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Auf diesem Wege soll es gelingen, den absoluten Primärenergieverbrauch bis 2020 um ein Fünftel zu verringern, ohne das wirtschaftliche Wachstum zu gefährden. Bis 2050 wird laut Energiekonzept sogar eine Halbierung des Energieverbrauchs angestrebt.

Bisher standen beim Thema Energieeffizienz vor allem klimapolitische Zielsetzungen im Vordergrund. Nach der jüngst beschlossenen Energiewende geht es jetzt aber auch um die Kompensation der wegfallenden Kernenergie. Auch wenn rationelle Energieverwendung seitdem als eine Art energiepolitische Wunderwaffe gehandelt wird, sagen die jüngst beschlossenen Gesetzespakte zur Energiewende dazu wenig Konkretes. Welchen Beitrag die verschiedenen Sektoren leisten sollen, ist bislang unklar und auch ein unfassendes Programm zu Realisierung der ambitionierten Ziele steht aus.

Das mag auch daran liegen, dass Energieeffizienz politisch schwer zu adressieren ist. Schließlich sind hier sämtliche Verbraucher beziehungsweise hunderte Produkte und Prozesse zu berücksichtigen. Das spricht dafür, dass viele Potenziale am besten auf einzelwirtschaftlicher Ebene gehoben werden können. Steigende Energie- und CO2-Preise machen eine rationelle Energieverwendung hierzulande ohnehin zur unternehmerischen Notwendigkeit.

Tatsächlich ist gerade in der Industrie die Energieeffizienz seit 1995 jährlich um 2,22 Prozent und damit überdurchschnittlich gestiegen. Schon heute zählt die deutsche Industrie zu den energieeffizientesten der Welt.

Die aktuellen Befragungsergebnisse des IW-Umweltexpertenpanels bestätigen diese Dynamik. Auf die Frage, aus welchen Gründen nicht noch stärker in Energieeffizienz investiert wird, antworteten rund 90 Prozent der 181 Befragten Umweltexperten aus Unternehmen und Unternehmensverbänden, dass die wirtschaftlichsten Energieeffizienzmaßnahmen zumindest teilweise realisiert worden seien. Darüber hinaus stimmten aber auch rund 87 Prozent der befragten Experten voll oder teilweise zu, dass Betriebe häufig aufgrund längerer Amortisationszeiten vor Energieeffizienzmaßnahmen zurückschrecken. Die Investitionsförderung von effizienten Technologien kann an dieser Stelle ansetzen. Im Jahr 2012 sollen dafür rund 77 Millionen Euro in einen neuen Energieeffizenzfonds fließen.

Für jeden Dritten stellen mangelnde finanziellen Ressourcen ein deutliches Hemmniss für Energieeffizienzmaßnahmen dar.

Auch vor dem Hintergrund, dass über drei Viertel der Befragten Energieeffizienz nachrangig gegenüber anderen betrieblichen Zielen einordnen, können Investitionsförderungen sinnvoll sein. Zwar lohnen sich Energieeffizienzmaßnahmen in den meisten Fällen, jedoch wird vorhandenes Kapital primär in das betriebliche Kerngeschäft investiert. Häufig geht die energetische Optimierung von Technologien und Prozessen aber darüber hinaus. Mit steigenden Energiepreisen könnten sich die Investitionsanreize der Unternehmen allerdings verändern.

Im Umweltministerium heißt es, dass 20 bis 40 Prozent des Energieverbrauchs alleine in der Industrie zu wirtschaftlichen Bedingungen eingespart werden können. Voraussgesetzt wird bei solchen Schätzungen, dass der Zugang zu verlässlichen Informationen über Energieverbrauch, Einsparpotenziale und technische Lösungen gewährleistet ist. Der betrieblichen Realität entspricht das im allgemeinen nicht, wie die Panelergebnisse zeigen.

In fast 70 Prozent der Unternehmen ist laut der befragten Wirtschaftsvertreter kein Personal verfügbar, das sich dem Thema Energieeffizienz annehmen könnte. Bei fast 60 Prozent der Befragten ist das Energiesparpotenzial unzureichend bekannt und gar 45 Prozent verfügen nicht über umfassende und detaillierte Informationen zu ihrem Energieverbrauch. Vor allem Unternehmen mit geringer Energiekostenintensität verfügen seltener über Informationen, anhand derer Energieeffizienzmaßnahmen erwogen werden können. Die Kosten für die notwendige Informationsbeschaffung sind für rund ein Drittel der Befragten ein nennenswertes Problem. Daher weist die von der Bundesregierung angestrebte Informationskampagne und Förderung von Energieberatungen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen in die richtige Richtung.

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Siedlungsabfall Deutschland produziert zu viel MüllArrow

Vom 19. bis zum 27. November findet die diesjährige Europäische Woche der Abfallvermeidung – kurz EWAV – statt. Das Thema ist brandaktuell, denn jeder einzelne Europäer produziert durchschnittlich 474 Kilogramm Müll pro Jahr. In Deutschland ist es sogar noch mehr – allerdings wird hierzulande auch mehr recycelt. mehr

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Gastbeitrag, 17. August 2016

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