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Mithilfe des 2006 in Kraft getretenen Allgemeinen Gleichbehandlungs-Gesetzes (AGG) sollen Bewerber nicht (mehr) wegen ihres Geschlechts, Alters, ihrer ethnischen Herkunft oder Weltanschauung schon in der Vorauswahl scheitern. Das ausschlaggebende Auswahlkriterium sollen allein die Fähigkeiten der potenziellen neuen Mitarbeiter sein. Das AGG sollte den Bewerbungsprozess fair und transparent gestalten. Schon die Stellenausschreibung soll so offen wie möglich formuliert sein, und auf Bewerbungsfotos im Lebenslauf sollen die Bewerber verzichten.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die EU-Kommission ein Eurobarometer zur empfundenen Diskriminierung im alltäglichen Leben. Etwa die Hälfte der EU-Bürger meint zwar, dass gewisse Minderheiten unter Benachteiligungen leiden: Die Mehrheit nennt dabei die ethnische Herkunft (56 Prozent) als Hauptdiskriminierungsgrund. Darauf folgen die Behinderung (46 Prozent) und die sexuelle Veranlagung (46 Prozent).

Die selbst erlebten Diskriminierungen jedoch liegen in den EU-Ländern im unteren Prozentbereich. Wer die mediale Berichterstattung und das politische Engagement auf diesem Gebiet verfolgt, den wird das anhaltend niedrige Niveau überraschen: Nur 2 Prozent der Deutschen fühlen sich aufgrund des Geschlechts, der ethnischen Herkunft oder einer Behinderung benachteiligt. Über Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung beklagen sich sogar weniger als 1 Prozent der Befragten. Insgesamt fühlten sich 14 Prozent der Deutschen aus irgendeinem Grund diskriminiert. Man könnte sagen: „Much ado about nothing.“ – „Viel Lärm um nichts“.

Die Befragten im jüngsten Eurobarometer beurteilen zudem die Maßnahmen der EU gegen Diskriminierung skeptischer als noch im Jahr 2009. In der Tat sorgt das AGG zwar auf der ersten Stufe des Bewerbungsprozesses für mehr Chancengerechtigkeit unter den Bewerbern. Allerdings werden dadurch auch viele Bewerbungen umsonst verfasst, weil die Unternehmen bestimmte Merkmale wie eine bestimmte Weltanschauung nicht wünschen, dies aber in der Stellenausschreibung nicht sagen dürfen. Spätestens im Bewerbungsgespräch werden diese Merkmale häufig aber offensichtlich, so dass dann immer noch eine entsprechende Entscheidung gegen den Kandidaten getroffen werden kann.

Lassen sich für das Unternehmen wichtige Faktoren nicht von Beginn an in Erfahrung bringen, entstehen im Bewerbungsverlauf dementsprechend höhere Transaktionskosten für beide Parteien, ohne dass die Diskriminierung unterbunden wird – Bewerber schreiben also unnötige Bewerbungen und führen mit den Unternehmen unnötige Vorstellungsgespräche. Aufgrund von drohenden Klagen und Schadensersatzansprüchen sind Personalmitarbeiter außerdem dazu gezwungen, Bewebern keine klare Auskunft mehr über die Gründe der Absage zu geben. Dies liegt meist ebenfalls nicht im Interesse der abgelehnten Anwärter. Das AGG war in Deutschland in dieser Hinsicht unnötig und hat zu höheren Kosten geführt.

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