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Beim IG BAU-Kongress gab Klaus Wiesehügel nach fast 18 Jahren Amtszeit den Bundesvorsitz ab. Mit einer Zustimmung von 83 Prozent wurde Robert Feiger zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Als Stellvertreter stehen ihm künftig Dietmar Schäfers und Harald Schaum zur Seite. Sie erhielten 91 und 81 Prozent der abgegebenen Stimmen. Weniger einmütig ging es bei der Wahl der weiteren Vorstandsmitglieder zu. Carsten Burckhardt erhielt die Zustimmung von lediglich 54 Prozent und Ulrike Laux wurde gegen den Willen des Beirats in den Vorstand gewählt. Sie bekam insgesamt 56 Prozent der Stimmen.

In der Bilanz über seine Amtszeit schaute Klaus Wiesehügel nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Rückblickend schilderte er die schwierigen Zeiten, durch die er mit der IG BAU gegangen ist. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Mitte der 1990 Jahre einsetzende Baukrise, die zu einem Verlust von rund 700.000 Arbeitsplätzen führte, was die organisatorische Basis der Gewerkschaft nachhaltig ausgehöhlt hat. Als zweite große branchenspezifische Herausforderung nannte er die Billiglohnkonkurrenz infolge der Öffnung des europäischen Arbeitsmarktes, die zu einem massiven Lohndruck führte und politisches Handeln notwendig machte. Nach der Verabschiedung des Arbeitnehmer-Entsende-Gesetzes im Jahr 1996 wurde Anfang 1997 in der Bauwirtschaft der erste tarifliche Branchen-Mindestlohn eingeführt.

Aufgrund dieser Herausforderungen habe sich die IG BAU von einer reinen Baugewerkschaft hin zu einer Branchen- und Mitmachgewerkschaft wandeln müssen. Heute habe die Organisation mit der Bauwirtschaft, den Baustoffen, der Gebäudereinigung und den Grünen Branchen vier Standbeine. Neben dem tariflichen Mindestlohn setzte die Organisation auch eine Verbesserung der Förderung der ganzjährigen Beschäftigung in der Bauwirtschaft durch: 2006 wurde ein Saisonkurzarbeitergeld eingeführt.

Im Ausblick standen weniger tarifpolitische als wirtschaftspolitische Themen im Fokus. Die aktuelle Sparpolitik müsse durch eine Politik ersetzt werden, die mehr soziale Gerechtigkeit bringe. Dazu gehörten faire Arbeitsbedingungen und eine Rente, die zum Leben reicht. Entsprechend müsse gegen Zeitarbeit, Lohnbetrug, Werkvertragsmissbrauch, Befristungen und die Rente mit 67 vorgegangen werden.

Der neue Vorsitzende Robert Feiger forderte als wichtigstes tarifliches Ziel die Einführung eines „staatlich-tariflichen Altersflexi-Geldes“. Dieses soll die Verdienstausfälle für jene Baubeschäftigte im Alter von 58 bis 63 Jahren ausgleichen, die nicht mehr Vollzeit arbeiten können. Außerdem sollen Baubeschäftigte nach 44 Versicherungsjahren abschlagsfrei in Rente gehen können.

Auf dem Gewerkschaftstag der IG BCE bestätigten die Delegierten den amtierenden Vorsitzenden Michael Vassiliadis in seinem Amt. Er wurde mit 99,2 Prozent wiedergewählt. Die Mitgliederentwicklung ist auch bei der IG BCE ein zentrales Thema. Zwar ist die gesamte Mitgliederzahl (Aktive und Inaktive) immer noch leicht rückläufig. Seit 2011 steigt die Mitgliederzahl in den Betrieben aber nach Angaben des Vorsitzenden an. Der Anteil der Frauen nimmt dabei zu. Er hat inzwischen die Marke von 30 Prozent erreicht. Langfristig soll sich dieser Anteil auch in den Führungspositionen der Organisation niederschlagen. In einem ersten Schritt wurde erstmals eine Frau als Stellvertreterin nominiert und gewählt. Edeltraud Glänzer erhielt 99,7 Prozent der Stimmen.

Neben energiepolitischen Fragen diskutierten die Delegierten über die betriebliche Mitbestimmung. Vassiliadis forderte eine „Mitbestimmungsoffensive“. Ein erster Baustein dieser Offensive besteht darin, dass der besondere Kündigungsschutz nach § 103 BetrVG nicht nur für bereits gewählte Wahlvorstands- oder Betriebsratsmitglieder gelten solle. Stattdessen solle er schon dann greifen, wenn das Vorhaben der Arbeitnehmer besteht, einen Betriebsrat zu gründen. Dies soll verhindern, dass Arbeitgeber den Wahlprozess ausbremsen. Darüber hinaus wird ein Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte bei Zeitarbeit und Werkverträgen gefordert.

Ansprechpartner

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

Fünfzehn Jahre nach der Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft fällt die Bilanz gemischt aus. Die Mitgliederzahl von ver.di ging um ein gutes Viertel zurück, die Finanzen sind wieder auf dem aufsteigenden Ast – auch dank höherer Lohnabschlüsse. mehr auf iwd.de

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr

Verdi im Kampfmodus
IW-Pressemitteilung, 9. Januar 2017

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