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Zwischen 2011 und 2014 stieg die Mitgliederzahl der IG Metall um 42.850 an. Foto: EdStock/iStock

Die größte deutsche Gewerkschaft blickt auf erfolgreiche Jahre zurück. Zwischen 2011 und 2014 stieg die Mitgliederzahl um 42.850 Personen auf 2,27 Millionen Mitglieder an. Zurückzuführen ist dieser positive Trend einmal auf eine gestiegene Anzahl von Eintritten erwerbstätiger Arbeitnehmer. Überproportionale Mitgliederzuwächse gab es bei Jugendlichen und Frauen sowie bei Leiharbeitern und Hochschulabsolventen. Die positive Mitgliederentwicklung hängt nach Angaben der IG Metall aber auch damit zusammen, dass deutlich weniger Personen aus der Organisation ausgetreten sind. Die positive Mitgliederentwicklung schlägt sich in den Beitragseinnahmen der Organisation nieder. Sie sind von 459 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 532 Millionen Euro in diesem Jahr angestiegen (siehe Grafik Seite 2). Das entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent. Treiber sind einmal der steigende Anteil an Erwerbstätigen, die den vollen Beitrag zahlen. Sie führen 1 Prozent ihres Bruttoverdienstes an die Gewerkschaft ab, während Rentner, Studierende und Arbeitslose deutlich weniger zahlen. Zweiter Treiber sind die kräftigen Lohnerhöhungen der letzten Jahre. Da die Gewerkschaft 15 Prozent der Beitragseinnahmen an den Streikfonds abführt, wird dieser allein 2015 mit knapp 80 Millionen Euro aufgestockt. Seit 2011 flossen dem Fonds 373 Millionen Euro zu. Dem standen Streikunterstützungszahlungen von lediglich 1,9 Millionen Euro gegenüber, die an insgesamt 774 beteiligte Mitglieder mit 20.986 Streiktagen flossen.

Damit diese positive Entwicklung anhält, wurden Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung beschlossen. So soll neuen, aus der Digitalisierung und der Flexibilisierung entstehenden Arbeitsvertragsformen dadurch Rechnung getragen werden, dass sich die IG Metall für Solo-Selbstständige und sogenannte Crowdworker öffnet. Zur Erschließung neuer Mitglieder in Werkvertragsunternehmen, Shared Services und Start-ups werden in den nächsten neun Jahren insgesamt 190 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus soll über die Kampagne "Junge IG Metall", die seit 2012 zu einem Beitritt von 18.000 Studierenden führte, ein noch stärkerer Fokus auf Hochschulen, dual Studierende und junge Beschäftigte gelegt werden. Zudem wird es zu einer „neuen Beteiligung“ der Mitglieder kommen. Dazu sind Mitgliederbefragungen in der Phase der Forderungserstellung geplant sowie Feedback-Runden nach Tarifabschlüssen. Zudem sollen neue Streikformen getestet werden. Ziel sind zeitlich befristete, betriebsbezogene Streiks, die durch betriebliche Abstimmung legitimiert werden und bei denen eine Streikunterstützung gezahlt wird.

Bei der Vorstellung seines Zukunftskonzeptes stellte der neue erste Vorsitzende Jörg Hofmann fest, dass die Digitalisierung von Produkten und Prozessen weitgehende Folgen für die Arbeitswelt habe, die die IG Metall aktiv mitgestalten will. Dies betrifft vor allem die Themen berufliche Fortbildung und Arbeitszeit. Im Bereich der Arbeitszeitpolitik setzt die IG Metall auf Selbstbestimmtheit und Zeitsouveränität der Arbeiter und Angestellten. Flexibilität dürfe nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen, sondern verlange eine Gegenleistung. Dazu gehören unter anderem die vollständige Erfassung und Vergütung der geleisteten Arbeitszeit und die Sicherstellung der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben durch lebensphasenorientierte Arbeitszeiten. Mobiles Arbeiten oder flexible Zeitentnahmen aus den Arbeitszeitkonten würden von den Beschäftigten, auch von Arbeitern, beispielsweise im Schichtdienst, zunehmend nachgefragt. Dazu ist eine dreijährige Kampagne geplant.

Ein Reizthema der Gewerkschaft ist das Thema Werkverträge. Nach einem Beschluss des Gewerkschaftstags sollen Outsourcing und die Vergabe von Werkverträgen in Zukunft weitestgehend vermieden werden. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, will die IG Metall die Arbeits- und Entgeltbedingungen für die Beschäftigten mit Werkverträgen verbessern. Für die industrienahen Dienstleistungsunternehmen will sie Tarifverträge abschließen, die über dem branchenüblichen Niveau liegen. Ziel ist es, die Tarifhoheit über die gesamte Wertschöpfungskette zu gewinnen. Darüber hinaus sollen Betriebsräte bei Fremdvergaben mit Informations- und Mitbestimmungsrechten ausgestattet werden. Dennis Byrski und Hagen Lesch

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