Überproportionales Wachstum
Überproportionales Wachstum

Spezialisierung möglich
Spezialisierung möglich

Erst seit Ende der 90er Jahre haben Studiengänge mit immobilienwirtschaftlichem Hintergrund Konjunktur. Gefördert wurde dieser Trend vor allem durch die European Business School und seit einigen Jahren durch die Universität Regensburg. Die Abbildung verdeutlicht, dass zwischen 2003 und 2007 ein regelrechter Gründungsboom einsetzte, durch den nun 71 immobilienökonomische Studiengänge zur Verfügung stehen. Dies geht aus einem von der Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung (gif) herausgegebenen Studienführer für Immobilienökonomik hervor.Im Jahre 2007 entschlossen sich geschätzte 3300 Studenten für die Immobilienwirtschaft als Studienziel. Von ihnen werden voraussichtlich 34 Prozent mit einem Bachelor abschließen, während 37 Prozent den Master Titel anstreben. Weitere 21 Prozent möchten ein Zertifikat wie z. B. Sachverständiger für Immobilienbewertung bzw. Certified Real Estate Analyst erwerben. Lediglich die älteren drei der angebotenen Studiengänge schließen mit dem Diplom ab, während die restlichen drei Executive Master Programme sind. Diese Programme fokussieren auf die Ausbildung von Führungskräften speziell für Immobilienunternehmen. Die Tatsache, dass sich bisher nur drei Studiengänge auf Unternehmensführung spezialisieren, ist auf die insgesamt noch geringe Verbreitung von Executive Master Abschlüssen in Deutschland zurückzuführen. Anders sieht dies beispielsweise in den angelsächsischen Ländern aus. Die Bachelor- und Master-Studiengänge zeichnen sich ebenfalls durch einen hohen Grad an Spezialisierung aus. So reicht das Angebot von technischem Gebäudemanagement (Bachelor, Master), über Real Estate Management (Master) hin zu Property Valuation (Master). Wirft man einen Blick auf das Kursangebot der Studiengänge, so wird man feststellen, dass die klassischen Betriebs-wirtschaftsfächer nicht fehlen. So findet sich in 28 der 71 Studiengänge das Fach Investition und Finanzierung im Stundenplan, in 20 Studiengängen werden Managementvorlesungen angeboten, 12 bieten Controlling bzw. Kosten- und Leistungsrechnung an und in 7 Studiengängen wird Marketing gelehrt. Neben Grundkenntnissen in BWL bieten die Studiengänge aber auch eine speziell auf die Immobilienbranche zugeschnittene Fächerauswahl an. So steht in 21 der 71 Studiengänge Immobilienvertragsrecht als Spezialisierung auf dem Stundenplan, Immobilienbewertung kann bei 17 Studiengängen gewählt werden, während Baukonstruktion nur an 14 Ausbildungseinrichtungen angeboten wird.

Nur bedingt berufsbegleitend
Nur bedingt berufsbegleitend

Britische Studiengänge in Immobilienökonomik haben ein ähnliches Angebot an Veranstaltungen, sie legen jedoch einen stärkeren Schwerpunkt auf Immobilienrecht und das damit verbundene Steuerrecht. Allen angelsächsischen Studiengängen im Bereich Immobilienökonomik ist der Schwerpunkt auf klassische finanzökonomische Fächer wie Investition und Finanzierung gleich. Außerdem wird ein stärkerer Schwerpunkt auf Bewertungstechniken von Immobilien gelegt. Abgesehen von diesen Unterschieden sind die deutschen Studiengänge den angelsächsischen jedoch sehr ähnlich, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die deutschen Ausbildungsinstitute mit ihren immobilienökonomischen Studiengängen durchaus international konkurrenzfähig sind.

Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler
Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler

Da die Ausbildung zum Immobilienökonom Zuwachs für Immobilienunternehmen liefern soll und nicht auf die Ausbildung von akademischem Nachwuchs abzielt, sollten diese Studiengänge durch einen hohen Praxisbezug gekennzeichnet sein. Für Studienanfänger sollte ausreichend Zeit für Praktika gegeben sein, während bereits Berufstätigen ein begleitendes Studium möglich sein sollte. Bei genauerer Betrachtung der Ausbildungsmöglichkeiten fällt jedoch auf, dass nur 28 der 71 Studiengänge ein berufsbegleitendes Studium zulassen, die Mehrzahl dies jedoch nicht vorsieht. Hier sollten sich die Ausbildungsinstitutionen stärker an den Wünschen der Immobilienwirtschaft und der Studenten orientieren, die beide von berufsbegleitenden Studiengängen profitieren werden, da erlerntes Wissen hierdurch stärker mit Erfahrung der Praxis verbunden werden kann. Fakultäten, die rein immobilienwirtschaftliche Studiengänge anbieten, sind neben den Ingenieurswissenschaften, welche mit 26 Studiengängen vertreten sind, die Wirtschaftswissenschaften, wobei sich hier 14 volkswirtschaftliche Fakultäten und 20 betriebswirtschaftliche Fakultäten engagieren. Die Rechtswissenschaften scheinen keine Spezialisierungen auf Miet-, Bau- oder Immobilienrecht anzubieten. Diese sind höchstwahrscheinlich schon in den privatwirtschaftlichen Vorlesungen integriert. Die International Real Estate Business School in Regensburg ist hier jedoch Vorreiter mit einem Lehrstuhl für Immobilienrecht. Überraschend ist, dass Architektur-Lehrstühle nur drei Studiengänge im interdisziplinären Feld der Immobilienökonomik anbieten und sich eher auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Für die Zukunft wäre es durchaus fruchtbar, wenn Ingenieure, Architekten und Wirtschaftswissenschaftler gemeinsam interdisziplinäre Studiengänge anbieten. Gerade für den Bereich Gebäudemanagement wäre dies von Vorteil.Alles in allem scheint dieses wachsende Feld gut aufgestellt zu sein. Zum einen gibt es für den an der Immobilienwirtschaft interessierten Studenten mittlerweile genügend Auswahlmöglichkeit an Studiengängen, zum anderen scheinen die Studiengänge keine Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Immobilien zu sein, sondern sind speziell auf den Immobiliensektor zugeschnitten. Dies ist vor allem daran zu ersehen, dass genügend Spezialisierungsstudiengänge vorhanden sind. Verbesserungsbedarf besteht jedoch im Bereich des berufsbegleitenden Studiums und der Executive Master Programme, die speziell als Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte mit mehrjähriger Berufserfahrung gedacht sind. Da es sich hier jedoch um einen noch sehr jungen Studienbereich handelt, ist in den nächsten Jahren mit Erweiterungen und Verbesserungen zu rechnen. Hilfreich wären in jedem Fall Studien, welche den Personalbedarf der Immobilienwirtschaft genauer analysieren. Einen Weg stellen hier beispielsweise Umfragen dar, bei denen gezielt die von den Unternehmen geforderten Spezialisierungen und allgemeinen Fertigkeiten der Absolventen erhoben werden.