Tschechische Republik Image

Die beiden wichtigsten Dachverbände sind die Tschechisch-Mährische Gewerkschaftskonföderation (CMKOS) mit 407.000 Mitgliedern und die Vereinigung Unabhängiger Gewerkschaften (ASO) mit 150.000 Mitgliedern (siehe Tabelle). Allein im CMKOS sind 33 Einzelgewerkschaften organisiert, die ASO vereint derzeit 13 Organisationen. Insgesamt haben die Gewerkschaften seit der Demokratisierung viele Mitglieder verloren. Im Jahr 1995 waren noch 2,45 Millionen Beschäftigte allein in der CMKOS organisiert. Die Ursachen sind vielfältig: Zu nennen ist die wirtschaftliche Transformationskrise, die mit einem Strukturwandel einherging, bei dem Großunternehmen an Bedeutung verloren und kleine und mittlere Unternehmen (KMU), in denen Gewerkschaften generell schwieriger Fuß fassen, wichtiger wurden. Gleichzeitig verringerte die Ansiedelung multinationaler Konzerne den Anreiz einer gewerkschaftlichen Mitgliedschaft, weil sie über dem Niveau nationaler Unternehmen entlohnen. Schließlich wurden wichtige Rechte der Gewerkschaften beschnitten: So dürfen Gewerkschaften nach einem Entscheid des Verfassungsgerichts im Jahr 2008 nicht mehr die Einhaltung arbeitsrechtlicher und tarifvertraglicher Bestimmungen in den Betrieben überwachen. Zudem sind die Gewerkschaften vorrangig auf betrieblicher und nicht auf der Branchenebene organisiert. Das erschwert deren Finanzierung. Es fehlt an finanziellen Ressourcen für Vertretungen in neuen Branchen.

Die Organisationsschwäche schlägt sich in einer geringen Tarifbindung nieder. Sie lag zuletzt bei 34 Prozent. Auf nationaler Ebene sind Kollektivvereinbarungen gesetzlich ausgeschlossen. Auf dieser Ebene agiert aber ein tripartistischer Rat für wirtschaftliche und soziale Verständigung (RHSC). Sein Handlungsfeld ist gesetzlich vorgeschrieben. Er kann beispielsweise zur nationalen Wirtschaftspolitik oder zu europäischen Fragen Stellung nehmen. Branchenvereinbarungen sind möglich, aber wenig relevant. Stattdessen werden Tarifverträge überwiegend auf der betrieblichen Ebene ausgehandelt. So konnte allein die CMKOS im Jahr 2007 rund 3.200 Firmenkollektivverträge abschließen, wohingegen im selben Jahr nur 23 Branchenkollektivverträge geschlossen wurden. In der Regel gelten betriebliche Tarifverträge für ein Jahr, während Branchentarifverträge meist für zwei oder mehrere Jahre abgeschlossen werden. Um einen Streik auszurufen, müssen mindestens zwei Drittel der betroffenen Arbeitnehmer für einen Streik stimmen. Gleichzeitig muss die Hälfte der betroffenen Belegschaft an der Abstimmung teilnehmen.

In der Tschechischen Republik gibt es keine duale Interessenvertretung. Trotz verminderter Rechte ist der aus mindestens drei Personen bestehende betriebliche Gewerkschaftsausschuss nach wie vor das wichtigste Vertretungsorgan für Arbeitnehmer. Ein Betriebsrat, der seit 2001 nach Anfrage von mindestens einem Drittel der Belegschaft eingerichtet werden kann, hat weniger Rechte als der Gewerkschaftsausschuss. Wird eine gewerkschaftliche Vertretung in einem Betrieb gegründet, so muss der Betriebsrat aufgelöst werden. Wo Betriebsräte agieren dürfen, haben sie lediglich ein Informationsrecht. Insgesamt existieren nur sehr wenige Betriebsräte. In den meisten Betrieben gibt es keine Arbeitnehmervertretung.

von Lisa Schmid

Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn
IW-Nachricht, 7. Dezember 2016

Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn Steiniger WegArrow

Die Deutsche Bahn verhandelt derzeit wieder mit der Eisenbahnergewerkschaft EVG und der Lokführergewerkschaft GDL. In den vergangenen Jahren zeigte sich vor allem die GDL als besonders streikfreudig. Doch diesmal drohen gleich beide Gewerkschaften mit Warnstreiks. mehr

5. Dezember 2016

Referendum „Italien ist ein anderes Kaliber als Griechenland“Arrow

Italien hat sich gegen eine Parlamentsreform entschieden, Ministerpräsident Matteo Renzi ist zurückgetreten. Im Interview spricht Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, über das Wahlergebnis und dessen Folgen. mehr auf iwd.de

New Skills Agenda der EU-Kommission
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

New Skills Agenda der EU-Kommission Image der Berufsausbildung verbessernArrow

Die Europäische Woche der Berufsbildung soll die berufliche Ausbildung attraktiver machen. Das duale Ausbildungssystem in Deutschland kann dabei insbesondere Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit als Vorbild dienen. mehr