Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat Ende September 2007 zusammen mit der Unternehmensberatung McKinsey die Studie „Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasen in Deutschland“ vorgelegt. Diese Studie liefert nun eine konkrete Einschätzung, zu welchen Kosten die Treibhausgasemissionen reduziert werden können. Hierfür wurde eine umfassende Analyse verschiedener Technologien zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen und den jeweiligen Kosten pro eingesparter Tonne Treibhausgas (in CO2-Äquivalenten) vorgenommen. Insgesamt wurden über 300 verschiedene Technologien aus den Sektoren Energie, Gebäude, Abfall- und Landwirtschaft sowie Transport analysiert. Für jede dieser Technologien wurden sowohl das Vermeidungspotenzial als auch die Vermeidungskosten quantifiziert.

Wie die BDI-Studie zeigt, bestehen in allen Sektoren zum Teil weit reichende Potenziale zur Minderung der Treibhausgasemissionen. Allein durch den Einsatz jener Maßnahmen, die sich wirtschaftlich rechnen, könnte der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 25 Prozent gesenkt werden. Bis zum Jahr 2030 wäre sogar eine Reduzierung um bis zu 28 Prozent möglich. Bei diesen Maßnahmen handelt es sich beispielsweise um die Bereiche Gebäudedämmung, verbesserte Heizungsanlagen und elektrische Antriebssysteme in der Industrie. Allerdings können diese Maßnahmen zum Teil erst nach und nach realisiert werden. Ein übermäßiges Vorziehen von Ersatzinvestitionen wäre mit erheblichen höheren Vermeidungskosten verbunden. Zum anderen fallen teilweise die Nutznießer einer Erneuerung und die Investoren auseinander – zum Beispiel bei einer besseren Dämmung von vermieteten Wohngebäuden. An diesen Stellen ist der Gesetzgeber gefragt, die richtigen Rahmen-bedingungen zu schaffen.

Eine weitergehende Reduktion kann dann erreicht werden, wenn auch jene Maßnahmen in Angriff genommen werden, die Kosten in Höhe von bis zu 20 Euro je eingesparter Tonne Treibhausgas verursachen. In diesem Fall wäre eine Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 26 Prozent, bis 2030 sogar um 29 Prozent möglich. Hierfür wären Maßnahmen in bestimmten Produktionsbereichen, wie zum Beispiel die Substitution von Klinker in der Zementindustrie und ein verstärkter Einsatz von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) notwendig.

Eine darüber hinaus gehende Reduzierung der Emis-sionen von Treibhausgasen wird es aller Voraussicht nach durch eine Umstellung des aktuellen Energiemix hin zu einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien geben. Die Vermeidungskosten je Tonne liegen im Bereich der erneuerbaren Energien – unter Berücksichtigung der Förderung – mit durchschnittlich 64 Euro je eingesparter Tonne wesentlich höher als bei den vorher geschilderten Maßnahmen. Nichtsdestotrotz wird es aufgrund der bereits bestehenden politischen Rahmenbedingungen sehr wahrscheinlich zu einem solchen Ausbau kommen. Darüber hinaus ist bis zum Jahr 2020 bereits mit ersten Pilotanlagen zur Abtrennung und unterirdischen Speicherung (CCS) von Kohlendioxid zu rechnen. Berücksichtigt man auch diese Maßnahmen, so ist eine Reduzierung der Emissionen bis zum Jahr 2020 um bis zu 31 Prozent denkbar – bis zum Jahre 2030 sogar bis zu 36 Prozent.

Jede weitere Vermeidung von Treibhausgasen, die über die dargestellten Möglichkeiten hinausgehen soll, wäre nur zu erheblichen Kosten zu erreichen. So wurde im Rahmen der BDI-Studie errechnet, dass allein die Reduzierung um einen weiteren Prozentpunkt – also eine Reduzierung um 32 statt 31 Prozent – Kosten in Höhe von 450 Mio. Euro pro Jahr verursachen würde. Unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel wäre eine Reduzierung um 35 Prozent bis 2020 denkbar. Dies wäre allerdings mit durchschnittlichen Kosten pro eingesparter Tonne Treibhausgas von 430 Euro verbunden und würde damit eine erhebliche Belastung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit darstellen.

Eine relativ preiswerte Möglichkeit, zusätzliche Treibhausgasemissionen einzusparen, bietet hingegen die Kernenergie. Würde man auf den Kernenergieausstieg verzichten, so wäre bis 2020 eine zusätzliche Reduzierung der Treibhausgase um sieben Prozentpunkte möglich.In der BDI-Studie wird konkret aufgezeigt, in welcher Höhe und zu welchen Kosten der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland reduziert werden kann. Hierbei wird deutlich, dass Einsparpotenzial durchaus besteht, der Plan der Bundesregierung, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken, kann jedoch kaum erreicht werden.

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