Nachhaltigkeit im Sinne der Brundtland-Kommission hat eine ökologische, eine ökonomische und eine wirtschaftliche Dimension, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Dieses 3-Säulen-Konzept hat sich weitgehend in der Praxis etabliert. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat das Jubiläum zum Anlass genommen, um sowohl einen Blick zurück auf 25 Jahre Nachhaltigkeitspolitik zu wagen als auch die Zukunft der Nachhaltigkeit zu beleuchten.

Die Anfänge der Nachhaltigkeitspolitik lagen in monokausalen Problemen mit klaren Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Mit ordnungsrechtlichen End-of-Pipe-Lösungen wurden sie angegangen. Diese Politik war durchaus erfolgreich. Zahlreiche drängende Umweltprobleme sind weitgehend gelöst oder zumindest deutlich gemildert worden. Blauer Himmel über der Ruhr ist heute normal. Auch die Abgase von Kraftfahrzeugen sind heute viel sauberer als vor 20 Jahren. Noch 1988 war es ein Ereignis, dass Klaus Töpfer durch den Rhein schwamm. Heute ist Baden im Rhein im Sommer oft zu beobachten und viele Fischsorten sind zurückgekehrt. Doch die Umweltprobleme sind komplexer geworden. Die Probleme der Zukunft werden sich mit den Instrumenten der Vergangenheit kaum mehr lösen lassen. Der Übergang von der bisherigen Nachhaltigkeitspolitik zu den komplexeren Fragestellungen der Zukunft lässt sich an vielen verschiedenen Beispielen festmachen:

Die Mobilität steht vor Herausforderungen, die alle Dimensionen der Nachhaltigkeit betreffen. Sie ist Grundlage des global arbeitsteiligen Wirtschaftens. Mobilität muss Emissionen begrenzen und sie muss bezahlbar bleiben, um den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Regionen eines Flächenlandes weiterhin zu ermöglichen. Die Mobilität der Zukunft wird vielfältiger sein als heute, die zentrale Aufgabe ist aber eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger. Das bisherige Nebeneinander ist den Herausforderungen der Zukunft langfristig nicht gewachsen.

Der Rohstoffbedarf wächst gerade in China und Indien. Wichtige Rohstoffe werden in politisch instabilen Ländern gefördert. Die Folge sind steigende Rohstoffpreise und stärkere Preisschwankungen. Die Rohstoffversorgung und ein effizienter Einsatz der Rohstoffe sind umso wichtiger, da Deutschland bei Metallen und vielen Industriemineralien stark von Importen abhängig ist. Dabei ist jeder Rohstoff mit einem ganz speziellen Risikoprofil versehen. Energierohstoffe haben andere Schwierigkeiten als heimische Mineralien, High-Tech-Metalle haben ganz andere Risikoprofile als Edelmetalle. Die Herausforderung liegt darin, die jeweils relevanten Risiken und entsprechende Antwortmöglichkeiten zu identifizieren.

Die Treibhausgasemissionen drohen kostenträchtige Klimaveränderungen nach sich zu ziehen. Um die Folgen des Klimawandels bewältigen zu können, wurde eine Begrenzung der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 2 Grad Celsius als politisches Ziel formuliert. Dazu müssen vor allem CO2-Emissionen reduziert werden, welche bei Produktions- und Konsumprozessen in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen entstehen. Gleichzeitig sollen der Wohlstand in Industrieländern sowie Entwicklungsmöglichkeiten in Schwellenund Entwicklungsländern nicht gefährdet werden. Diese schwer versöhnlichen Ansprüche haben vor allem die internationale Klimapolitik gelähmt.

Der Klimawandel wird sich verstärken und mehr und mehr für Unternehmen relevant werden. Für die Firmen ist es wichtig, dass der Staat die Infrastruktur klimarobust gestaltet. Es ist noch schwer absehbar, wo genau welche Arten von Klimaveränderungen virulent werden und welche Risiken und Chancen sich daraus ergeben. Auf lokaler Ebene herrscht teilweise sogar noch über das Vorzeichen einzelner natürlicher Auswirkungen des Klimawandels Unsicherheit. Auch dies hemmt aktuell die Anpassung an den Klimawandel.

Nachhaltigkeit ist ein kontinuierlicher Verständigungs-, Such-, Lern- und Gestaltungsprozess. Trotz aller Schwierigkeiten gewinnt sie als ein normatives Postulat und Leitbild in der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Forschung an Bedeutung. Die Nachhaltigkeitsaspekte werden in der Wirtschaft zunehmend als Wettbewerbs- und Profilierungsfaktor betrachtet. Nachhaltigkeit ist bereits heute bei den meisten Unternehmen ein Bestandteil des Leitbildes und des Zielsystems und eng mit dem Kerngeschäft verknüpft. Dabei müssen ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen gemeinsam gemeistert werden.

Doch auch wenn sich die Probleme ändern, lässt sich aus der Vergangenheit einiges lernen. So hat sich gezeigt, dass sich die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit am ehesten in einem marktwirtschaftlichen, regelbasierten Rahmen verfolgen lassen. Effiziente Sozial- und Umweltpolitik sind kein Gegensatz zu einer marktorientierten Wirtschaftspolitik. Zudem erfordert eine dauerhaft funktionsfähige Marktwirtschaft die Erfüllung dieser Ziele, da ansonsten die notwendige soziale und ökologische Stabilität als Entwicklungsvoraussetzung nicht gegeben wäre.

Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.):
Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit - Erfolge und Herausforderungen 25 Jahre nach dem Brundtland-Bericht
IW-Analysen Nr. 82, Köln, 2012, 126 Seiten, 21,90 Euro
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Pläne der EU-Kommission: Auch wir müssen mehr recyceln
Gastbeitrag, 1. Dezember 2016

Adriana Neligan in der Alternativen Kommunalpolitik Pläne der EU-Kommission: Auch wir müssen mehr recycelnArrow

Deutschland recycelt derzeit offiziell 64 Prozent seiner Siedlungsabfälle und ist damit Spitzenreiter in Europa, schreibt IW-Ökonomin Adriana Neligan in der Zeitschrift Alternative Kommunalpolitik. Allerdings wird hier auch Abfall als recycelt gewertet, der verbrannt wird. Die EU-Kommission will in Zukunft nur noch solche Abfälle als recycelt ansehen, die auch tatsächlich wiederverwertet werden. mehr

Nachhaltigkeit
IW-Nachricht, 8. September 2016

Nachhaltigkeit Jeder zehnte Euro für den UmweltschutzArrow

Das Bundesumweltministerium kämpft für mehr Nachhaltigkeit und möchte der deutschen Umweltpolitik mehr Mitspracherecht geben. Doch die Wirtschaft ist der Politik mehrere Schritte voraus. Das Produzierende Gewerbe gibt bereits heute jeden zehnten Euro seiner Investitionen für den Umweltschutz aus. Mehr Bürokratie birgt die Gefahr einer Abwanderung – zum Schaden von Wirtschaft und Umwelt. mehr

Sustainable Development Goals – Freiheit ermöglicht Nachhaltigkeit
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Einer aktuellen Studie von UN Global Compact und Accenture (2016) zufolge sind für etwa 50 Prozent aller Unternehmenschefs Unternehmen die wichtigsten Akteure, um die Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen. Denn Innovationskraft und Kreativität sind genauso gefragt wie mehr Effizienz und kostenbewusster Umgang mit knappen Ressourcen. Voraussetzung dafür ist unternehmerische Freiheit. Dies kann erklären, warum die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) der UN stark von der unternehmerischen Freiheit abhängt (Enste, 2015). mehr