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Trotz des demografischen Wandels und dem damit einhergehenden Bevölkerungsrückgang, der jüngst durch den neuen Zensus bestätigt wurde, werden in Deutschland jeden Tag rund 74 Hektar neue Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen und entsprechend genutzt (Stand 2011, siehe Schaubild). Das entspricht etwa der Größe von 105 Fußballfeldern.

Eine steigende Siedlungs- und Verkehrsfläche geht mit steigenden Infrastrukturkosten für z. B. Straßen und Leitungen einher, die aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland in Zukunft von immer weniger Köpfen getragen werden muss. Dies belastet sowohl die privaten Haushalte als auch die Kommunen zunehmend. Hinzu kommen die negativen Folgen für Umwelt und Natur durch einen steigenden Anteil an versiegelten Flächen.

Aus diesen Gründen hat die Bundesregierung im Rahmen ihrer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel definiert, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Ausgehend von diesem Flächensparziel untersucht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Umweltbundesamtes, ob ein Zertifikatesystem in der Lage ist, die Siedlungsentwicklung zu verringern ohne gleichzeitig die Entscheidungsfreiheiten der Kommunen zu stark zu beeinträchtigen. Der Flächenhandel wird aktuell in einem bundesweiten Modellversuch mit zunächst 15 Testkommunen vorbereitet. In der zweiten Phase dieses Vorhabens soll der Handel dann ab dem Jahr 2014 mit 50 bis 100 Kommunen in einem realitätsnahen Planspiel getestet werden.

Beim Flächenhandel wird ein Flächensparziel in Form von Zertifikaten verbrieft und an die Kommunen verteilt. Die Flächenzertifikate ähneln den CO2-Zertifikaten, die Unternehmen vorlegen müssen, um eine bestimmte Menge an Treibhausgasen ausstoßen zu dürfen. Wenn eine Kommune also bisher ungenutzte Flächen im Außenbereich zu Bauland machen will, muss sie eine entsprechende Anzahl an Flächenzertifikaten vorweisen. Für Bebauungen im Innenbereich sind keine Zertifikate erforderlich, hierzu gehören alle Flächen im bebauten Ortsteil. Die Zertifikate sind zwischen den Kommunen frei handelbar, das heißt, es können sowohl zusätzlich benötigte Zertifikate von anderen Kommunen erworben als auch überschüssige an andere Gemeinden verkauft werden. Diese können die Zertifikate auch für spätere Aktivitäten ansparen. Weitere Zertifikate erhalten die Kommunen durch Rückbaumaßnahmen – sogenannte weiße Zertifikate.

Die Erstverteilung wird aus Gründen der Akzeptanz zunächst kostenlos erfolgen und dann sukzessive durch eine nicht-kostenlose Zuteilung via Auktionen ersetzt. Für die kostenlose Zuteilung der Zertifikate kommt ein Schlüssel zur Anwendung, der die Bevölkerung als Bedarfsindikator einer Kommune heranzieht und die Menge der Zertifikate für jeweils ein Jahr festlegt. Zur Berücksichtigung der unterschiedlichen größenabhängigen Flächenbedarfe, gibt es drei verschiedene Größenklassen, so dass Kommunen in einer höheren Größenklasse immer mehr Zertifikate, aber weniger Zertifikate pro Kopf erhalten.

Der Handel ermöglicht den Gemeinden, flexibel ihre gewünschten Entwicklungsmöglichkeiten im Rahmen der planerischen Vorgaben umzusetzen, da sie sich über das ihnen zugeteilte Basiskontingent hinaus Zertifikate zukaufen können. Schließlich schaffen die veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen einen permanenten Anreiz für eine flächenschonende Baulandentwicklung, weil Flächenausweisungen einen „Preis“ bekommen. Hierdurch werden vermehrt Bebauungen im Innenbereich auf Baulücken oder auf Brachflächen stattfinden.

Ansprechpartner

Regionale Armut
IW-Pressemitteilung, 5. Dezember 2016

Regionale Armut Auf die Preise kommt es anArrow

Der Westen Deutschlands ist reich, der Osten arm – so pauschal läuft häufig die Armutsdebatte. Tatsächlich aber stehen vor allem westdeutsche Städte schlecht da, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr

IW-Kurzbericht, 5. Dezember 2016

Klaus-Heiner Röhl Regionale Wirtschaftsstrukturen und ArmutsgefährdungArrow

Armutsgefährdung hängt stark von regionalen Wirtschaftsstrukturen und Lebensverhältnissen ab, wie die Analyse der einkommensbezogenen Armutsquote und des Abschneidens im Regionalranking der IW Consult für die 402 deutschen Kreise zeigt. Eine Anti-Armutspolitik setzt deshalb am besten auf eine Kombination personenbezogener und regionalpolitischer Maßnahmen. mehr

MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr