Studierendenprojekt der IG Metall Image

Mit dem Studierendenprojekt erprobt die IG Metall nach eigenen Angaben, wie junge Akademiker bereits während des Studiums erreicht werden können, um die Ingenieure und IT-Fachkräfte von morgen für sich zu gewinnen. „Die klassischen Azubis sprechen wir ja auch schon in der Ausbildung an“, so die Projektleiterin Diana Kiesecker. Die Erfahrung zeigt, dass die Organisation von Auszubildenden am erfolgreichsten ist, wenn sie direkt zu Ausbildungsbeginn ansetzt. Und sowohl für Auszubildende als auch für Studierende gilt: Wer schon während der Ausbildung beitritt, bleibt häufig auch nach dem Abschluss Gewerkschaftsmitglied.

Die IG Metall nimmt damit eine Vorreiterrolle bei der Studierendenorganisation ein. Erste Bemühungen um die Ansprache von Studierenden lassen sich auf 2002 datieren. Der Gewerkschaftskongress 2007 in Leipzig beschloss ein von der Jungendarbeit unabhängiges Studierendenprojekt, das am 1. Mai 2008 startete. Anfang 2012 wurde die Studierendenarbeit dann auf alle sieben Organisationsbezirke der Gewerkschaft ausgeweitet, sodass jetzt insgesamt elf Studierendenexperten an 16 Standorten involviert sind.

Für die erfolgreiche Organisation von Akademikern in der Ausbildung verfolgt das Projekt drei zentrale Ansatzpunkte (Grafik). Den ersten Ansatzpunkt stellt die Diskussion des Themas Studierendenarbeit in der Organisation selbst dar. Die elf Experten des Projekts tragen die Studierendenarbeit in die innergewerkschaftliche Diskussion und beraten die Betriebsräte, wie sie Studierende etwa bei Betriebspraktika gezielt ansprechen können. Die Betriebsräte wiederum können die Studierendenexperten über konkrete Probleme im Arbeitsalltag von Werkstudenten, Praktikanten oder dual Studierenden informieren. Im Idealfall könnten spezielle Tarifverträge für studentische Arbeitnehmer am Ende dieses Kooperationsprozesses stehen. Der zweite Ansatzpunkt der Studierendenarbeit ist der Campus als Ort des Erstkontakts zu den Studierenden. An ausgewählten Standorten, also bevorzugt an Hochschulen mit starker Ausrichtung auf MINT-Fächer, betreibt das Projekt in Kooperation mit dem DGB und der Hans-Böckler-Stiftung Informationsstellen, bietet Beratungen und Seminare an und unterstützt die Lehre und die Akkreditierung von neuen Bachelor- und Masterstudiengängen. Der dritte Ansatzpunkt ist der Betrieb, in denen Studierende ihre Pflichtpraktika absolvieren. Hier versuchen die elf Experten, die Qualität des praktischen Teils der Ausbildung sicherzustellen und entsprechende Vereinbarungen mit den jeweiligen Betrieben zu treffen. Der Betrieb als zweiter Lernort ist von entscheidender Bedeutung, da den angehenden Akademikern häufig erst hier die konkrete Relevanz gewerkschaftlicher Vertretung bewusst wird.

Die Angebote der IG Metall sind aber nicht nur direkt vor Ort, sondern auch im Internet abrufbar. Dort finden sich Neuigkeiten über Studien und über Gewerkschaftskampagnen zu hochschulnahen Themen wie Studiengebühren, Öffnung des Hochschulzugangs für Nicht-Abiturienten und Mitbestimmung in der Univerwaltung. Wichtiger noch dürfte das praktische Informationsangebot sein, das Studierende unter anderem über Rechte im Praktikum oder Ferienjob, über Tipps zur Studienfinanzierung oder über durchschnittliche Einstiegsgehälter aufklärt.

Im Anwerben junger Menschen war die Gewerkschaft zuletzt recht erfolgreich. Im ersten Halbjahr 2012 stiegen die Neuaufnahmen gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in der Altersgruppe bis zu 27 Jahren um 12,5 Prozent. Dadurch erhöhte sich der Mitgliederbestand dieser Altersgruppe um 5 Prozent auf 212.000. Der Anteil gewonnener Akademiker ist aber eher gering. Nach eigenen Angaben konnte die IG Metall seit Beginn des Studierendenprojekts im Mai 2008 rund 5.500 Akademiker rekrutieren. Im Vergleich zu fast 18.500 jugendlichen Neumitgliedern allein in der ersten Hälfte dieses Jahres wird deutlich, dass die Studierendenarbeit noch ganz am Anfang steht.

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