Der Straßenverkehr ist das Rückgrat der Mobilität. Gerade das Automobilland Deutschland ist in hohem Maße von der weiteren Entwicklung der Automobilindustrie abhängig. Immerhin waren die deutschen Autohersteller mit 770.000 direkt Beschäftigten (inklusive Zulieferer) und einem Außenhandelsüberschuss von 78 Milliarden Euro im Jahr 2003 einer der wenigen Lichtblicke am Konjunkturhimmel. Doch die Automobilbranche steht in der Zukunft vor großen Umstellungen. Zurzeit ist der Straßenverkehr noch zu 98 Prozent vom Erdöl als Treibstoffquelle abhängig und wird daher von den Turbulenzen auf den Erdölmärkten schwer gebeutelt. Aber auch der Streit über Auswirkungen des Verkehrs auf Gesundheit und Umwelt ist in den letzten Monaten wieder voll entbrannt. Die Frage nach den notwendigen Anpassungen des Autos an die Anforderungen der Zukunft hat inzwischen auch die Politik erreicht.Im Februar veröffentlichte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ein neues Positionspapier zur Verkehrspolitik, das eine verkehrspolitische Neuorientierung der Partei darstellt. In dem so genannten Green Car Paper wird der Fokus grüner Verkehrspolitik deutlich in Richtung Ökologisierung der Fahrzeugtechnik verschoben, während der traditionelle Ansatz der drei V (Vermeiden, Verteuern, Verlagern) an Bedeutung verliert.

Es wird ausdrücklich anerkannt, dass der Straßenverkehr in jedem Fall der dominan­te Verkehrsträger bleiben wird.Allerdings werden extreme Anforderungen an ein Auto der Zukunft formuliert. Es soll einen hohen Wirkungsgrad haben, weitestgehend emissionsfrei sein (Zero Emission Car), höchste Sicherheitsstandards aufweisen (Vision Zero) und zumindest langfristig klimaneutral fahren. In Kombination mit alternativen Kraftstoffen und veränderten Fahrzeugnutzungen wollen die Grünen bis zum Jahr 2020 durch die geforderten technischen Innovationen 45 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrs einsparen, bis 2050 sogar 80 Prozent. Diese Ziele sind jedoch vor allem für den Zeitraum bis 2020 mehr als ambitioniert. Zur Realisierung dieser Ziele soll ein Mix aus ordnungsrechtlichen und fiskalischen Maßnahmen eingesetzt werden. Von großer Bedeutung scheint dabei die für das Jahr 2010 geforderte Einführung von europaweiten standardisierten Verbrauchsobergrenzen für Kraftfahrzeuge zu sein. Eine ähnliche Auflagenpolitik wird zurzeit in Japan und China vorbereitet. Ein weiteres wichtiges Element stellt die Förderung von Biokraftstoffen und eine Neugestaltung der Kfz-Steuer dar.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu verbessern, hat sich eine hochrangige Expertengruppe gebildet. In dieser Initiative CARS 21 (Competitive Automotive Regulatory System for the 21st Century) sind neben der Europäischen Kommission vor allem die wichtigsten Fahrzeughersteller vertreten. Die Experten sollen bis Ende des Jahres Vorschläge erarbeiten, wie die europäische Wettbewerbsposition verbessert werden kann und wie entsprechende politische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Regulierungen, ausgestaltet werden sollen.

Links zum Artikel:www.gruene-fraktion.de/cms/verkehr_bau/dokbin/57/57323.pdf www.europa.eu.int/comm/enterprise/automotive/pagesbackground/competitiveness/cars21.htm