Bei der Frage nach „den größten Problemen auf der ganzen Welt“ wurde nur die Antwortmöglichkeit „Armut, Mangel an Nahrung und Trinkwasser“ von den Befragten häufiger als der Klimawandel gewählt. Nationale Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, demografischer Wandel oder Staatsverschuldung wurden nicht thematisiert. Ebenso wenig finden sich wirtschaftlich relevante Themen wie Probleme der Rohstoff- oder Energieversorgung unter den Antwortmöglichkeiten.

Die größten weltweiten Probleme
Die größten weltweiten Probleme

Innerhalb dieser Auswahl bezeichneten 68 Prozent der Befragten die Armut und 62 Prozent den Klimawandel als größtes weltweites Problem. Der „internationale Terrorismus“ und „bewaffnete Konflikte“ folgen mit 53 und 38 Prozent. Diese Reihenfolge ergibt sich auch für die deutschen Befragten, die insgesamt mehr Probleme nannten als der EU-Durchschnitt. Nicht alle Südeuropäer, die innerhalb der EU die größte Last des Klimawandels zu tragen haben dürften, äußern sich überdurchschnittlich besorgt: Italiener und Portugiesen liegen mit jeweils 47 Prozent deutlich unter dem Schnitt. In der Hälfte der Fragebögen wurde in den Antwortvorgaben von „globaler Erwärmung“ statt von „Klimawandel“ gesprochen. Auch mit diesem Begriff wurde der Klimawandel als zweitgrößtes Problem benannt.

Je älter ein Befragter ist, desto weniger neigt er dazu, den Klimawandel zu den größten Problemen der Welt zu zählen. Bildung dagegen erhöht die Sorge über den Klimawandel. Auch Führungskräfte nehmen dieses Problem überdurchschnittlich häufig wahr. Noch etwas enger ist der Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung des Klimawandels als Problem und dem Grad, zu dem man sich über ihn informiert fühlt: Wer sagt, er sei gut über Ursachen, Folgen oder Bekämpfungsmöglichkeiten des Klimawandels informiert, macht sich mehr Sorgen darüber als schlecht Informierte. Wie es um die Informiertheit der EU-Bürger steht, zeigen die Reaktionen auf die Aussage, dass der CO2-Ausstoß nur einen geringen Einfluss auf den Klimawandel habe. Dies halten immerhin 30 Prozent der Befragten für richtig, und 15 Prozent enthalten sich eines Urteils. In Deutschland fallen die Enthaltungen niedriger und die Ablehnungen in demselben Ausmaß höher aus.

Im Eurobarometer wurde auch gefragt, wer etwas gegen den Klimawandel unternehmen sollte. Mehr gegen den Klimawandel sollten nach Meinung der Befragten zunächst Unternehmen und die Industrie tun (76 Prozent), dann die Bürger selbst (67 Prozent), die jeweilige nationale Regierung (64 Prozent) und schließlich die EU (58 Prozent). Gemeinsam mit den Iren kritisieren die Deutschen ihre Regierung mit 48 Prozent am wenigsten für zu geringes Handeln; 8 Prozent von ihnen halten die Aktionen hingegen für zu viel.

In der Befragung wurde auch das private klimarelevante Verhalten näher betrachtet. Unter den Maßnahmen der Bürger gegen den Klimawandel rangieren Mülltrennung und -vermeidung und die Verminderung von Energie- und Wasserverbrauch im Haushalt auf den ersten Plätzen. Deutlich seltener berichten die Befragten von Änderungen ihres Mobilitätsverhaltens.

Wer nichts gegen den Klimawandel unternimmt, verhält sich nicht aus mangelnder Besorgnis über den Klimawandel so; nur 9 Prozent der Befragten, die ihr Verhalten nicht aus Klimaschutzgründen ändern, bestreiten die Notwendigkeit, das Klima zu schützen. Wichtiger ist für diese Personen, dass sie die Verantwortung bei anderen sehen (42 Prozent), dass sie nicht wissen, was sie selbst tun können (34 Prozent), keinen Einfluss auf den Klimawandel erkennen (26 Prozent) oder zu hohe Kosten fürchten (15 Prozent). Wer dagegen etwas unternimmt, glaubt an die Effekte seines Handelns (63 Prozent), empfindet dies als Bürgerpflicht (61 Prozent) und denkt an kommende Generationen (52 Prozent).

Spezial Eurobarometer 300| PDF

Einstellungen der europäischen Bürger zum Klimawandel