Kampagne der IG Metall Image

Nach Ansicht der IG Metall ist das Handwerk für die Zukunft schlecht gerüstet. Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Tarifflucht – nach Angaben der Gewerkschaft ist im Kfz-Handwerk oder im Elektrohandwerk nur noch jeder zweite Betrieb Innungsmitglied und damit tarifgebunden – öffne sich die Lohnschere im Vergleich zur Industrie immer weiter. Bereits die geringe Ausbildungsvergütung sei für die Beliebtheit handwerklicher Berufe nicht förderlich. Im Vergleich zu Auszubildenden der Metall- und Elektro-Industrie, die im ersten Lehrjahr mit 820,55 Euro entlohnt werden, erhalten beispielsweise die Auszubildenden im Kfz-Gewerbe mit 549 Euro eine deutlich geringere Vergütung (Grafik). Dies trage mit dazu bei, dass Ausbildungsstellen im Handwerk sehr häufig unbesetzt bleiben und zuletzt 31 Prozent der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von den Auszubildenden vorzeitig gekündigt wurden. Zum Vergleich: In den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe und Handel waren es lediglich 22 Prozent. Dies ermittelten das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Statistische Bundesamt.

Die IG Metall beklagt auch, dass durch die sinkenden Zahlen der Auszubildenden zu viele ältere Arbeitnehmer im Handwerk beschäftigt seien. Der fehlende Nachwuchs führe zu einer Überalterung der Belegschaft. Die älteren Arbeitnehmer könnten häufig nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter der Erwerbsarbeit nachgehen, weil die Arbeitsbedingungen zu hart seien.

Im November 2012 hat die IG Metall daher die „Offensive Handwerk“ gestartet, mit der sie bessere Arbeitsbedingungen und eine Lohnangleichung an die Industrie durchsetzen will. Die Gewerkschaft strebt dazu ein „verträglicheres Arbeitstempo“ und weniger Überstunden an. Auch die altersgerechte Arbeit wird thematisiert, damit das gesetzliche Renteneintrittsalter häufiger erreicht wird. Schließlich sollen mehr Jugendliche für das Handwerk gewonnen werden. Hier setzt die Gewerkschaft auf das Anheben von Ausbildungsvergütungen und Löhnen, um die Branche für junge Leute attraktiver zu machen.

Die IG Metall will den Handwerksbetrieben auch Hilfe anbieten. Analysen und betriebliche Konzepte sollen die systematische Personal- und Nachfolgeplanung der Betriebe erleichtern. Dabei geht es nicht nur darum, mehr qualifizierte Nachwuchskräfte zu sichern, sondern auch gezielt Ältere weiterzuqualifizieren, um sie rechtzeitig auf zukünftige technologische Anforderungen vorzubereiten. Zudem sollen Konzepte zur Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze erarbeitet werden.

Ob die Kampagne erfolgreich sein wird, ist schwer zu beurteilen. Zum einen ist der Einfluss der Gewerkschaft im Handwerk eher gering. Da das Handwerk kleinbetrieblich strukturiert ist, liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Organisationsbereich der IG Metall (Stahl- und Metallbau, Kfz-Werkstätten, Tischlereien, Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe), der insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigte umfasst, bei weniger als 10 Prozent. Um dies zu ändern, müssten in den Betrieben häufiger Betriebsräte gewählt werden, weil diese eine wichtige Funktion bei der Mitgliederwerbung übernehmen. Dies müsste die Gewerkschaft erfolgreich anstoßen.

Zum anderen hat auch die Arbeitgeberseite das Nachwuchsproblem erkannt und unabhängig von der IG Metall Initiativen gestartet. So wirbt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) seit März 2010 mit einer Imagekampagne „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan“, um der Öffentlichkeit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks zu verdeutlichen und Jugendliche für das Handwerk zu begeistern. Seit März 2013 läuft zudem die Jugendkampagne „Handwerk bringt dich überall hin“ mit „Entdecker-Praktika“, die den Jugendlichen die Vielfältigkeit der Branche zeigen sollen.

Lisa Schmid

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