Das nationale Programm richtet sich an Haushalte und Unternehmen für die energetische Sanierung ihrer Wohn- und Gewerbeimmobilien. Es besteht aus drei Stufen: 1) Einer energetischen Begutachtung des Gebäudes durch einen akkreditierten Dienstleister, 2) einer Finanzierung durch einen akkreditierten Anbieter, die durch Einsparungen bei den Heizkosten zurückgezahlt wird und 3) der Durchführung der zugelassenen Maßnahmen durch qualifizierte Installateure im Rahmen des Energieeffizienz-Pakets.

Mit diesem innovativen Konzept möchte die Regierung auf schnellem Wege den Zustand des relativ maroden britischen Gebäudebestandes verbessern. Gleichzeitig wird durch den Investitionsschub die Schaffung von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft, insbesondere in der Dämmindustrie, erhofft. Das Programm weist dabei eine Reihe von Besonderheiten auf, die in Europa ihresgleichen suchen. Folgende Punkte sind herauszustellen:

Erstens, die Immobilieneigentümer müssen keine eigenen Mittel zur Finanzierung der energetischen Sanierung aufbringen. Die Kredite werden vollständig von akkreditierten Anbietern oder der im Rahmen des Green Deal gegründeten „Green Investment Bank“ finanziert. Dies setzt voraus, dass es sich nur um wirtschaftliche Gebäudesanierungen handelt. Hierfür wurde eine „goldene Regel“ eingeführt, die besagt, dass die monatlichen Rückzahlungen die erwarteten Kosteneinsparungen nicht überschreiten dürfen.

Zweitens zeichnet sich das Programm durch einen hohen Verbraucherschutz aus. Berater, Geldgeber und Installateure müssen sich akkreditieren lassen, das heißt es werden nur genehmigte Maßnahmen von ausgebildeten Fachkräften unter staatlicher Aufsicht durchgeführt. Daneben werden Zahlungsausfälle zunächst wie nicht bezahlte Stromrechnungen behandelt. Auch flankierende Finanzierungsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte werden eingeführt.

Drittens ist die Finanzierung objektbezogen. Bei einem Umzug muss der Vertrag vom neuen Eigentümer bzw. Mieter übernommen werden. Der neue Vertragspartner führt die Rückzahlung fort und kann von den vorgenommenen Maßnahmen profitieren.

Viertens, sind auch Energieanbieter vertraglich eingebunden, da diese über die Nebenkostenrechnung die Rückzahlungen direkt an den Kreditgeber weiterleiten. So amortisieren sich die Investitionen durch die Ersparnis in der Strom- bzw. Gasrechnung. Die Laufzeiten der Rückzahlungspläne können dabei bis zu 25 Jahre betragen.

Insgesamt hat Großbritannien mit dem Green Deal ein innovatives Instrument geschaffen, das wirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen fördert und damit einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele leisten kann. Ob dieser Mechanismus auch für Deutschland eine Chance darstellt, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Das Programm befindet sich aktuell in der Ausarbeitungsphase. Einige wichtige Punkte wie die Haftungspflicht der Eigentümer oder die Beteiligung und Einforderungsmöglichkeiten der Mieter sind noch nicht bis ins Detail geklärt.

Einen weiteren Einwand stellt die Tatsache dar, dass grundsätzlich nur wirtschaftliche Maßnahmen, die der goldenen Regel entsprechen, gefördert werden. Dies wirft die Frage auf, was mit Maßnahmen passiert, die sich erst nach einem längeren Zeitraum als 25 Jahre amortisieren. Bisherige Studien gehen je nach Maßnahme von sehr unterschiedlichen Zeiträumen aus, wobei 25 Jahre jedoch häufig überschritten werden. Um auch solche energieeffizienten Vorhaben realisieren zu können, die bei heutigen Energiepreisen unvorteilhaft sind, stellt in Deutschland die KfW-Bankengruppe Förderdarlehen auch mit längeren Laufzeiten zur Verfügung. Ein weiterer Kritikpunkt ist darin zu sehen, dass bisher ausschließlich Wärmedämm-Maßnahmen gefördert werden und Eigentümer, die auf Alternativen, wie beispielsweise den Austausch von Heizungsanlagen setzen, die Förderung nicht in Anspruch nehmen können. Dies ist gerade unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit kritisch zu sehen, da andere vorteilhafte Vorhaben diskriminiert und Wahlmöglichkeiten eingeschränkt werden.

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