Auslandserfahrung und Unternehmenserfolg Image

Verschiedene Indikatoren verdeutlichen eine zunehmende internationale Aktivität deutscher Unternehmen. Die Dax-30-Industrieunternehmen erzielten im Zeitraum 2008 bis 2013 bereits rund drei Viertel ihres Umsatzes im Ausland (PWC, 2014). Große Dax-Unternehmen wie Bayer, BMW oder Siemens beschäftigen bereits mehr als zwei Drittel ihrer Mitarbeiter im Ausland (Belitz, 2015). Deutsche Unternehmen hatten im Jahr 2013 rund 27.400 ausländische Tochtergesellschaften im Ausland. Die Zahl der in diesen Auslandsniederlassungen Beschäftigten ist im Zeitraum von 2010 bis 2013 um rund 11 Prozent auf insgesamt rund 5,2 Millionen gestiegen (Deutsche Bundesbank, 2015). Beschäftigen Unternehmen Mitarbeiter im Ausland, so weisen die Tätigkeiten der Beschäftigten erwartungsgemäß deutlich häufiger internationale Bezüge auf als im Durchschnitt der Unternehmen. Das zeigt eine Befragung von 1.008 Personalverantwortlichen, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst durchführte (DAAD / IW Köln, 2016). In nahezu allen Unternehmen, die Mitarbeiter im Ausland beschäftigen sind der häufige Gebrauch von Fremdsprachen, Auslandskontakte sowie Dienstreisen ins Ausland an der Tagesordnung. In drei Viertel der Unternehmen mit Auslandsniederlassungen wird in international gemischten Teams gearbeitet. Etwa jedes dritte dieser multinationalen Unternehmen entsendet seine Mitarbeiter für längere Zeit ins Ausland.

Auslandsbezüge in der beruflichen Tätigkeit haben bei Unternehmen mit Mitarbeitern im Ausland erwartungsgemäß eine hohe Relevanz. Jedes zweite dieser international engagierten Unternehmen misst den Aktivitäten mit Auslandsbezug sogar einen sehr hohen Stellenwert für den Unternehmenserfolg zu, weitere rund 43 Prozent gehen von einem eher hohen Stellenwert aus (Abbildung 1).

Wird der Durchschnitt aller Unternehmen mit Akademikern betrachtet, so zeigt sich, dass auslandsbezogene Aktivitäten bei gut 40 Prozent der Befragten eine Rolle für den Unternehmenserfolg spielen. Aus anderen Studien geht hervor, dass zwischen Auslandsaktivität und Unternehmenserfolg, gemessen an Produktivität, Investitionsquote und Beschäftigungsentwicklung ein positiver Zusammenhang besteht. Außerdem zählen auslandsaktive Unternehmen häufiger zu den Innovatoren, wobei sich kulturell gemischte Teams als förderlich erweisen (nähere Angaben in DAAD/IW Köln, 2016). Nach Einschätzung der von DAAD und IW befragten Unternehmen wird die Bedeutung internationaler Tätigkeiten in den nächsten fünf Jahren noch weiter zunehmen.

Nach Auffassung der befragten Personalverantwortlichen kann ein Auslandsaufenthalt dazu beitragen, nicht nur auslandsbezogene Kompetenzen, sondern das gesamte Kompetenzspektrum zu verbessern. So wird auch von einem Gewinn für die sozialen und persönlichen Kompetenzen wie beispielsweise Kommunikationsfähigkeit, selbstständiges Arbeiten, Belastbarkeit und Flexibilität ausgegangen. Selbst für kognitive Fähigkeiten wie beispielsweise Analyse- und Problemlösungsfähigkeit wird eine Verbesserung angenommen. In besonderem Maße förderlich gilt der Auslandsaufenthalt in den Augen der Personaler für die Fremdsprachenkenntnisse und die interkulturelle Kompetenz, unter anderem verstanden als Offenheit für andere Kulturen und Mentalitäten. Weitere Untersuchungen konnten bestätigen, dass sich vor allem die Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals ‚Offenheit‘ durch einen Auslandsaufenthalt positiv entwickelt (nähere Angaben in DAAD/IW Köln, 2016).

Je internationaler das Unternehmen, desto stärker wird bereits bei der Rekrutierung Wert auf Auslandserfahrung gelegt. Bei den insgesamt fünf untersuchten Rekrutierungskriterien steht ein Auslandsaufenthalt während des Studiums bei den Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland an zweiter Stelle nach der Praxiserfahrung und wird auf einer sechsstufigen Bewertungsskala als ebenso wichtig eingestuft wie die relative Abschlussnote im Vergleich zum Jahrgangsdurchschnitt. Außerdem ist die Auslandserfahrung bedeutsamer als die relative Studiendauer sowie das Renommee der Hochschule. Für einen Auslandsaufenthalt nimmt die Mehrheit der internationalen Unternehmen eine Studienzeitverlängerung in Kauf. Bei den meisten Unternehmen mit Mitarbeitern im Ausland haben Absolventen mit Auslandserfahrung bei sonst gleichen Qualifikationen bessere Einstellungschancen als Bewerber ohne Auslandserfahrung. Außerdem haben auslandserfahrene Absolventen eine größere Chance, auslandsbezogene Tätigkeiten zu übernehmen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen mit Mitarbeitern im Ausland sind zudem der Ansicht, dass Absolventen mit Auslandserfahrung ihre beruflichen Aufgaben besser bewältigen als Absolventen ohne Auslandserfahrung. In dem Maße, wie die Bedeutung der auslandsbezogenen Tätigkeiten im Unternehmen steigt, werden sich für die Absolventen die Chancen, ihren Karriereverlauf positiv zu gestalten, erhöhen. Absolventenbefragungen konnten bereits zeigen, dass auslandserfahrene Absolventen häufiger in international tätigen Unternehmen beschäftigt sind und dort einen Gehaltsvorsprung vor Absolventen ohne Auslandserfahrung erzielten (nähere Angaben in DAAD/IW Köln, 2016). Die studienbezogene Auslandserfahrung ist demnach zwar kein Garant für einen Karriereerfolg, verbessert aber in Zeiten zunehmender Internationalisierung die Karrierechancen.

Kurzbericht

Christiane Konegen-Grenier / Beate Placke: Auslandserfahrung – Auslandserfahrung und Unternehmenserfolg

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LIteratur

Belitz, Heike, 2015, Die Internationalisierung deutscher Industrieunternehmen, in: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, DIW Berlin, 84. Jahrgang, 1/2015, S. 103–120

DAAD / IW Köln - Deutscher Akademischer Austauschdienst / Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.), 2016, Hochschulabsolventen mit Auslandserfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Deutsche Bundesbank, 2015, Statistik über Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten deutscher Investoren (Outward FATS)

PWC - PricewaterhouseCoopers AG, 2014, Inlands- und Auslandsumsatz von DAX-Unternehmen 2008-2013

Ansprechpartner

16. Dezember 2016

Digitalisierung Die meisten Hochschulen arbeiten noch analogArrow

Ausgerechnet dort, wo neues Wissen entsteht, steckt die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen. Bislang verknüpft in Deutschland erst jede dritte Hochschule die klassische Präsenzlehre mit digitalen Lehr- und Lernformen. Auch die Studenten nutzen internetbasierte Medien nur selten zum gemeinsamen Lernen oder Üben. mehr auf iwd.de

15. Dezember 2016

Digitale Medien „Das Entscheidende lernen Studenten nicht am Computer“Arrow

Was können digitale Medien in der Hochschullehre leisten? Welche Innovationen gibt es in Lern- und Prüfungsszenarien? Mit diesen Fragen hat sich Jörn Loviscach, Professor für Ingenieurmathematik und technische Informatik an der Fachhochschule Bielefeld, im Hochschulforum Digitalisierung beschäftigt. mehr auf iwd.de

"Der Master wird überschätzt"
Interview, 13. Dezember 2016

Christiane Konegen-Grenier in Zeit Campus "Der Master wird überschätzt"Arrow

Ein Bachelorabsolvent, der längere Praktika gemacht hat, wird einem Masterabsolventen, der noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat, garantiert vorgezogen, sagt IW-Bildungsökonomin Christiane Konegen-Grenier im Interview mit dem Studentenmagazin Zeit Campus. mehr