Fischereipolitik der EU Image

Schon vor über 30 Jahren hatte sich die EG dazu verpflichtet, ihre Fangquoten am Prinzip des höchstmöglichen Dauerertrags auszurichten. Diesen schätzte der Internationale Rat zur Erforschung der Meere in jedem Jahr und die Fischereiminister setzten dann die Fangquoten fest. Dieses Verfahren ist de facto gescheitert – 75 Prozent der Bestände in den Gewässern der EU sind überfischt. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass nicht die Fangmengen, sondern die im Hafen angelandeten Mengen gezählt wurden. Das hatte zur Folge, dass gefangene Fische, für die ein Fischer keine Quote hatte oder die schlicht einen geringen Preis erzielt hätten, wieder ins Meer geworfen wurden. Die meisten dieser Fische verendeten dabei, zählten aber nicht als Fang. Dieser sogenannte Discard machte nach Schätzungen etwa 23 Prozent der Fänge aus. Er weichte somit die angedachten Nachhaltigkeitsprinzipien in der Fischerei bereits auf. Erschwerend kam hinzu, dass die Minister regelmäßig deutlich höhere Fangquoten festlegten als von den Wissenschaftlern empfohlen. Im Jahr 2011 lag die Quote mehr als 20 Prozent über den Empfehlungen. Zuvor war die Abweichung noch deutlich höher, beispielsweise fast 50 Prozent in 2009. Vor allem die Mittelmeeranrainer drängten zumeist auf höhere Quoten, denn sie besitzen die größten Flotten in der EU. Eine weitere Schwierigkeit waren die nach wie vor zu großen Flotten, die dank der EU-Beihilfen technisch immer weiter aufgerüstet wurden.

Die jetzt beschlossene Neuregelung soll einige der alten Schwächen beheben und die europäische Fischerei ökonomisch, ökologisch und sozial neu aufstellen. Dabei wird vor allem beim Discard angesetzt. So soll von den heutigen Anlandungsquoten auf tatsächliche Fangquoten umgestellt werden. Ab 2014 wird schrittweise ein Discardverbot umgesetzt. Damit einher soll eine bessere Überwachung der Fischerei gehen. Bei Verstößen soll künftig ein Ausschluss der Täter von EU-Beihilfen ermöglicht werden. Diese Bestimmungen werden für EU-Schiffe auch außerhalb der eigenen Gewässer gelten. Es werden zudem die viel kritisierten Fänge vor Afrika erfasst, die allerdings mengenmäßig eher unbedeutend sind. Fast 80 Prozent der EU-Fänge erfolgen im Nordostatlantik und im Mittelmeer. Auch in Bezug auf die Ausrichtung der Fangmengen an wissenschaftlichen Gutachten hat die EU Besserung gelobt. In der Summe ist von der anstehenden Reform eine Verbesserung des Ressourcenmanagements in den europäischen Gewässern zu erwarten. Für die weltweit angespannte Situation in der Fischerei bedeutet das bestenfalls eine kleine Entlastung, denn die europäischen Nationen sind beim Kampf um den Fisch eher Nebendarsteller. Lediglich 5,7 Prozent der Weltfänge werden von europäischen Fischern aus dem Meer geholt.

Die Reform hat aber auch eine ökonomische Dimension. Die Flotten sollen weiter schrumpfen. Allerdings hat man sich hier eine Hintertür offen gelassen für den Fall, dass die neuen Quoten eine Flotte sozial oder wirtschaftlich gefährden. Zur Abrundung ist beschlossen worden, dass künftig die Küstenfischerei bei der Vergabe der Quoten privilegiert werden soll. Von der eher handwerklichen Fischerei mit kleinen Booten verspricht man sich höhere Arbeitsplatzeffekte in EU-Krisenregionen und nachhaltigere Fangmethoden als von den wenigen Fabrikschiffen.

In den Neuregelungen steckt auch eine gewisse Verteilungskomponente zwischen den Mitgliedstaaten, denn die Fischereiflotten sind relativ heterogen. Zudem sind Flotten und Fischer in wenigen Ländern konzentriert.

Von den mehr als 83.000 Fischereifahrzeugen in der EU sind 80 Prozent kleine Einheiten mit weniger als zwölf Metern Länge. Zusammen bringen sie aber nur wenig mehr als die Hälfte der Bruttoregistertonnen zusammen, welche die 83 Schiffe der größten Kategorie auf sich vereinigen. Gerade in Griechenland, Italien und Portugal herrschen diese kleinen Boote der Küstenfischer vor. In Spanien, dem Land mit dem größten Fischereisektor der EU, gibt es hingegen tendenziell größere Schiffe.

Broschüre

Die Gemeinsame Fischereipolitik in Zahlen: Die Gemeinsame Fischereipolitik in Zahlen 2012 – Statistische Grunddaten

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The Economic Effects of a Brexit on the UK
Gastbeitrag, 25. August 2016

Jürgen Matthes and Berthold Busch in European Financial Review The Economic Effects of a Brexit on the UKArrow

The results of a plethora of studies on the likely economic impact of a Brexit on the UK are rather confusing. In this article, IW economists Jürgen Matthes and Berthold Busch challenge the mainstream view and argue that the risks of a Brexit are likely to be underestimated. mehr