Bankenregulierung Image

Vor dem Hintergrund der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkten sich weltweit bereits bestehende Regulierungsbemühungen. Vor allem Banken stehen dabei als Bindeglied zwischen Real- und Finanzwirtschaft im Fokus. Den umfassendsten Anforderungskatalog bilden die als Basel III bekannten Aufsichtsstandards. Zwar wurden diese in Grundzügen bereits 2010 veröffentlicht, die finale Ausgestaltung einiger Kennzahlen und deren rechtliche Umsetzung stehen jedoch noch aus (siehe Tabelle).

Die zentralen Neuerungen bilden neben gestiegenen Ansprüchen an Qualität und Höhe des risikogewichteten Eigenkapitals die Einführung einer risikoungewichteten Höchstverschuldungsquote – der sogenannten Leverage Ratio – sowie maßgebliche Anpassungen für die Liquiditätssteuerung der Kreditinstitute.

Für einen Großteil der durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägten Immobilienwirtschaft werden die neuen Vorschriften für das risikogewichtete Eigenkapital alleine keine starken Belastungen mit sich bringen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Regulierer auf europäischer Ebene durch den sogenannten Unterstützungsfaktor eine Neutralisierung der Eigenkapitalerhöhung für die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen vorgesehen haben.

Kontraproduktiv wirkt dagegen die neue risikounabhängige Verschuldungskennziffer (Leverage Ratio). Im Gegensatz zu den bislang geltenden Eigenkapitalvorschriften werden bei der Berechnung der Leverage Ratio die unterschiedlichen Risiken der jeweiligen Bankgeschäfte nicht mit berücksichtigt. Stattdessen wird das Kernkapital eines Kreditinstitutes im Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme betrachtet. Aufgrund der mangelnden Risikosensitivität setzt diese Kennziffer Anreize für eine Minderung risikoarmer Geschäfte, wie der Immobilien- und Staatsfinanzierung, die häufig mit geringeren Margen verbunden sind.

Zusätzliche Probleme für die auf langfristige Kredite bauende Immobilienwirtschaft können sich durch die strukturelle Liquiditätsquote (NSFR) ergeben. Aktuell soll nach dieser Kennziffer das Verhältnis zwischen langfristig stabilen Refinanzierungsquellen auf der Passivseite und den möglichen Liquiditätsanforderungen auf der Aktivseite stets größer sein als 100 Prozent. Damit setzt diese Kennziffer Anreize, die Kreditlaufzeiten auf der Aktivseite zu verkürzen, sodass die Vergabe langfristiger Kredite künftig restriktiver erfolgen oder mit höheren Zinsaufschlägen einhergehen kann.

Für die Vergabe meist langfristiger Kredite an die Immobilienwirtschaft in Deutschland haben Banken eine große Bedeutung. Zur Sicherung der künftigen Kreditversorgung auf alternative Anbieter zu setzen stellt jedoch keine sinnvolle Alternative dar. Schließlich bestünde die Gefahr einer Verschiebung der Kreditvergabe in einen weniger regulierten Bereich, wodurch die Gefahr neuer Verwerfungen im Finanzsektor steigt. Stattdessen sollte die Bankenregulierung mit Augenmaß erfolgen.

The Case for Reviving Securitization
IW-Kurzbericht, 26. September 2016

Markus Demary The Case for Reviving SecuritizationArrow

European financial markets are still fragmented. A lack of cross-border lending and cross-border asset holdings hinders the financing of the economy, the conduct of monetary policy as well as cross-border risk-sharing against asymmetric shocks. Reviving the market for securitizations is vital for achieving these goals. A true European Capital Markets Union is needed, but there are still a lot of obstacles to overcome. mehr

Why the ECB is not to blame for low interest rates
Gastbeitrag, 15. September 2016

Markus Demary auf EUROPP Why the ECB is not to blame for low interest ratesArrow

In the latest set of EU stress tests, several German lenders performed poorly. As Markus Demary writes in EUROPP (Blog of LSE about European Politics and Policy), some of this performance has been blamed on low interest rates squeezing the profitability of lenders. He argues that while the ECB has frequently been blamed for this situation, the reality is more complex and instead reflects long-term trends which can only be addressed by lasting structural reforms. mehr

IW-Kurzbericht, 2. August 2016

Markus Demary Italy's Banking Crisis – Creditor Bail-in Is No PanaceaArrow

Italy’s banks are struggling under high amounts of non-performing loans on their balance sheets and the Italian government is fighting with the European Commission over putting 50 billion Euro of problem loans into a bad bank, which needs funding of 10 billion Euro with public money. Calculations of the Cologne Institute for Economic Research reveal that banks need to be recapitalised with additional 21.7 billion Euro under this plan. mehr