Erziehungsziele
Erziehungsziele

Ehrlichkeit bedeutet Aufrichtigkeit, Fairness, Anständigkeit oder auch Zuverlässigkeit. Beinahe antiquiert wirken solche Werte; standen doch ganz oben auf der Liste der gewünschten Erziehungsziele noch vor einigen Jahren Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Zwar sind diese Ideale geblieben, doch sind andere hinzugekommen: Im Jahr 2010 sind Ehrlichkeit und Verlässlichkeit auf den ersten Plätzen der Erziehungsziele zu finden (Stiftung für Zukunftsfragen, 2010). Sogar „Anstand“ findet sich unter den Top Ten.

Während vor einigen Jahrzehnten noch die Selbstverwirklichung durch Erreichen eigener Ziele und Wünsche im Vordergrund stand, werden heute wieder altbewährte Werte als Orientierung herangezogen. Für 80 Prozent der Deutschen ist Sicherheit besonders wichtig. Freiheit nennen 64 Prozent. Dass die Sicherheit der Freiheit den Rang abläuft, wäre bedenklich, wenn dies gleichbedeutend wäre damit, Sicherheit und Vorsorge in die Hände des Staates legen zu wollen. Dies ist jedoch nicht der Fall: Viele Bürger stehen der Politik mit tiefem Misstrauen gegenüber. 90 Prozent der Wähler glauben, dass Politiker nicht mehr ehrlich seien.

Stattdessen suchen mehr und mehr Deutsche Halt und Kraft in ihren Netzwerken. Man müsse zusammenrücken und sich gegenseitig helfen, sagen 88 Prozent. Egoismus sollte zugunsten des Zusammenhalts eingeschränkt werden. Dies findet einen Ausdruck im wichtiger werdenden Einsatz für Freunde (55 Prozent), Verwandte (52 Prozent) oder Nachbarn (33 Prozent). Der Partner, die Familie und die Nachbarn spielen eine viel größere Rolle für das eigene Wohlbefinden als noch vor 7 Jahren. Dieses Engagement ist jedoch nicht altruistisch: 52 Prozent der Deutschen erwarten von ihrem Gegenüber ebenfalls einen Beitrag: „Wie du mir, so ich Dir.“

Schutz und Geborgenheit wird immer mehr in der Familie gesucht. Für 90 Prozent der Deutschen ist die Familie das Wichtigste im Leben. Eine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung sehen 74 Prozent darin, zu heiraten, eine Familie zu gründen und mit ihr zu leben. Der Familie – so sieht es die Mehrheit der Deutschen – kann man vertrauen.

Ebenso nimmt das Vertrauen, das man Menschen insgesamt entgegenbringt, zu. Waren im Jahr 2000 noch 36 Prozent der Meinung anderen Menschen vertrauen zu können, so sind dies zehn Jahre später 56 Prozent. Im Westen ist das Vertrauen in die Mitmenschen noch etwas größer als im Osten. Auch für Führungskräfte in Unternehmen ist „Wahrhaftigkeit“ schon länger eine der wichtigsten Kompetenzen (Akademie der Führungskräfte der Wirtschaft, 2003). Eine Studie des Herrnstein Instituts für Management und Leadership (2009) bestätigt diese Bedeutung und betont, dass Manager einer unternehmensethischen Führung einen hohen Stellenwert beimessen. Unter einer integren bzw. wirtschaftsethischen Führung wird dabei insbesondere eine glaubwürdige Führung verstanden, was bedeutet, dass man sein Wort hält bzw. seinen Worten Taten folgen lässt. Die befragten Führungskräfte erwarten, dass integres Handeln in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Sowohl in breiten Teilen der Bevölkerung als auch bei Führungskräften der Wirtschaft ist also ein Trend hin zu mehr Integrität und Ehrlichkeit beobachtbar. Neben der Erziehung, die auf der Individualebene ansetzt, um unmoralisches Handeln zu verhindern, gehört auch eine verstärkte Einbindung von Unternehmens- und Wirtschaftsethik in die Wirtschafts- und betriebswirtschaftlichen Studiengänge zu einer Erfolg versprechenden Maßnahme.

Dieser Beitrag wurde von Frau Anuschka Van Damme, 22 Jahre, Studentin im Studiengang „Philosophy and Economics“ in Bayreuth, verfasst.

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