Das hängt damit zusammen, dass die Zahl der abhängig Beschäftigten 2011 um 1,3 Prozent auf 36,5 Millionen zulegte. Im internationalen Vergleich stehen die hiesigen Arbeitnehmerorganisationen ohnehin nicht gerade gut da. Eine Auswertung des European Social Survey (siehe unten) ergibt für 2010 einen Nettoorganisationsgrad von gerade einmal 14 Prozent (siehe Grafik). Weniger Zuspruch finden die Gewerkschaften lediglich in einigen osteuropäischen Ländern sowie in Spanien (13 Prozent), in der Schweiz (12 Prozent), in Frankreich (7 Prozent) und in Portugal (6 Prozent).

Die geringen Organisationsgrade in Mittel- und Osteuropa hängen mit den politischen Veränderungen zu Beginn der 1990er Jahre zusammen. Zwar wurden die sozialistischen Einheitsgewerkschaften aufgelöst und durch neue gegründete Organisationen ersetzt. Mit dem Wegfall der Zwangsmitgliedschaft, der steigenden Arbeitslosigkeit und der im Zuge der Privatisierung wachsenden Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen entschloss sich aber nur eine Minderheit der Beschäftigten dazu, einer freien Gewerkschaft beizutreten.

Die höchsten Organisationsgrade findet man in den skandinavischen Ländern und in Belgien. Dort gaben zwischen 41 und 61 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Die wichtigste Erklärung für die gute Verankerung in der Arbeitnehmerschaft ist das sog. Gent-System. Dieses überträgt den Gewerkschaften die Leitung der Arbeitslosenversicherung. Wer sich versichert, der tritt oft auch der Gewerkschaft bei, weil die Gewerkschaften den Bezug des Arbeitslosengeldes für Nichtmitglieder erschweren könnten und darüber hinaus über die Zumutbarkeitskriterien befinden, welchen Job ein Arbeitsloser ablehnen kann, ohne seinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu verlieren.

Das ESS gibt auch Auskunft über die Anteile der ehemaligen Gewerkschaftsmitglieder. Sie sind in den osteuropäischen Ländern auffallend hoch. In Bulgarien und Estland war fast jeder zweite Befragte zumindest früher einmal organisiert; in der Tschechischen Republik, Slowenien und Ungarn waren es zwischen 34 und 39 Prozent. Diese Angaben spiegeln die ehemalige Zwangsmitgliedschaft wider, auch wenn sie lange zurückliegt. Für Deutschland gaben 21 Prozent an, zu einem früheren Zeitpunkt Gewerkschaftsmitglied gewesen zu sein. Dies entspricht in etwa den Angaben anderer westeuropäischer Länder.

Ein Blick auf den DGB zeigt, dass die Mitgliederentwicklung einzelner Gewerkschaften unterschiedlich ausfällt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft konnte schon zum vierten Mal in Folge einen Mitgliederzuwachs melden (1,1 Prozent). Im Plus lag erstmals seit rund 20 Jahren auch die IG Metall (0,3 Prozent). Auf der anderen Seite büßten die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft 5,1 Prozent und die IG BAU 2,8 Prozent ein.

Im Rahmen des European Social Survey (ESS) werden seit 2002 alle zwei Jahre fast 40.000 Personen aus bis zu 30 europäischen Ländern nach ihren religiösen, politischen und moralischen Einstellungen befragt. Die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft fällt zweistufig aus. Der ersten Stufe „Are you or have you ever been a member of a trade union or similar organisation?” schließt sich als weitere Frage an: „IF YES, is that currently or previously?” Die Angaben in der Abbildung beziehen sich ausschließlich auf die Antwortkategorie „YES, currently“.

http://www.europeansocialsurvey.org/

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