In den Niederlanden werden auch gerne 120 Prozent des Hauskaufes finanziert und in Großbritannien konnte man zumindest bis vor einiger Zeit auch dann ein Darlehen bekommen, wenn man keine Einkommensnachweise vorweisen konnte.

Diese Unterschiede stehen zunächst im Widerspruch zu einem einheitlichen Binnenmarkt. Denn eigentlich sollten die Kunden in Europa überall die gleichen Produkte und Dienstleistungen erhalten können. Da nicht einmal 1 Prozent der Darlehen grenzüberschreitend vergeben werden, hat die EU-Kommission nun den Markt für Immobiliendarlehen ins Visier genommen.

Unterschiede
Unterschiede

Das der erste Blick täuschen kann, zeigt ein aktuelles Gutachten des IW Köln in Kooperation mit dem ZEW Mannheim und der Universität Bonn.* So deuten die Unterschiede in den Immobilienfinanzierungssystemen nicht auf unvollständige Märkte hin, sondern auf unterschiedliche Vorraussetzungen und Rahmenbedingungen. Ein wichtiges Beispiel stellt die Existenz eines Subprime-Marktes – also eines Marktes für bonitätsschwache Kunden – dar. Im Vereinigten Königreich gibt es keine Alternative zum Eigentum. Es gibt kaum Mietwohnungen und so muss jeder Haushalt, der angemessen wohnen möchte, irgendwie den Eigentumserwerb stemmen. Darauf haben sich die britischen Banken eingestellt und bieten auch dann Darlehen an, wenn die Kreditwürdigkeit des Kunden sehr gering ist. Dafür verlangen sie auch entsprechend hohe Zinsaufschläge. In Deutschland und in Frankreich dagegen gibt es keinen Bedarf an solchen Angeboten, weil die Kunden in diesen Ländern auf ein breit aufgestelltes Mietwohnungsangebot zurückgreifen können. Die Eigentumsquote ist damit entsprechend niedrig (Grafik).

Auch der Mangel an grenzüberschreitenden Finanzierungen lässt sich ökonomisch begründen. So stellt das Immobiliendarlehen für die meisten Menschen das größte Kreditgeschäft ihres Lebens dar. Hierbei möchte man kaum auf persönliche Beratung verzichten und vertraut deshalb in der Regel auf regionale Banken oder zumindest Anbieter, die im nationalen Markt präsent sind. Dies gilt gerade auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise. Ausländische Anbieter haben es daher schwer, zumal sie über den Zinssatz kaum konkurrieren können. Schließlich unterscheiden sich die Kosten der Darlehen, bereinigt um die Produktunterschiede, kaum. Allerdings gibt es nicht nur ökonomische, sondern auch rechtliche Hindernisse, bei denen die EU-Kommission ansetzen könnte. So dürfen etwa deutsche Banken in Frankreich keine Darlehen anbieten, weil es dort verboten ist, vom Kunden im Fall einer vorzeitigen Tilgung des Darlehens eine vollständige Kompensation für den Zinsschaden zu verlangen.

Um nun die Chancen ausländischer Anbieter zu verbessern, prüft die EU-Kommission die Harmonisierung der europäischen Wohnungsbaukredite. Dabei gilt es aber zu beachten, dass einheitliche Produkte und Regeln keine nationale Besonderheiten berücksichtigen können. Statt mehr Auswahl gäbe es außerdem weniger Wahlmöglichkeiten. Besser wäre es daher, neben die nationalen Produkte zusätzlich europäische Produkte zu stellen. Wer grenzüberschreitend oder in vielen Ländern agiert, müsste ein Produkt nach den europäischen Regeln anbieten, während Andere bei den nationalen Produkten bleiben könnten. Der Vorteil wäre ein echter Wettbewerb der Produkte, der die Entscheidungsfreiheit der Kunden nicht zugunsten der Erleichterung grenzüberschreitender Finanzierungen beschneidet.

* Voigtländer et al., 2010

Ein europäischer Binnenmarkt für die Wohnungsbaufinanzierung

verfügbar über den Verband privater Bausparkassen e.V.

Gastbeitrag, 1. Dezember 2016

Michael Voigtländer in der Rheinischen Post Eigenheim-Förderung? Ja, aber richtig!Arrow

Angesichts niedriger Bauzinsen ist Wohneigentum heute fast überall günstiger als das Wohnen zur Miete. Doch viele Familien verfügen nicht über das nötige Eigenkapital. Statt neue Zuschüsse einzuführen, sollte der Staat die Nebenkosten senken. Ein Gastbeitrag von IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer in der Rheinischen Post. mehr

Gutachten, 28. November 2016

Michael Voigtländer / Björn Seipelt Wohnkostenreport – Droht eine Überhitzung des deutschen Wohnungsmarktes?Arrow

Die Analyse von Mieten und Wohnnutzerkosten für 402 Kreise zeigt, dass das Wohnen im eigengenutzten Wohneigentum auf breiter Basis deutlich günstiger ist als das Wohnen zur Miete. Bei einer gesamtdeutschen Betrachtung ist der Erwerb von Wohneigentum durchschnittlich rund 41 Prozent günstiger als das Mieten. mehr