nennenswerten Effekt auf die globalen Treibhausgasemissionen haben kann, sollte das Inkrafttreten des Abkommens an die Teilnahme einer bestimmten Ländergruppe geknüpft werden. Eine denkbare Möglichkeit wäre, das Inkrafttreten eines neuen Abkommens an die Ratifizierung durch die 15 Länder mit dem weltweit größten Kohlendioxidausstoß zu binden. Diese Länder sind zusammen für über 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Eine solche Abgrenzung erscheint sinnvoll, da hierbei sowohl die großen Industrieländer als auch die wichtigsten aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer beteiligt wären. Man kann allerdings von diesen 15 Ländern nicht erwarten, dass alle ihre Emissionen im gleichen Maße senken, da gerade die Entwicklungsländer wirtschaftlich noch aufholen müssen. Denkbar wäre es daher, den Industrieländern absolute Reduktionsverpflichtungen abzuverlangen und die Schwellen- und Entwicklungsländer schrittweise und in abgestufter Form zu beteiligen. Hier wäre eine Begrenzung der Emissionen auf dem gegenwärtigen Niveau oder eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen pro Einheit des Bruttoinlandproduktes in mehreren Schritten vorstellbar.

Insgesamt ist es notwendig, bei der Erfüllung der festzulegenden Ziele auf ein breites Spektrum von Maßnahmen zurückzugreifen und ein neues Protokoll möglichst flexibel und anpassungsfähig zu gestalten. Hierzu sollte auch eine Beibehaltung, Ausweitung und deutliche Vereinfachung der flexiblen Instrumente des Kyoto-Protokolls gehören. Um allen Beteiligten ein hohes Maß an Planungssicherheit zuzusichern, müsste ein neues Klimaschutzabkommen möglichst langfristig angelegt sein und klare Zwischenziele formulieren.

Hubertus Bardt/Jan-Welf SelkeKlimapolitik nach 2012 – Optionen für den internationalen KlimaschutzIW-Positionen Nr. 29, Köln 2007, 52 Seiten, 11,80 Euro, ISBN 978-3-602-24126-2