Die Nachfrage nach Büroflächen wird maßgeblich durch die Zahl der Bürobeschäftigten bestimmt. Steigt die Zahl der Beschäftigten, werden zusätzliche Büros benötigt, bei Kündigungen oder gar Insolvenzen geht die Flächennachfrage entsprechend zurück. Hierbei gibt es allerdings eine zeitliche Verzögerung, da Mietverträge zumeist längere Laufzeiten haben und die Unternehmen nicht direkt ihren Flächenverbrauch an geänderte Beschäftigungszahlen anpassen. Damit wird sich die gestiegene Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 also erst im Laufe dieses Jahres auf den Büromarkt auswirken.

Stimmung
Stimmung

Für das Jahr 2010 wird darüber hinaus mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet. Nach dem Consensus Forecast, der den Mittelwert der Prognosen von etwa 20 Wirtschaftsforschungsinstituten und Banken abbildet, wird die Arbeitslosenquote im Jahr 2010 auf etwa 9,2 Prozent steigen. Damit haben sich die Erwartungen zwar eindeutig aufgehellt, da im Sommer noch mit einem Anstieg auf über 10 Prozent gerechnet wurde (Schaubild). Nichtsdestotrotz wären hiermit aber etwa 450.000 zusätzliche Arbeitslose verbunden.

Dabei ist nicht auszuschließen, dass die Arbeitslosigkeit bei Bürobeschäftigten überproportional steigt. Bereits im Jahr 2009 ist die Zahl der arbeitslosen Bürobeschäftigten um mehr als 13 Prozent gestiegen, während die Zahl der Arbeitslosen insgesamt nur um etwas mehr als 6 Prozent gestiegen ist. Ende 2009 waren 569.000 Menschen arbeitslos, die zuvor in Büros gearbeitet haben. Basierend auf den derzeitigen Prognosen könnte deren Zahl bis Ende 2010 auf 650.000 steigen. Legt man eine durchschnittliche Bürogröße von 23 Quadratmetern pro Mitarbeiter zugrunde, würde die Flächennachfrage damit um knapp 2 Millionen Quadratmeter zurückgehen.

Regional ist dabei mit erheblichen Unterschieden zu rechnen, wie die Entwicklung der Arbeitslosenquoten zeigt.

So hat sich die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Berlin, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln zwischen Januar 2009 und Januar 2010 kaum verändert. Deutlicher angestiegen sind die Zahlen dagegen in Hamburg, München und Stuttgart. In Hamburg stieg die Quote um 0,6 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent, in München um 0,5 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent und in Stuttgart sogar um 0,9 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Diese Arbeitslosenzahlen spiegeln zwar den Gesamtmarkt wider und nicht nur die Bürobeschäftigtenentwicklung, aber sie können dennoch als Indikator für die Büroflächennachfrage herangezogen werden. Dass die Wirtschaftskrise primär die Wirtschaftszentren in Süddeutschland trifft, lässt sich vor allem auf den Einbruch des Welthandels zurückführen. Die Wirtschaft in Bayern und Baden-Württemberg ist insgesamt sehr exportintensiv, sodass die Produktion dort besonders stark gedrosselt werden musste. Dies wird sich zunehmend auch auf die dort tätigen Bürobeschäftigten auswirken.

Insgesamt erweist sich der Büroimmobilienmarkt in der Krise jedoch als sehr stabil. So gibt es bislang kaum Meldungen über Insolvenzen oder Notverkäufe. Wesentlich hierfür ist, dass sich der deutsche Büromarkt am internationalen Preisboom größtenteils nicht beteiligt hat. Darüber hinaus sind Gewerbeimmobilienunternehmen in der Regel langfristig finanziert, was sie unabhängiger von der Finanzmarktentwicklung macht.

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