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Ein Vergleich der von den einzelnen DGB-Landesbezirken veröffentlichten Mitgliedszahlen zeigt große regionale Unterschiede. Um die Größeneffekte der Bundesländer auszuschalten, werden keine absoluten Mitgliederzahlen miteinander verglichen, sondern der gewerkschaftliche Brutto-Organisationsgrad. Er gibt den prozentualen Anteil aller Gewerkschaftsmitglieder an den Arbeitnehmern an. Im Unterschied zum Netto-Organisationsgrad enthält der Brutto-Organisationsgrad auch Nicht-Erwerbstätige Gewerkschaftsmitglieder (Rentner, Studenten oder Arbeitslose). Er liegt deshalb über dem Netto-Organisationsgrad. Nach den letzten bundesweit vorliegenden Angaben vom Jahresende 2014 reicht die Spanne des Brutto-Organisationsgrads von 11,7 Prozent im Mecklenburg-Vorpommern bis zu 28,2 Prozent im Saarland (siehe Grafik). Am unteren Ende findet man auch Bayern (12,7 Prozent) und Berlin (13,8 Prozent), am oberen Ende Bremen (24,8 Prozent) und Niedersachsen (19,3). Die hohen Organisationsgrade in Bremen und im Saarland könnten mit der Pflichtmitgliedschaft aller Arbeitnehmer in den dortigen Arbeitskammern zusammenhängen. Diese Kammern sind öffentlich-rechtliche Körperschaften zur Vertretung der Arbeitnehmerinteressen in Politik und Wirtschaft. Sie führen keine Tarifverhandlungen und dürfen auch nicht streiken. Dadurch treten sie nicht in Konkurrenz zu den Gewerkschaften auf, sondern arbeiten oft mit ihnen zusammen. Dies dürfte die Beitrittsneigung steigern.

Die westlichen Bundesländer (ohne Berlin) kommen im Durchschnitt auf einen Brutto-Organisationsgrad von 16,2 Prozent, während die östlichen (einschließlich Berlin) nur 14,6 Prozent erreichen (ohne Berlin wären es 14,8 Prozent). Von den östlichen Bundesländern liegt Sachsen-Anhalt allerdings um 0,7 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt und Sachsen liegt mit 15,4 Prozent vor Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Das bevölkerungsreichste Bundesland – Nordrhein-Westfalen – liegt 2 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt.

Auch beim Frauenanteil bestehen große regionale Unterschiede. Bundesweit stellen Frauen ein Drittel der DGB-Mitglieder. Im Westen sind es 31,2 und im Osten 42,7 Prozent. Am weiblichsten sind die DGB-Gewerkschaften mit 44,7 Prozent in Berlin, gefolgt von Sachsen-Anhalt (43,7 Prozent) und Brandenburg (43,3 Prozent). Die geringsten Frauenanteile weisen das Saarland (25,9 Prozent), Bayern (29,3 Prozent) und Bremen (29,9 Prozent) auf.

Ansprechpartner

Ruf nach Regulierung
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Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

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Im Dezember 1916 wurden die Gewerkschaften in Deutschland als Interessenvertreter der Arbeitnehmer anerkannt. Hundert Jahre später kämpfen nicht nur die deutschen Gewerkschaften gegen ihren Bedeutungsverlust. mehr

Rührei-Prinzip wird GdF zum Verhängnis
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Arbeitskampfrechtsprechung Rührei-Prinzip wird GdF zum VerhängnisArrow

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in zwei Entscheidungen vom 25.8.2015 das Arbeitskampfrecht weiterentwickelt – jeweils am Streik der Fluglotsen (1 AZR 875/13 und 1 AZR 754/13). Am 26.7.2016 ist die dritte Lotsenstreik-Entscheidung ergangen (1 AZR 160/14), mit der seit längerer Zeit einmal wieder ein Streik für rechtswidrig erkannt und hieraus eine Schadensersatzpflicht der streikenden Gewerkschaft abgeleitet worden ist. mehr