Ethik des Essens Image

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gab es im Jahr 2011 zwar in immerhin 44 Prozent der deutschen Lebensmittelbetriebe Kontrollen. Weil Personal und Zeit fehlte, setzten die Kontrolleure aber auf Stichproben, vor allem bei Wiederholungstätern, anstatt auf systematische, unangekündigte Prüfungen aller Betriebe. Das Kontrollsystem ist also löchrig und für den Verbraucher kaum nachvollziehbar.

Insbesondere der Pferdefleischskandal hat gezeigt, welche Probleme sogenannte „Vertrauensgüter“ bereiten. Anders als bei Inspektions- und Erfahrungsgütern lässt sich die Qualität dieser Güter weder vor noch nach dem Kauf verlässlich beurteilen (siehe Abbildung). Zwar kann der Konsument bestimmen, ob ein Ei faul ist oder nicht, aber ob die vermeintlichen Bio-Eier tatsächlich von „glücklichen Hühnern“ stammen, kann er nicht überprüfen. Anders als beim Kauf eines Neuwagens müssen Konsumenten bei Vertrauensgütern sozusagen auf die Testfahrt verzichten und sich auf den Verkäufer verlassen.

Welche Güterkategorien gibt es?

  • Such- und Inspektionsgüter: Die Güter sind vor dem Kauf überprüfbar, z. B. ein Buch; die Informationsasymmetrie ist gering.
  • Erfahrungsgüter: Die Qualität des Gutes lässt sich erst nach dem Kauf feststellen; da das Gut aber immer wieder gekauft wird, lernt der Konsument aus seinen Erfahrungen, z. B. ein Haarschnitt; mittlere Informationsasymmetrie.
  • Vertrauensgüter: Die Qualität ist sowohl vor als auch nach dem Kauf kaum zu ermitteln oder nur zu hohen Kosten, z. B. ärztliche Versorgung, Anlageberatung, Schulbildung. Das Vertrauen in die Anbieter ersetzt meist die Informationssuche.

Ein Problem aller Güter ist, dass sich die Herstellungsbedingungen nicht direkt inspizieren lassen: Die Käufer müssen den Produzenten und unabhängigen Siegeln und Prüfverfahren vertrauen. Denn ob ein Baum aus einem zertifiziert nachhaltigen Waldgebiet kommt oder eine Forelle aus zertifiziert nachhaltiger Fischerei, sieht man dem Produkt nicht an. Ähnliches gilt für Bio-Produkte.

Aber die Siegelwelt ist unübersichtlich. Neben dem 2001 eingeführten staatlichen Bio-Siegel gibt es allein in Deutschland mehr als 100 weitere Siegel und Zeichen, die Bio-Lebensmittel kennzeichnen. Dies ist verwirrend und nützt dem Verbraucher nur wenig. Einfache Indikatoren wie der Preis eines Produktes helfen leider oft auch nicht weiter. Die Qualität etwa von Fleisch kann kaum am Preisschild abgelesen werden: Teuer ist nicht automatisch gut. Vielmehr sollten Konsumenten auf die Herkunft der Lebensmittel, das Mindesthaltbarkeitsdatum sowie eine richtige Lagerung achten. Zuhause sollten die Lagerungstemperaturen von Eiern und Frischfleisch 4 °C nicht überschreiten. Empfehlenswert ist auch das Trennen „reiner" Arbeiten (beispielsweise des Kochens) von „unreinen" Arbeiten wie dem Verarbeiten von Fleisch oder Putzen von Gemüse. Rohe Lebensmittel sollten grundsätzlich getrennt von gegarten Speisen aufbewahrt werden. Produzenten hingegen sollten sich anstrengen, mehr Vertrauen zu schaffen.

Leider gibt es zahlreiche Verlockungen, unmoralisch zu handeln – insbesondere wenn die Informationen ungleich zwischen Anbieter und Konsument verteilt sind. Mit einer einfachen Umdeklaration lässt sich der Gewinn etwa aus dem Verkauf von Eiern verdoppeln oder sogar verdreifachen. Ziel muss es daher sein, die Regeln so zu gestalten, dass der ökonomische Anreiz zu unmoralischem Verhalten klein ist. Der Gesetzgeber könnte die Strafen für Verstöße verschärfen, etwa indem er die Bußgelder erhöht und die Haftzeiten verlängert. Noch wichtiger ist aber, für ein verändertes Verständnis zu werben, so dass die Beteiligten aus Einsicht nicht mehr den schnellen Gewinn suchen, sondern Reputation aufbauen und nachhaltige Gewinne erzielen.

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