Doch es ist eher das Gegenteil der Fall, die Überfischung der Meere nimmt immer drastischer Formen an. Bis zu 70 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten sind schon heute stark überfischt oder erschöpft. Bei den besonders gefragten großen Raubfischen wie etwa dem Thunfisch oder dem Marlin gehen Experten davon aus, dass die Bestände in den letzten 50 Jahren be¬reits um über 90 Prozent geschrumpft sind. Inzwischen werden vermehrt Tiefseefische gefangen, deren langsamer Lebenszyklus eigentlich eine nachhaltige kommerzielle Nutzung ausschließt. Wissenschaftler befürchten bereits, dass die Fischerei Mitte dieses Jahrhunderts zusammenbrechen könnte. Dies hätte vor allem in den Ländern der dritten Welt unüberschaubare Folgen für die Ernährungssituation, denn gerade in den Ländern Asiens und Afrikas ist Fisch ein zentraler Bestandteil der Eiweißversorgung.

Eine Antwort auf diese Frage ist aber schwierig, da wir bis heute nur sehr ungenaue Vorstellungen davon haben, welche Tiere überhaupt in welcher Zahl in den Ozeanen leben. Um diese Wissenslücke zu schließen, arbeiten Wissenschaftler seit dem Jahr 2000 an einer „Volkszählung“ in den Weltmeeren. Über 1.000 Forscher aus 73 Nationen beteiligen sich am „Census of marine life“ (CoML), einem auf zehn Jahre angelegten Programm, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der maritimen Lebensformen erforschen soll. Für die aktuelle Fischereipolitik besonders interessant ist dabei der Aufbau des „Ocean Biogeographic Information System“ (OBIS), einem internetgestützten Katalog von Arten und ihren Verbreitungsgebieten, der mit Daten aus zahlreichen neuen Feldstudien gespeist wird. Im Zuge dieser Katalogisierung wurden auch bereits zahlreiche neue Arten entdeckt. Mit der Prognose der zukünftigen Entwicklung des Lebens im Wasser beschäftigt sich das FMAP-Projekt (Future of Marine Annimal Populations). Im Zuge dieses Unterprogramms des Census-Projekts werden Prognosemodelle entwickelt, die als Basis für eine in Zukunft nachhaltigere Fischereipolitik dienen können.

www.coml.org

www.iobis.org

www.fmap.ca