Mitgliederstruktur Image

Die ALLBUS ist eine seit 1980 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführte Befragung. In jeder Erhebung wird eine neue Zufallsstichprobe gezogen, bei der jeweils etwa 3.000 bis 3.500 Personen (darunter etwa 1.500 Arbeitnehmer) befragt werden. Die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft wird regelmäßig abgefragt. Seit 2004 lautet die Fragestellung: „Darf ich Sie fragen, ob Sie derzeit Mitglied einer Gewerkschaft sind?“. Eine Unterscheidung nach Gewerkschaften ist demnach nicht möglich. Aus den Antworten der letzten Befragung im Jahr 2012 geht hervor, dass 20,6 Prozent der abhängig Beschäftigten Mitglied einer Gewerkschaft waren. Gegenüber der Erhebung des Jahres 2006 stellt dies einen Zuwachs von 2,6 Prozentpunkten dar. Das Jahr 2006 eignet sich als Vergleichszeitpunkt, weil damals der historische Tiefpunkt des Organisationsgrades erreicht wurde. Bis dahin ging der Organisationsgrad kontinuierlich zurück.

Ob die Trendwende anhält, hängt davon ab, welche Beschäftigtengruppen seit 2006 zum Wachstum beigetragen haben. Während der Organisationsgrad der Arbeitnehmer mit 3,4 Prozentpunkten überdurchschnittlich zulegte, wuchs der der Arbeitnehmerinnen mit 1,8 Prozentpunkten unterdurchschnittlich. Mit einer Reichweite von 14,2 Prozent erreichen Frauen nur etwas mehr als die Hälfte des Organisationsgrads der Männer (26,1 Prozent). Frauen stellen aber einen wachsenden Anteil an der Gesamtbeschäftigung. Dieser Trend dürfte anhalten, weil Frauen häufiger in Bereichen arbeiten, die zum Beschäftigungswachstum beitragen, etwa im Erziehungs-und Unterrichtswesen oder im Gesundheitssektor. Da Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, sind die Gewerkschaften auch bei Teilzeitbeschäftigten schlechter organisiert als bei Vollzeitbeschäftigten. Eine Ost-West-Unterscheidung zeigt, dass dies allerdings nur für den Westen gilt. Im Osten sind Männer und Frauen etwa gleich stark in der Arbeitnehmerschaft verankert.

Eine Analyse der Altersstruktur zeigt, dass die Gewerkschaften parallel zur Erwerbsbevölkerung altern. Dabei zeigt sich ein Kohorteneffekt. Im Durchschnitt der Jahre 1994 bis 2000 waren die Alterskohorte der 31- bis 40-Jährigen und der 41- bis 50-Jährigen mit jeweils 30 Prozent am stärksten besetzt (Abbildung). Dies hat sich im Durchschnitt der Periode 2002 bis 2006 geändert. In diesem Zeitraum ragt die Kohorte der 41- bis 50-Jährigen mit einem Anteil von 37,3 Prozent deutlich heraus. Da ein Teil dieser Kohorte in der Periode 2008 bis 2012 in die Kohorte der Über-50-Jährigen gewandert ist und weniger Organisierte aus der Kohorte der 31- bis 40-Jähigen nachgerückt sind, weist im Durchschnitt der letzten drei Erhebungen die älteste Kohorte mit 36 Prozent den höchsten Anteil auf. Im Vergleich zur Periode 1994 bis 2000 sind nicht mehr die beiden mittleren Alterskohorten am stärksten vertreten, sondern die beiden ältesten. Da die Jüngeren mit 14 Prozent nur halb so gut organisiert sind wie die Über-50-Jährigen (26 Prozent), stehen die Gewerkschaften langfristig vor einem demografischen Problem: Ihre bestorganisierten Altersjahrgänge scheiden aus dem Berufsleben aus und die nachrückenden Kohorten sind deutlich schwächer organisiert.

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

Gewerkschaften Verdi im KampfmodusArrow

Lufthansa, Eurowings, Amazon – das Jahr 2016 war wieder reich an Streiks. Das liegt auch an der veränderten Strategie von Verdi, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: 15 Jahre nach ihrer Gründung setzt die Dienstleistungsgewerkschaft zunehmend auf Konfrontation. mehr