Globale Emissionsmärkte Image

Die EU leistet dazu bereits einen erheblichen Beitrag und bedient sich dabei unter anderem dem Instrument des Emissionsrechtehandels (Cap and Trade).

Auch in anderen Teilen der Welt sind solche Emissionsmärkte entstanden, wobei das seit 2005 existierende Emissionshandelssystem der Europäischen Union (EU-ETS) rund 73 Prozent des weltweiten Kohlenstoffmarktes ausmacht. Die Grundlage eines solchen Marktes liefert das Protokoll von Kyoto, wonach Staaten Emissionsmengen, um die sie ihre darin zugesagte Höchstmenge unterschreiten, in Form von „Assigned Amount Units“ (AAUs) an andere Staaten verkaufen können.

Neben dem zwischenstaatlichen Handel und dem EU-ETS existieren eine Reihe regionaler Handelssysteme. Beispielsweise im Nordosten der USA, wo seit 2009 zehn Bundesstaaten in der sogenannten Regional Greenhousegas Allowances Initiative (RGGI) Zertifikate handeln, um das Emissionsaufkommen der Stromerzeugung zu senken. Auch innerhalb der Chicago Climate Exchange (CCX) können Teilnehmer freiwillig Emissionszertifikate handeln, um sich mit dem Instrument vertraut zu machen. New South Wales, ein Bundesstaat Australiens, betreibt seit 2003 ein Emissionshandelssystem (NSW GGRS) für den Stromerzeugungsbereich. In China existieren bereits drei regionale Emissionshandelssysteme, eines davon in Shanghai, das als Pilotvorhaben zur Einführung eines nationalen Systems gilt. Auch in Mexiko nehmen einige Unternehmen freiwillig an einem Emissionshandel teil.

Vom EU-ETS und den erwähnten Nebenschauplätzen abgesehen liegen bei Emissionshandelssystemen gute Absichten und Einführung jedoch noch weit auseinander. Zwar setzen sich sogar Großemittenten wie Brasilien und Indien mit diesem Instrument auseinander, außerhalb Europas wurde bislang aber nur in Neuseeland ein verpflichtendes und landesweites Cap-and-Trade-System verabschiedet. Bis zum Start im Jahr 2013 soll es unter Berücksichtigung der internationalen Klimaschutzverhandlungen noch modifiziert werden. In Australien drängte die Regierung lange auf die Verabschiedung eines Carbon Pollution Reduction Scheme (CPRS), wird das Vorhaben nun aber nach mehrfachem Scheitern im Gesetzgebungsprozess erst 2012 erneut aufgreifen. Als vorerst gescheitert gilt die Einführung eines Cap-and-Trade-Programms in den USA und auch in Japan, wo seit 2010 ein Pilotsystem in Tokio betrieben wird, wurde die Entscheidung über einen landesweiten Handel auf unbestimmte Zeit verschoben.

Häufig vermuten Staaten Wettbewerbsnachteile in einem solchen System, da ein Preis für Emissionen die Energieerzeugung verteuern würde. Ein weltweit einheitlicher Preis für Emissionsrechte könnte wettbewerbliche Bedenken theoretisch ausräumen und gleichzeitig die ökonomischen Effizienzvorteile des Emissionshandels zur Geltung bringen. CO2 würde dort gesenkt, wo die Kosten dafür besonders gering sind, was insbesondere in Entwicklungsländern der Fall ist. Diese Potenziale werden bislang nur unzureichend über Emissionsminderungsprojekte in Entwicklungsländern (Clean Development Mechansim – CDM) genutzt. Dafür oder auch für Senkungsprojekte in anderen Industriestaaten (Joint Implementation – JI) erhalten Staaten im Rahmen des Kyoto-Vertragswerks spezielle Emissionsgutschriften (Primary and Secondary Kyoto Offsets), die ebenfalls gehandelt werden können – zum Teil auch in anderen Emissionshandelssystemen. Ein internationaler Markt für Emissionsrechte aber, der verlässliche Preissignale für alle Emittenten liefert, existiert derzeit nur auf dem Papier.

Dabei könnten staatlich initiierte Systeme perspektivisch einen globalen Markt formen, sofern sie miteinander kompatibel sind. Bislang allerdings bestehen erhebliche Unterschiede in den eingeführten und geplanten Systemen, weshalb einige Staaten innerhalb des International Carbon Action Partnership (ICAP) seit 2007 über die Verbindung von segmentierten Kohlenstoffmärkten beraten. Einheitliche Antworten sind vor allem auf Fragen zu finden, welche Emittenten in den Handel einzubeziehen sind, wie die Monitoring- und Berichtspflichten auszugestalten sind oder in welchen Umfang und auf welche Art die Emissionsrechte auszugeben sind. Solche Gestaltungsoptionen haben substanziellen Einfluss auf den Emissionspreis. Ein System mit national unterschiedlichen Regelungen würde die ungleichen Wettbewerbspositionen der Handelsteilnehmer daher nicht beseitigen und die Systemverbindung insgesamt erschweren. Der von einem globalen Emissionshandel ausgehende Vorteil der Wettbewerbsneutralität würde in der Praxis konterkariert.

Ansprechpartner

8. November 2016

Internationale Klimapolitik Von Kyoto über Paris nach MarrakeschArrow

Vor einem Jahr wurde das Pariser Klimaabkommen als bahnbrechender Erfolg gefeiert. Bis zum 18. November sitzen nun in Marrakesch jene Staaten zusammen, die das Abkommen bereits ratifiziert haben. Sie müssen ihren Worten Taten folgen lassen – keine einfache Aufgabe. mehr auf iwd.de

10. Oktober 2016

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Die Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie, Windkraft und Co. kostet nach wie vor deutlich mehr, als sie am Markt einbringt. Daran ändert auch die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) grundsätzlich nichts. Die Förderkosten dürften in den kommenden zehn Jahren sogar noch weiter steigen. Die Politik muss gegensteuern – auf ganz bestimmte Weise. mehr auf iwd.de

EEG-Reform
IW-Pressemitteilung, 5. Oktober 2016

EEG-Reform Stromkosten bleiben unberechenbarArrow

Weil die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien mehr kostet, als sie am Markt einspielt, erhalten Anlagenbetreiber einen milliardenschweren Zuschuss. Auch die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ändert daran kaum etwas – im Gegenteil: In den kommenden 10 Jahren dürften die Förderkosten weiter steigen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. mehr