Betriebsratswahlen 2014 Image

Nach der IW-Untersuchung wurden knapp 67 Prozent der Betriebsräte wiedergewählt. Mehr als die Hälfte ist zwischen 46 und 59 Jahre alt. Frauen haben im Durchschnitt gut ein Viertel der Mandate errungen (siehe Abbildung). Außerdem sind fast zwei Drittel (63,8 Prozent) der Mandate in einem Unternehmen oder in einem Betrieb an Interessenvertreter gegangen, die Mitglied in einer Gewerkschaft sind. Dies ist für die Gewerkschaften wichtig, weil Betriebsräte nicht nur eine Schlüsselposition in der Umsetzung von Tarifverträgen in den Betrieben einnehmen, sondern auch bei der Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung. Der Ausgang der Betriebsratswahlen wird daher – vergleichbar zu dem von politischen Wahlen – in den einzelnen Unternehmen auch daraufhin analysiert, ob es dem Lager gewerkschaftlich organisierter Interessenvertreter gelungen ist, ihre vielerorts dominante Stellung im Gefüge der „betrieblichen Sozialpartnerschaft“ zu halten oder auszubauen. Wie stark Betriebsräte gewerkschaftlich organisiert sind, hängt davon ab, wie die Belegschaft zusammengesetzt ist. Er ist umso geringer, je höher der Anteil der Frauen in der Belegschaft ausfällt. Relativ klein ist der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder im Mitbestimmungsgremium auch dann, wenn es viele weibliche Betriebsräte gibt. Weibliche Betriebsräte sind demnach seltener gewerkschaftlich organisiert als ihre männlichen Kollegen. Dagegen steigt der gewerkschaftliche Organisationsgrad mit dem Anteil der Fachkräfte, die eine Berufsausbildung absolviert haben.

Es ist wenig überraschend, dass in Unternehmen mit einem großen Anteil an gewerkschaftlich organisierten Betriebsräten auch der Betriebsratsvorsitz an ein Gewerkschaftsmitglied geht. Vorstellbar ist allerdings auch, dass Gewerkschaften der Zugang zur betrieblichen Interessenvertretung vor allem dann geöffnet wird, wenn die oder der gewerkschaftlich organisierte Betriebsratsvorsitzende die Bewerbung von ebenfalls gewerkschaftlich organisierten Kandidatinnen und Kandidaten unterstützt. Insgesamt ist in drei Viertel der Unternehmen die oder der Vorsitzende auch zugleich Mitglied einer Gewerkschaft. Selbst in einem knappen Drittel solcher Unternehmen, in dem gewerkschaftlich organisierte Betriebsratsmitglieder deutlich in der Minderheit sind (Organisationsgrad von 25 Prozent oder weniger), steht ein Gewerkschaftsmitglied an der Spitze des Betriebsrates.

In 21 Prozent der Unternehmen konnte keines der gewählten Betriebsratsmitglieder einer Gewerkschaft zugeordnet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Betriebsrat keine Gewerkschaftsmitglieder vertreten sind, steigt, wenn der Standort des Betriebs oder des Unternehmens in Ostdeutschland liegt. Der Ost-West-Unterschied korrespondiert mit dem Umstand, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den östlichen Bundesländern niedriger liegt als im Westen. Auch Unternehmen, die unternehmensnahe Dienstleistungen anbieten, weisen häufiger einen nicht gewerkschaftlich organisierten Betriebsrat auf. Darüber hinaus ist eine Interessenvertretung umso eher nicht-organisiert, je größer der Anteil von Frauen und Akademikern unter den Wahlberechtigten ist. Schließlich führt eine Listenwahl eher zu einem Betriebsrat mit gewerkschaftlich organisierten Mitgliedern als ein vereinfachtes Wahlverfahren.

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Diversity Management – Bunte Mischung aus Alt und Jung
Gastbeitrag, 5. Dezember 2016

Christiane Flüter-Hoffmann für Mediaplanet Diversity Management – Bunte Mischung aus Alt und JungArrow

Auszubildende unter 20 Jahre und Silver Worker über 65 Jahre – diese beiden Beschäftigtengruppen zeigen die große Spannweite von Altersgruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ein Gastbeitrag von IW-Personalökonomin Christiane Flüter-Hoffmann auf dem Onlineportal erfolg-und-business.de der Agentur Mediaplanet. mehr

IW-Kurzbericht, 1. Dezember 2016

Oliver Stettes Gute Arbeit: Höhere Arbeitszufriedenheit durch mobiles ArbeitenArrow

Digitale Technologien ermöglichen die Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit und vergrößern damit den Spielraum für ein selbstbestimmtes Arbeiten. Die IW-Beschäftigtenbefragung 2015 bestätigt, dass mobiles Arbeiten in der Tat mit mehr Zeitsouveränität im Job einhergeht. Die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten, die mobil arbeiten, ist auch aus diesem Grund signifikant höher als die ihrer Kollegen, die nie mobil arbeiten. mehr

Ruf nach Regulierung
IW-Gewerkschaftsspiegel, 30. November 2016

Crowdworking Ruf nach RegulierungArrow

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierten Dialogs „Arbeit 4.0“ werden gegen Ende dieses Jahres Vorschläge präsentiert, wie die sozialen Bedingungen und Spielregeln der zukünftigen Arbeitsgesellschaft gestaltet werden sollen. Dabei wird auch über eine Regulierung des Crowdworkings diskutiert. mehr