Gründe für Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern
Gründe für Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern

Die Kritik der IG Metall an der Zeitarbeit entzündet sich vor allem an den Deregulierungen, die den Zeitarbeitsfirmen nach und nach mehr Flexibilität einräumten. Insbesondere die Aufhebung des Synchronisations- und Wiedereinstellungsverbots sowie der Höchstüberlassungsdauer von Zeitarbeitnehmern bereitet der IG Metall Sorgen. Ihre Kritik: Durch diese Aufhebungen könnten die Verleihunternehmen Angestellte wiederholt für die Dauer des jeweiligen Arbeitseinsatzes einstellen und entlassen, zudem gebe es keine zeitliche Obergrenze für den Arbeitseinsatz des Zeitarbeiters im Kundenunternehmen.

Die IG Metall wirft vielen Unternehmen vor, dass diese ihre Stammbelegschaften abbauten und durch Zeitarbeiter ersetzten. Dies sei in 20 Prozent aller Betriebe der Fall, wie eine Befragung unter mehr als 5.000 Betriebsräten ergeben habe. Durch Zeitarbeit ließen sich rigide Kündigungsschutzgesetze umgehen und – weil die Tariflöhne der Zeitarbeitsbranche unter den branchenüblichen Tariflöhnen der Kundenbetriebe liegen – Lohnkosten senken.

Nach Angaben von Gesamtmetall stieg die Zahl der Zeitarbeiter in der M+E-Industrie von Mitte 2005 bis Mitte 2008 tatsächlich um über 50 Prozent, doch selbst im Höhepunkt des Booms erreichte sie bloß einen Anteil von 6,4 Prozent der Beschäftigten. Zeitarbeit ergänze die Stammbelegschaften, aber ersetze sie nicht. So hätten die Betriebe im Aufschwung neben 60.000 neuen Zeitarbeitsplätzen auch 240.000 Stammarbeitsplätze aufgebaut. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt für 2007/08 zu dem Schluss, „dass der Aufbau von Zeitarbeit insbesondere in Großbetrieben häufig mit einem Aufbau der Stammbeschäftigten oder zumindest mit einer konstanten Zahl der Stammbelegschaft einhergeht“.

Laut Gewerkschaft verdient ein Zeitarbeiter mit ange-lernten Tätigkeiten in der M+E-Industrie einen um rund 30 Prozent niedrigeren Tariflohn als die Stammarbeitskräfte. Entsprechend fordert die IG Metall eine Einschränkung der Tariföffnungsklausel, die erlaubt, Zeitarbeiter unabhängig von ihrem Einsatzort nach dem Tarif der Zeitarbeitsbranche zu entlohnen, und verlangt einen gesetzlichen Mindestlohn, der vor Lohnunterbietungen durch ausländische Konkurrenten ab 2011 schützen soll.

Der Dachverband Gesamtmetall sieht die Kritik als un-gerechtfertigt an. Die gezahlten Löhne an Zeitarbeiter ergäben sich aus den Tarifverträgen für die Zeitarbeitsbranche und seien daher nicht von den Kundenunternehmen zu verantworten. Im Übrigen werde den Kunden außer dem Zeitarbeitstarif auch eine Verleihgebühr in Rechnung gestellt – in der Regel wird das Doppelte des Lohnes gezahlt. Auch erhielten viele Arbeitslose und Geringqualifizierte durch die Zeitarbeit einen Arbeitsplatz, die sonst kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. Deshalb sei insbesondere für An- und Ungelernte ein merklicher Lohnabstand nötig.

Eine Umfrage der bayerischen M+E-Arbeitgeber bestätigt diese Punkte (siehe Grafik). Von den 750 befragten Mitgliedsunternehmen erklärten 59 Prozent, dass sie Zeitarbeitnehmer beschäftigen, um Auftragsspitzen abzufangen. Nur 11 Prozent gaben an, durch Zeitarbeit Kosten senken zu wollen. Wie wichtig Flexibilität ist, zeigen auch die anderen Gründe für die Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern. So benötigen 47 Prozent der Betriebe Zeitarbeit für eine flexible Personalplanung und 42 Prozent fangen mit diesem Instrument kurzfristige Personalausfälle auf.

Gegen den Vorwurf, Zeitarbeit verdränge Stammarbeitsplätze, spricht auch die kurze Einsatzdauer von Zeitarbeitern. Die Umfrage zeigt: In über 80 Prozent der befragten Unternehmen betrug diese weniger als ein Jahr.

Anna Jenisch

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