Gewerkschaften im Stahlsektor
Gewerkschaften im Stahlsektor

In 20 der 24 untersuchten EU-Staaten werden die Interessen der Stahlbeschäftigten in Tarifverhandlungen durch mehrere Gewerkschaften vertreten. Relativ ausgeprägt ist der Gewerkschaftspluralismus in Frankreich, Belgien, Dänemark und Spanien mit sechs bis acht unterschiedlichen Arbeitnehmerorganisationen. In zehn Staaten finden sich hingegen maximal zwei Gewerkschaften. In der Tschechischen Republik, in Estland, Griechenland und auch hierzulande existiert ein Gewerkschaftsmonopol. Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Stahlsektor durch eine relativ starke Konzentration von Arbeitnehmerorganisationen gekennzeichnet. Es überrascht daher auch wenig, dass der Wettbewerb zwischen den Gewerkschaften relativ schwach ausgeprägt ist und diese eher kooperieren.

Die Stahlindustrie gehört europaweit traditionell zu den großen Bastionen der Gewerkschaften. Vor allem in den skandinavischen Ländern ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad sehr hoch. In Dänemark, Finnland und Schweden ist die Mehrheit der Stahlarbeiter in einer einzigen Großgewerkschaft organisiert. Kleinere Gewerkschaften in diesen Ländern konzentrieren sich hingegen auf die Interessenvertretung von bestimmten Berufsgruppen. Diese Berufsgewerkschaften verhandeln daher auch in anderen Wirtschaftszweigen. Berücksichtigt man lediglich die in der Stahlindustrie beschäftigten Arbeitnehmer dieser Berufsgruppen, zeigt sich, dass diese in der Stahlindustrie zu deutlich mehr als 50 Prozent organisiert sind.

In 17 der 24 untersuchten EU-Staaten werden Tarifverträge vorwiegend oder ausschließlich auf Branchenebene ausgehandelt. Zudem wird in 13 Ländern durch eine Allgemeinverbindlicherklärung dafür gesorgt, dass die Tarifregelungen auch für Stahlbetriebe gelten, die nicht tarifgebunden sind. Der Deckungsgrad von Tarifverträgen liegt daher in fast allen untersuchten Ländern bei deutlich über 50 Prozent. In 14 Staaten, darunter auch Deutschland, sind nahezu ausnahmslos alle Beschäftigungsverhältnisse durch einen Tarifvertrag geregelt. Lediglich in Litauen liegt der Anteil der erfassten Arbeitnehmer nur bei einem Viertel der Gesamtbeschäftigten der Branche. Der Grund: Im südlichsten der drei baltischen Staaten handeln die Gewerkschaften lediglich Firmenabschlüsse aus.

Die Tariflandschaft ist gleichwohl bunt. In Deutschland und der Slowakei gibt es regional differenzierte Abschlüsse. In Deutschland umfasst das größte Tarifgebiet die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und einen Standort in Hessen. Daneben gibt es noch die Tarifgebiete Ost und Saarland. In Österreich und Spanien gelten die Tarifabschlüsse auch für die Metallindustrie. In den Niederlanden handeln große Stahlunternehmen direkt mit den Gewerkschaften spezifische Firmentarifverträge aus, während kleinere Betriebe sich unter das Dach eines Flächentarifvertrags begeben.

Link: http://www.eurofound.europa.eu/eiro/studies/tn0811027s/index.htm Stand: [2009-11-17]

Oliver Stettes

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