Mitgliederentwicklung Image

Zu den vier Arbeitnehmerbünden, die sich im Jahr 2012 über einen Mitgliederzuwachs freuen durften, gehören die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die IG Metall und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Zwar mussten die verbleibenden vier Gewerkschaften einen neuerlichen Verlust an Mitgliedern verkraften (siehe Grafik). Trotzdem zogen auch diese Gewerkschaften ein positives Fazit. Denn inzwischen gelingt es den Organisationen, mehr jugendliche Erwerbstätige für das Mitmachen zu begeistern.

Die GEW gewann 2012 insgesamt 3.413 zusätzliche Mitglieder. Dies entspricht einem Zuwachs von 1,3 Prozent. Damit konnte die GEW den größten relativen Mitgliederzuwachs innerhalb des Dachverbandes verzeichnen. Die GEW ist auch diejenige DGB-Gewerkschaft, der die Trendwende als erster gelang. Seit 2008 gewann die Organisation fast 18.000 neue Mitglieder, was einem kumulierten Zuwachs von fast 6 Prozent entspricht. Bei der GdP setzte die Trendwende ein Jahr später im Jahr 2009 ein. Seitdem kamen insgesamt 5.300 Neue hinzu, was einem Zuwachs von 3,2 Prozent entspricht. Beide Gewerkschaften haben gemeinsam, dass sie eher berufsständisch organisiert sind und homogenere Mitgliedergruppen organisieren als die anderen Branchengewerkschaften.

Von den Branchengewerkschaften im DGB ist bislang allein der IG Metall und der NGG die Wende gelungen. Die NGG konnte im letzten Jahr erstmals seit der Wiedervereinigung über einen Mitgliederzuwachs berichten. Nachdem im Jahr 2011 die Gesamtmitgliederanzahl schon nahezu stabil war, wuchs die Zahl der Mitglieder 2012 um knapp 0,3 Prozent. Der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg führte diesen Gewinn in einem Pressestatement hauptsächlich auf die positive Mitgliederentwicklung im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk zurück.

Nachdem die IG Metall 2011 erstmals nach 20 Jahren einen leichten Zuwachs von gut 6.000 Personen meldete, verdreifachte sich der Anstieg 2012 auf fast 18.000 (plus 0,8 Prozent). Ursächlich dafür war ein kräftiger Anstieg bei den Neuaufnahmen. Deren Zahl wuchs um 7,4 Prozent. Positiv entwickelte sich auch die Organisierung von Zeitarbeitnehmern. In dieser Beschäftigtengruppe ergab sich ein Anstieg von 22,9 Prozent. Die Zahl der Angestellten in der IG Metall legte um 3,8 Prozent auf 297.995 zu. Besonders betont die Gewerkschaft das hohe Interesse junger Arbeitnehmer an einer Mitgliedschaft. Insgesamt sind im letzten Jahr 223.058 Jugendliche in die IG Metall eingetreten. Dies entspricht einem Plus von 4,5 Prozent.

Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IC BCE) weist auf Organisationserfolge unter den Auszubildenden hin. Ende 2012 konnte die IG BCE 62 Prozent der Auszubildenden-Kohorte gewinnen, die im Jahr 2012 ihre Ausbildung aufgenommen hat. Insgesamt bilanzierte die IG BCE aber dennoch einen leichten Rückgang (minus 0,5 Prozent). Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di weist einen geringen Verlust auf (minus 0,5 Prozent), dies ist allerdings der geringste seit der ver.di-Gründung im Jahr 2001.

Den größten Aderlass hatten die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die Eisenbahnergewerkschaft EVG zu verkraften. Der IG BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel hob aber hervor, dass der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr weiter verringert werden konnte. Die IG BAU setzt auf die verbesserte Beschäftigungssituation in der Baubranche, um im Jahr 2013 mehr Mitglieder gewinnen zu können. Die EVG verlor im Jahr 2011 insgesamt 5,1 Prozent, 2012 waren es nur noch 3,2 Prozent.

Ansprechpartner

Ruf nach Regulierung
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Crowdworking Ruf nach RegulierungArrow

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr

IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Gewerkschaften Hundert Jahre AnerkennungArrow

Im Dezember 1916 wurden die Gewerkschaften in Deutschland als Interessenvertreter der Arbeitnehmer anerkannt. Hundert Jahre später kämpfen nicht nur die deutschen Gewerkschaften gegen ihren Bedeutungsverlust. mehr

Rührei-Prinzip wird GdF zum Verhängnis
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Arbeitskampfrechtsprechung Rührei-Prinzip wird GdF zum VerhängnisArrow

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in zwei Entscheidungen vom 25.8.2015 das Arbeitskampfrecht weiterentwickelt – jeweils am Streik der Fluglotsen (1 AZR 875/13 und 1 AZR 754/13). Am 26.7.2016 ist die dritte Lotsenstreik-Entscheidung ergangen (1 AZR 160/14), mit der seit längerer Zeit einmal wieder ein Streik für rechtswidrig erkannt und hieraus eine Schadensersatzpflicht der streikenden Gewerkschaft abgeleitet worden ist. mehr