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Seit 2005 muss in Europa für den Ausstoß von Kohlendioxid gezahlt werden. Zumindest von solchen Unternehmen, die dem Handel mit Emissionszertifikaten unterliegen. Effektiver Klimaschutz zu minimalen Kosten: So lautet die Logik des Systems. Es wird eine maximal zulässige Menge an Emissionen festgelegt und in Form von Emissionsrechten an die betroffenen Unternehmen verteilt oder verkauft. Wer günstig CO2 reduzieren kann, braucht die Zertifikate nicht und kann sie verkaufen. Da, wo Klimaschutz zu teuer ist, finden sich Käufer. Für die effiziente Aufteilung der vorhandenen Zertifikate unter den Emittenten sorgt der Preis.

In den letzten Monaten ist dieser Preis drastisch gesunken. Im Vergleich zu 14 Euro im Vorjahr ist er heute mit rund 7 Euro gerade halb so hoch. Zurückzuführen ist das vor allem auf Wachstumseinbußen innerhalb der Europäischen Union seit der Finanzkrise. Unverzüglich werden nun Preisuntergrenzen gefordert; der Klimawandel werde nicht mehr bekämpft, heißt es. Tatsächlich aber gilt: Auch bei schwankenden Preisen kann die Emissionsobergrenze nicht überschritten werden. Ein Beispiel: Wenn es eine nicht marktsättigende Menge an Feuerbrennholz gibt, wird diese Menge auf jeden Fall verbraucht. Allenfalls bestimmt die Härte des Winters, wie viel man für das Holz wird zahlen müssen und wer es erhält. Die Rauchentwicklung bleibt davon unberührt. Beim Emissionshandel gibt es kein Feuerholz sondern Zertifikate.

Der Zertifikatspreis bestimmt nicht die Menge der Emissionen, sondern das Kaufverhalten der Unternehmen. Und selbst das derzeit nur geringfügig. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Umweltexpertenpanels. 49 der 181 befragten Wirtschaftsvertreter kommen aus einem Unternehmen, das am Emissionshandel teilnimmt. Selbst wenn der Zertifikatspreis längerfristig unter 10 Euro läge, denkt kein Unternehmen an einen vollständigen Verzicht auf Klimaschutzmaßnahmen. Mehr als drei Viertel der betroffenen Unternehmen würden Maßnahmen zur CO2-Reduktion sogar wie geplant durchführen. 14 Prozent der Unternehmen nehmen eine abwartende Haltung ein, um die wirtschaftliche Entwicklung und ihre die weitere Preisentwicklung besser abschätzen zu können. Allenfalls 10 Prozent glauben, unter gegebenen Umständen auf einen Teil der Klimaschutzmaßnahmen verzichten zu können. Das heißt aber nicht, dass insgesamt mehr Treibhausgase ausgestoßen werden können. Es ist beispielsweise so, dass aufgrund der wirtschaftlich schwachen Entwicklung ein anderer Produzent seine Emissionszertifikate nicht mehr benötigt und sie günstig auf den Markt bringt. Bei niedrigen Preisen können andere Unternehmen diese freigewordenen Zertifikate erwerben und zunächst von teureren Klimaschutzmaßnahmen absehen. Die gesamte Emissionsminderung bleibt dabei unverändert.

In dieser Entwicklung kann kein Versagen des Emissionshandels gesehen werden. Der Zertifikatspreis folgt der Dynamik von nicht unbegrenzt verfügbaren Produktionsfaktoren. Erdöl beispielsweise ist in Krisenzeiten ebenfalls günstiger als im wirtschaftlichen Boom.

Dass sich CO2-Preise der konjunkturellen Entwicklung anpassen, wirkt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit stabilisierend. Anders als beispielsweise im Falle einer fixen CO2-Steuer müssen Industriebetriebe zeitweise geringere Klimaschutzkosten schultern. Damit kann ein kleiner Teil der in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Energiekosten aufgefangen werden. Auch die Strompreise dürften sich moderater entwickeln. Schließlich gehen die CO2-Kosten in die Stromerzeugungskosten mit ein. Flexible CO2-Preise sind auch deshalb wichtig, da sie nur von europäischen Unternehmen zu zahlen sind. In wirtschaftlich angespannter Lage ist bei gleichbleibend hohen Preisen der Anreiz größer, emissionsintensive Prozesse ins europäische Ausland zu verlagern. Dem Klimaschutz wäre in diesem Fall nicht gedient.

Letztlich dürften die niedrigen CO2-Preise ein vorübergehender Zustand sein. Eine Stärkung des Wirtschaftswachstums insgesamt wird den krisenbedingten Preisrückgang wieder zunichtemachen. Die beschlossenen Senkungen der Emissionsobergrenzen und der Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie werden ebenfalls zu einer Verteuerung der Emissionsrechte beitragen. Eine Preisuntergrenze wäre fehl am Platze. Davon hätte lediglich der Staat etwas: Die Einnahmen aus der Versteigerung von Emissionsrechten bleiben derzeit nämlich deutlich hinter den Planungen des Finanzministers zurück.

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