Zur Beantwortung dieser Frage wurden die Förderwirkungen des EEG anhand der von ihm ausgelösten zusätzlichen privaten Investitionen mit anderen Instrumenten der Wirtschaftsförderung verglichen. Aufgrund der unterschiedlichen Arten der Förderung ist ein direkter Vergleich aber kaum möglich. Zur Ermittlung der Effekte der traditionellen Instrumente der Wirtschaftsförderung wurde eine Zwillingsschätzung durchgeführt. Diese Methode vergleicht immer zwei reale strukturell möglichst identische Unternehmen, die sich im Idealfall nur durch das Kriterium der Förderung unterscheiden. Datengrundlage für diese Untersuchung war das IW-Zukunftspanel. Die erhobenen Daten erlauben es den mit verschiedenen Instrumenten geförder-ten Unternehmen, Zwillinge zuzuordnen, die eine ähnliche Förderwahrscheinlichkeit aufweisen, jedoch die Mittel nicht in Anspruch nehmen. Ein Vergleich der Zwillinge ergab die durch Förderung induzierten Investitionen.Beim EEG wurden hingegen jeweils eine fiktive, aber typische Windenergieanlage und eine Photovoltaikanlage betrachtet, die im Jahr 2007 ans Netz gingen. Für diese Anlagen wurde in Szenarien errechnet, welche Investitionen insgesamt welcher Einspeisevergütung gegenüberstehen. Zusätzlich wird für verschiedene Strompreisszenarien (Niedrig, Basis) betrachtet, welchen Marktwert der erzeugte Strom künftig haben wird, ab wann es sich für die Anlagenbetreiber rechnet, ihren Strom selber zu vermarkten, und in welcher Höhe insgesamt Wirtschaftsförderung fließt. Die Ergebnisse werden dann auf alle im Jahr 2007 errichteten Anlagen hochgerechnet. Das gleiche Verfahren wurde auch auf im Jahr 2009 installierte Anlagen angewendet, die infolge einer Gesetzesänderung in den Genuss einer höheren Einspeisevergütung kamen.

Die Untersuchung zeigte, dass die Förderung von Windenergieanlagen von allen untersuchten Instrumenten die größte Hebelwirkung aufweist. Dabei variieren die ermittelten Fördereffekte allerdings recht stark zwischen den verschiedenen Szenarien. Bei der Photovoltaik (PV) zeigte sich, dass durch die Einspeisevergütung keine zusätzlichen privaten Investitionen angestoßen werden. Die traditionellen Instrumente der Wirtschaftsförderung liegen im Mittelfeld, wobei die direkte finanzielle Förderung in Form eines Investitionszuschusses am besten abschnitt.Die hohe Förderwirkung des EEG im Bereich der Windenergie kann vor allem auf das geringe Investitionsrisiko zurückgeführt werden. Das EEG legt den Preis fest, den ein Investor für seinen Strom erzielt. Da es keine Preis- und keine Absatzrisiken gibt, trägt der Investor ausschließlich das technische Risiko. Das schlechte Abschneiden der Photovoltaikanlagen ist hingegen darauf zurückzuführen, dass es noch recht lange dauern wird, bis sich Solarstrom ohne Inanspruchnahme der EEG-Förderung wirtschaftlich vermarkten lässt. Die Einspeisesätze liegen so hoch, dass die gezahlte Förderung die getätigten Investitionen übersteigt. Es werden also keine privaten Investitionen induziert, da die Förderung im Szenario bereits alle Investitionen finanziert.

Jan-Welf Selke/Thorsten Lang/Thomas Puls
Wirtschaftsförderung durch die Förderung erneuerbarer Energien?
IW-Analysen Nr. 60, Köln 2010, 94 Seiten, 21,90 Euro

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