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Die Finanz- und Bankenkrise in Europa hat nicht nur das Vertrauen der Bürger in die (Markt-)Wirtschaft erschüttert, zunehmend geraten vor allem Manager und Banker in den Fokus der öffentlichen Kritik. Ulrich Wickert schließt sich in seinem Buch dieser Kritik an und verweist richtigerweise auf die Notwendigkeit von Regelungen und Kodizes, die moralisches und nachhaltiges Wirtschaften von Unternehmen fördern. Die Implementierung von ethischen Werten wirkt sich nicht nur positiv auf die Unternehmenskultur aus, sie kann auch zur Entstehung von Wettbewerbsvorteilen beitragen, die sich wiederum in Gewinnen niederschlagen. Wickert verweist dabei auch zutreffenderweise auf die Macht der Konsumenten, ethisches Handeln durch entsprechendes Kaufverhalten bei den Unternehmen zu erzwingen. Die Forderung, Wirtschaftsethik als Pflichtfach an den Hochschulen einzuführen und ökonomische Themen in allgemeinbildenden Schulen stärker zu integrieren, deckt sich mit Empfehlungen aus der Wirtschaft. Dass Wirtschaftsthemen in Lehrplänen oftmals nur unzureichend behandelt werden, häufig ein einseitiges, pessimistisches Bild von der Marktwirtschaft vermittelt und die Relevanz von Unternehmen für Wachstum und Wohlstand nicht anerkannt wird, zeigt eine umfassende Analyse von Schulbüchern des IW Köln.

Neben diesen ordnungsethisch basierten Schlussfolgerungen, unterliegt der Autor einigen populären Irrtümern über Wirtschaft und Ethik. Das Bild von Managern wird in der deutschen Öffentlichkeit sehr undifferenziert und pauschal negativ dargestellt. Auch Wickert wirft den Managern generell vor, sie seien habgierig und unmoralisch. Aus Sicht der Mitarbeiter zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Mit 65 Prozent gibt die deutliche Mehrheit an, ihr Vorgesetzter sei verantwortungsbewusst. Nur 12 Prozent der befragten Mitarbeiter bezeichnen den eigenen Chef als rücksichtslos; 17 Prozent schreiben ihrem Vorgesetzten Gier zu (vgl. Abbildung).

Unbestrittenermaßen ist es wichtig, nachhaltig zu wirtschaften und moralische sowie gesellschaftliche Verantwortung für unternehmerisches Handeln zu übernehmen, jedoch muss der Dilemmasituation, in der sich die Unternehmen oftmals wiederfinden, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn einerseits besteht für Unternehmen in Folge des wachsenden, globalen Wettbewerbsdrucks die Notwendigkeit, effizient zu agieren und Gewinne zu erzielen. Andererseits sehen sie sich mit der Forderung zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung konfrontiert. Verschiedene Studien zum Bürgerschaftlichen Engagement der Unternehmen zeigen, dass über 90 Prozent der Großunternehmen dieser Forderung nachkommen.

Aber auch unabhängig von zusätzlichem Engagement haben Unternehmen eine Gemeinwohlfunktion: Sie versorgen die Menschen mit Gütern und Dienstleistungen. Werden unternehmerische Einzelinteressen durch eine entsprechende Rahmenordnung gelenkt, führt dies zum Wohl der Allgemeinheit. Moralische Werte können und müssen in diesem Sinne in die Wirtschaft integriert werden – falsche Regeln und Umstände (vgl. Infodienst) können das Gegenteil bewirken. Pauschalisierungen und Vereinfachungen tragen dabei jedoch nicht zur Lösung bei.

Zwar wird in Kapitel 8 des Buches der Versuch unternommen, das einseitig negativ gezeichnete Bild der Unternehmer und Manager zu relativieren und die gesellschaftliche Relevanz unternehmerischen Wirtschaftens darzustellen, jedoch wirkt dies halbherzig. Neue Denkanstöße und Lösungsansätze zur Vereinbarkeit von Wirtschaft und Ethik wären an Stelle von populärer Polemik wünschenswert gewesen.

Vielleicht gibt es mehr Antworten in der Diskussion zwischen dem Autor Ulrich Wickert und dem Wirtschafsethiker Dominik Enste am 09. November 2011 um 19:00 Uhr an der Universität Köln.

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Gastbeitrag, 3. Februar 2017

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