Energieintensität der Industrie
Energieintensität der Industrie

Neben im Kern betriebswirtschaftlichen Überlegungen, Maßnahmen zum sparsameren Umgang mit Energie zu ergreifen, ist die Steigerung der Energieeffizienz vor allem unter energiepolitischen sowie unter klimapolitischen Gesichtspunkten relevant. Dabei spielen verschiedene Ziele zusammen: gesamtwirtschaftliche Kostenreduktion durch die Vermeidung von Energieimporten, Schonung von prinzipiell begrenzten fossilen Energieressourcen, Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten aus unsicheren Förderländern und die Reduktion von Treibhausgasemissionen zum Schutz des Klimas und zur Erfüllung der eingegangenen Klimaschutzverpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll.

Die Energieeffizienz der deutschen Volkswirtschaft hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr positiv entwickelt. Da immer weniger Energie benötigt wird, um eine Einheit Wohlstand – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – herzustellen, ist die Energieintensität in Deutschland kontinuierlich gefallen. Insgesamt hat der Primärenergieverbrauch von 1991 bis 2006 um 1 Prozent nachgelassen, während das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum real um 24 Prozent gestiegen ist. Die resultierende gesamtwirtschaftliche Energieintensität in Deutschland ist daher in anderthalb Jahrzehnten um 20,1 Prozent zurückgegangen. Damit konnten ein jährliches reales BIP-Wachstum von 1,4 Prozent und eine jährliche durchschnittliche Reduktion der Energieintensität von 1,5 Prozent realisiert werden. Dies entspricht einer gesamten Zunahme der Energieeffizienz um 25,2 Prozent, wobei ein Teil auf den einmaligen Nachholbedarf der ehemaligen DDR-Wirtschaft zurückzuführen ist.

Einen wesentlichen Beitrag dazu hat die Industrie geleistet. Der erreichte Standard wird durch einen internationalen Vergleich der wichtigsten Industrienationen deutlich. Dabei wird der Energieverbrauch der Industrie (ohne industriell verursachte Transporte) in Beziehung zur Wertschöpfung der entsprechenden Wirtschaftszweige gesetzt.

Insgesamt wird deutlich, dass Deutschland über eine der energieeffizientesten Industrieproduktionen unter den wichtigsten Industrienationen verfügt. Hierzulande müs-sen nur 98 kg Öleinheiten verwendet werden, um 1.000 Dollar Wertschöpfung zu erzeugen. In Japan und dem Vereinigten Königreich sind es jeweils 99 kg. Einen er-heblichen Abstand haben andere EU-Länder wie Frankreich mit 140 kg und Italien mit 131 kg. Deutlich schlechter sieht es auch in Nordamerika aus. So brauchen die USA je 1.000 Dollar Wertschöpfung in Industrie und Bergbau 152 kg Öleinheiten Energie, Kanada sogar 301 kg – also mehr als drei mal so viel wie Deutschland. Die hohe Energieeffizienz der Industrie unterstreicht noch einmal die gute Position Deutschlands im internationalen Vergleich, bei dem einige andere Länder aufgrund ihres niedrigeren Industrialisierungsgrads gesamtwirtschaftlich etwas besser abschneiden.

Hubertus BardtSteigerung der Energieeffizienz – Ein Beitrag für mehr Umweltschutz und WirtschaftlichkeitIW-Positionen Nr. 30, Köln 2007, 52 Seiten, 11,80 Euro, ISBN 978-3-602-24127-9