Carbon Footprint Image
Quelle: Andrea Wilhelm - Fotolia

Der CO2-Fußabdruck soll eine Abbildung der direkten und indirekten Treibhausgasemissionen ermöglichen. Er ist auf Länder, Regionen, Unternehmen und private Haushalte, aber auch für einzelne Produkte oder Dienstleistungen anwendbar. Die breiten Anwendungsmöglichkeiten und der zunehmende Einsatz des Carbon Footprints als Kommunikations- und Marketinginstrument haben zu erhöhter Bekanntheit in der Öffentlichkeit geführt. Trotz der Bemühungen zur methodischen und definitorischen Vereinheitlichung liegen immer noch unterschiedliche Begriffe und Berechnungsmethoden vor. In der Praxis genießen jedoch zwei Indikatoren eine zunehmende Aufmerksamkeit:

Product Carbon Footprint (PCF): Darunter wird nach der Definition des internationalen Norm-Entwurfs ISO 14067 „die Bilanz der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit“ verstanden. Dabei fallen neben Waren auch Dienstleistungen unter den Begriff „Produkt“.

Die Berechnung des Product Carbon Footprints erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst werden die für ein Untersuchungsobjekt relevanten Prozessketten identifiziert, das heißt alle Materialien, Aktivitäten und Prozesse, die zum Produktlebenszyklus gehören: von der Herstellung und dem Transport der Vorprodukte oder Rohstoffe über die Produktion und Distribution des Produkts selbst bis hin zu dessen Nutzung und Entsorgung. Danach erfolgt die Bestimmung der Systemgrenze, also des Anwendungsbereichs des PCFs. Hierbei ist vor allem festzulegen, ob ein „cradle-to gate-Ansatz“ (nur bis zur Distribution) oder ein „cradle-to-grave-Ansatz“ (über den gesamten Produktlebenszyklus) gewählt wird. Weiterhin erfolgt die Sammlung relevanter Primär- und Sekundärdaten, bei denen zwischen Aktivitätsdaten (Mengen an Material oder Energie) und Emissionsfaktoren (Beschreibung der pro Mengeneinheit ausgestoßenen Emissionen) unterschieden wird. Die Berechnung (Bilanzierung) des PCF erfolgt durch die Summierung aller Massen-, Energien- und Abfallströme entlang des gesamten Produktlebenszyklus multipliziert mit den entsprechenden Emissionsfaktoren.

Corporate Carbon Footprint (CCF): Bei dieser meist auf Unternehmen oder Institutionen angewandten Methode werden die Treibhausgasemissionen zur Bilanzierung in der Regel entsprechend der Vorgaben des Protokolls von Greenhouse Gas (GHG) in 3 Kategorien (Scopes) aufgeteilt, welche die Systemgrenzen der Betrachtung beschreiben:

In Scope 1 werden direkte Emissionen des bilanzierenden Unternehmens erfasst, die z. B. durch den Energieverbrauch in stationären Verbrennungsanlagen entstehen. In Scope 2 werden indirekte Emissionen ausgewiesen, die etwa durch die Energieversorgungsunternehmen bei der Energieerzeugung und Bereitstellung von Strom und Wärme entstehen. Alle übrigen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, die mit der Unternehmenstätigkeit in Verbindung stehen, werden in Scope 3 erfasst (z. B. Emissionen in der Nutzungsphase der Produkte oder durch Geschäftsreisen). Besonders hier gestaltet sich die Daten-erhebung aufgrund der globalisierten Wertschöpfungsketten schwierig.

Trotz der vielfältigen Bilanzierungsmethoden und den Schwierigkeiten bei der Datenerhebung (z. B. Datenverfügbarkeit und -qualität) sowie der fehlenden internationalen Standardisierung können die Corporate Carbon Footprints einen wichtigen Beitrag zur Transparenz hinsichtlich der Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette und Produktlebenszyklen leisten. Durch eine systematische CO2-Bilanzierung und -Bilanzanalyse können Möglichkeiten zur Emissionsreduktion auf Produkt- und Unternehmensebene identifiziert und genutzt werden. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass sich diese Indikatoren nur auf Treibhausgasemissionen beziehen und somit bezüglich der Nachhaltigkeit eine begrenzte Aussagekraft besitzen. Zudem lassen die unterschiedlichen Systemgrenzen und eingesetzten Tools sowie die uneinheitliche Datenverfügbarkeit und -qualität nur eine eingeschränkte Vergleichbarkeit von verschiedenen PCFs und CCFs untereinander zu. Sie können aber als ein wettbewerbswirksames Informations- und Kommunikationsinstrument sinnvoll eingesetzt werden.

Um deutsche Unternehmen auf dem Weg der Erstellung und Weiterentwicklung eigener CCFs zu begleiten und ihnen praxisorientierte Handlungsanleitungen und Hilfestellungen zu geben, initiierte „co2ncept Plus –Verband der Wirtschaft für Emissionshandel und Klimaschutz e.V.“ das Projekt „myccf – Förderprojekt zur Erfassung Ihres Corporate Carbon Footprint“. Das Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und durch die Sustainable AG fachlich begleitet. Es bietet ab Herbst 2013 Workshops und persönliche Beratungen für Unternehmen an. Darüber hinaus wird es einen projektbegleitenden Newsletter und weiterführende Hintergrundinformationen auf der myccf-Website geben.

Produktbezogene Klimaschutzstrategien

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit / Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.: Produktbezogene Klimaschutzstrategien – Product Carbon Footprint verstehen und nutzen

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myccf – Förderprojekt zur Erfassung Ihres Corporate Carbon Footprint

Mehr zum Carbon Footprint auf der Internetseite des Verbands der Wirtschaft für Emissionshandel und Klimaschutz

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