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Fracking steht für „hydraulic fracturing“, zu Deutsch: hydraulische Risserzeugung. Mit dieser Methode wird Öl oder Gas aus gering durchlässigen Gesteinsschichten an die Oberfläche befördert. Dazu wird ein Gemisch aus Wasser, Stützmitteln wie Sand oder Keramik und Chemikalien in den Untergrund gepresst, um tieferliegende Gesteinsschichten zu spalten. In den USA wird das Verfahren seit einigen Jahren kommerziell angewandt und infolge dessen so viel Öl und Gas gefördert wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Über ein Viertel mehr Erdgas produzierten die USA 2013 im Vergleich zum Jahr 2000, womit ein Preisverfall auf bis zu 3,7 US-Dollar pro mm BTU (Million British thermal unit) einherging. In Deutschland hingegen sind die Erdgaspreise bis 2013 auf beinahe das Dreifache dieses Werts gestiegen.

In Deutschland werden rund 1.300 Milliarden Kubikmeter technisch gewinnbares Schiefergas vermutet. Rein rechnerisch könnte der hiesige Verbrauch damit über zehn Jahre gedeckt werden. Warum also nicht auch in Deutschland die Schiefer bearbeiten? Schließlich müssen immer größere Anteile des Energieverbrauchs durch Importe gedeckt werden, im Fall von Erdgas sind es rund 86 Prozent. Dabei ist Russland mit 37 Prozent der wichtigste Lieferant. Allerdings fehlt es beim Fracking vor allem gesellschaftlich an Akzeptanz. Zu groß ist die Sorge vor Umweltbeeinträchtigungen, besonders vor Verunreinigungen des Grundwassers. Mit den Anfang Juli vorgelegten Eckpunkten adressiert die Bundesregierung diese Bedenken und bringt damit Bewegung in die Fracking-Debatte.

Den Eckpunkten zufolge sollen Förderungsvorhaben oberhalb von 3.000 Metern grundsätzlich verboten sein — zum Schutz des Grundwassers. Probebohrungen bleiben jedoch unter strengen Auflagen erlaubt, ebenso wie die seit Jahrzehnten übliche Förderung von sogenanntem Tight Gas (konventionelles Fracking). Ausgenommen von Fracking-Vorhaben jeglicher Art sind Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebiete oder auch Einzugsbereiche von Talsperren und Seen, die der Trinkwassergewinnung dienen. Das Verbot könnte auch auf alle Trinkwassergewinnungsgebiete ausgeweitet werden. Für alle potenziellen Vorhaben gelten umfangreiche Umweltauflagen und Berichtspflichten. Die Beweislast für mögliche Bergschäden liegt bei den fördernden Unternehmen. Außerdem erhalten die Bundesländer die Möglichkeit, im Rahmen der Landesentwicklungsplanung weitere Regelungen zu erlassen.

Eine kommerzielle Förderung von Schiefergas in Deutschland wird es also vorerst nicht geben. Mit der grundsätzlichen Erlaubnis von wissenschaftlich begleiteten Erprobungsbohrungen ist dies jedoch nicht für alle Zeiten ausgeschlossen. Auf Basis neuer Erkenntnisse soll die Regelung 2021 evaluiert werden. Bis dahin kann offen gelegt werden, ob Schiefergas zu umweltverträglichen Bedingungen und zu auskömmlichen Kosten gefördert werden kann. Bislang sind die hiesigen Vorkommen nicht bestätigt und mit großen Unsicherheiten behaftet. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die tatsächlich förderbaren Schiefergasmengen in der EU erheblich niedriger sind als in den USA. Zudem sind die Vorkommen quer über Europa verteilt und auch die Besiedlungsstrukturen nicht mit denen Nordamerikas vergleichbar — ergo höhere Förderkosten. Auch wenn von einem Energie-Boom, wie in den USA, nicht auszugehen ist, könnte Schiefergas perspektivisch zur Diversifizierung des Energiebezugs beitragen. Dass die Möglichkeit, Erfahrungswerte bei der Erschließung solcher Vorkommen zu sammeln, erhalten bleibt, ist daher ein gutes Zeichen.

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