Die Schuhindustrie ist ein kleiner Wirtschaftszweig. Die Zahl der Beschäftigten schwankt in den einzelnen EU-Ländern zwischen wenigen Hundert in Belgien, Dänemark und Schweden sowie einigen Zehntausend in Rumänien und Italien. Hierzulande sind es noch knapp 11.000 Arbeitnehmer. Die Gewerkschaftsvielfalt ist eher gering. In 17 der 23 untersuchten EU-Staaten – darunter auch Deutschland – werden die Interessen der Beschäftigten in Tarifverhandlungen durch maximal zwei Gewerkschaften vertreten. Lediglich in Belgien, Frankreich und Portugal kann von einer bunten Gewerkschaftslandschaft gesprochen werden. Hier sind fünf oder sechs Arbeitnehmerorganisationen in der Schuhindustrie aktiv.

In keinem Land existiert eine Gewerkschaft, deren Mitglieder sich ausschließlich aus Beschäftigten der Schuhindustrie zusammensetzen. Für eine eigenständige sektorspezifische Gewerkschaftslandschaft ist der Wirtschaftszweig zu klein. Zudem erschwert die kleinbetriebliche Struktur der Branche die Mobilisierungs und Organisationsfähigkeit der Beschäftigten. Häufig sind daher die organisierten Arbeitnehmer der Schuhindustrie Mitglieder von Gewerkschaften, die die Mitarbeiter in der gesamten Bekleidungs-, Textil- und Lederbranche vertreten. In einigen Ländern haben sich die Beschäftigten auch Berufsgewerkschaften (Belgien, Frankreich, Schweden), Angestellten-Organisationen (Österreich, Belgien, Schweden) oder regionalen Bünden (Portugal) angeschlossen.

Der Organisationsgrad ist in den meisten Ländern, für die Informationen vorliegen, sehr gering. Knapp 50 Prozent oder mehr der Branchenbeschäftigten sind in Finnland, Schweden, Slowenien und dem Vereinigten Königreich organisiert. In den übrigen Ländern liegt der Organisationsgrad deutlich unter einem Drittel. Dies liegt ebenfalls an der kleinbetrieblichen Struktur, aber auch an der Dominanz weiblicher Beschäftigter in der Schuhindustrie. Frauen weisen eine geringere Neigung auf, sich einer Gewerkschaft anzuschließen, obwohl sie überwiegend reguläre Beschäftigungsverhältnisse innehaben.

Trotz des geringen Organisationsgrads ist der Deckungsgrad von Tarifverträgen in der Mehrzahl der untersuchten Länder außerordentlich hoch. In 14 der 23 Staaten sind nahezu ausnahmslos alle Beschäftigungsverhältnisse durch einen Tarifvertrag geregelt. Dies ist erstens darauf zurückzuführen, dass in diesen Ländern vorwiegend auf überbetrieblicher Ebene für den gesamten Sektor verhandelt wird. Dies bedeutet, dass die Mitgliedschaft der Unternehmen in Arbeitgeberverbänden für den Geltungsbereich von Tarifverträgen das entscheidende Kriterium ist. Hinzu kommt zweitens, dass überbetriebliche Tarifverträge häufig für allgemeinverbindlich erklärt werden, sodass auch unorganisierte Unternehmen und deren Mitarbeiter in deren Geltungsbereich fallen.

13. Januar 2017

ver.di Mit Streiklust gegen MitgliederschwundArrow

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Industriemetallpreis-Index
Gastbeitrag, 12. Januar 2017

Hubertus Bardt in der Börsen-Zeitung Rally der Metallpreise macht Verarbeitern zu schaffenArrow

Die Aufwärtsbewegung an den internationalen Metallmärkten hat sich auch zum Ende des vergangenen Jahres hin fortgesetzt. Der Industriemetallpreis-Index (IMP-Index) stieg im Dezember um 3,6 Prozent, nachdem er im November bereits um 11,5 Prozent in die Höhe gegangen war, schreibt IW-Ressourcenökonom Hubertus Bardt in der Börsen-Zeitung. mehr

IW-Trends, 9. Januar 2017

Hagen Lesch Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.diArrow

Im Jahr 2001 schlossen sich fünf Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleis­tungsgewerkschaft (ver.di) zusammen. Fünfzehn Jahre nach der Gründung fällt die ver.di-Bilanz eher gemischt aus. Die Anzahl der Mitglieder sank um 27 Prozent und die Tarifbindung ging in einzelnen Tarifbereichen spürbar zurück. mehr