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Auf politische Signale durch ein neues Klimaschutz- Abkommen darf man hier kurzfristig nicht hoffen. Umso wichtiger ist es, auf andere Anreize zu setzen, damit sich emissionsarme und energiesparende Technologien frühzeitig auch in Schwellen- und Entwicklungsländern (SUE) etablieren können. Dass bedeutet vor allem die Mobilisierung privater Investitionen in erheblichem Umfang.

Für hiesige Unternehmen liegen die wichtigsten Motive für ein Klimaschutz-Engagement in SUEs ohnehin bereits außerhalb eines staatlichen Abkommens, wie die Ergebnisse des aktuellen IW-Umweltexpertenpanels zeigen. Beinahe jedes vierte der 157 darin vertretenen Unternehmen/ Mitgliedsunternehmen war schon an Projekten zur CO2- Reduktion in SUEs beteiligt.

Dabei wird deutlich, dass vor allem gesellschaftliche Leitbilder, die zunehmend durch Aspekte der Nachhaltigkeit geprägt sind, Einfluss auf unternehmerisches Handeln nehmen. So geben über 60 Prozent der Befragten aus Unternehmen und Unternehmensverbänden an, Klimaschutz in SUEs zu unterstützen, um damit eine Corporate Identity zu schaffen, die für Konsumenten, Zulieferer, Investoren oder auch Mitarbeiter attraktiv ist. Vor diesem Hintergrund sind auch freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen oder Branchen zu sehen, die an dritter Stelle der Motive zur CO2-Minderung in SUEs stehen.

Darüber hinaus hat über die Hälfte der Unternehmen über solche Klimaschutzprojekte einen ersten Zugang zu wachsenden Märkten und neuen Standorten gesucht (52 Prozent). Gerade dieses Motiv macht sich schon seit längerem die Entwicklungszusammenarbeit zu Nutze, indem sie private und gleichzeitig entwicklungspolitischen Zielen dienende Auslandsinvestitionen finanziell fördert und dabei die Erfahrung der einschlägigen Institutionen zur Begleitung der Projekte anbietet.

Immerhin 40 Prozent der Unternehmen engagieren sich aber auch in SUEs, um Verpflichtungen im europäischen Emissionshandel nachzukommen. Damit wird deutlich, dass die marktwirtschaftlichen Elemente des Kyoto-Protokolls Wirkung entfaltet haben. Reduktionsmaßnahmen in Schwellen- und Entwicklungsländern können im Rahmen des sogenannten Clean Development Mechanism (CDM) in europäische Emissionszertifikate umgewandelt werden.

Laut Internationaler Energieagentur legt der weltweite Energieverbrauch innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte um über ein Drittel zu, wobei ein Einwohner Chinas dann noch immer weniger als die Hälfte an Energie verbraucht als ein US-Amerikaner. Ansätze, die die Hebelwirkung von Investitionen hiesiger Unternehmen in SUEs für den Klimaschutz verstärken, werden daher zunehmend wichtiger. Denn anders als die UN-Klimaverhandlungen, die an den Sorgen um Wettbewerbsnachteile und eingeschränkten Wachstumsperspektiven zu scheitern drohen, schaffen sie eine nachvollziehbare Win-Win-Situation.

Ein Blick in die Entwicklungszusammenarbeit kann dabei nützlich sein. Hier wird bereits versucht, wirtschaftliche Interessen von Unternehmen mit Entwicklungs- und damit auch Klimaschutzzielen zu verbinden (z. B. in öffentlich- privaten Entwicklungspartnerschaften). Allerdings wird der hohe bürokratische Aufwand seitens der Unternehmen für öffentlich geförderte Projekte bemängelt (62 Prozent). Das zeigt eine weitere Panelfrage nach Ansätzen zur Verbesserung der Investitionsanreize.

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