In Frankreich gibt es fünf Dachverbände, die von der Regierung als „repräsentative Gewerkschaften“ anerkannt sind und damit das Recht haben, Tarifverhandlungen zu führen und bei den Betriebswahlen eigene Kandidaten aufzustellen. Zu den repräsentativen Gewerkschaften gehören die Confédération générale du travail (CGT), die Confédération française démocratique du travail (CFDT), die Confédération générale du travail – Force ouvrière (CGT-FO), die Confédération française des travailleurs chrétiens (CFTC) und die Confédération française de l’encadrement – Confédération générale des cadres (CFE-CGC), die hauptsächlich Fach- und Führungskräfte vertritt. Die zwei größten Dachverbände, CGT und CFDT, umfassen zusammen mit etwa 1,4 Millionen Mitgliedern rund 70 Prozent aller Gewerkschaftsmitglieder (siehe Grafik). Insgesamt sind rund zwei Millionen Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert. Das entspricht einem Netto-Organisationsgrad von knapp 8 Prozent. Im Öffentlichen Dienst liegt die Organisationsbereitschaft der Arbeitnehmer mit 15 Prozent deutlich über der in der Privatwirtschaft (5 Prozent).

Die französischen Gewerkschaften sind Richtungsgewerkschaften, das heißt, sie haben unterschiedliche ideologische Wurzeln. Die CGT zum Beispiel hat kommunistische Wurzeln, die CFDT geht historisch aus der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervor, war aber sozialistisch ausgerichtet. Seit den 1990er Jahren haben sich aber beide Gewerkschaften von den politischen Parteien distanziert. Beide Gewerkschaften sind – ähnlich wie die CGT-FO und die christliche CFTC – branchenübergreifend aktiv und offen für alle Berufsgruppen.

französischen Gewerkschaften
französischen Gewerkschaften

Neben den fünf repräsentativen Gewerkschaften gibt es drei weitere Arbeitnehmerbünde, die einen bedeutenden Einfluss haben, aber nicht den gleichen rechtlichen Status genießen wie die fünf anderen Bünde (siehe Grafik). Sie können in bestimmten Fällen gerichtlich beantragen, dass ihnen der Repräsentativitäts-Status zuerkannt wird. Die Festlegung, welche Gewerkschaft repräsentativ ist, stammt aus den 1960er Jahren. Sie wurde schon lange kritisiert, weil auf veränderte Mitgliederzahlen in der Folge nicht Rücksicht genommen wurde. Im August 2008 wurde endlich ein Gesetz verabschiedet, das die Kriterien für die Bestimmung der Repräsentativität einer Gewerkschaft neu festlegt. Künftig muss jede Gewerkschaft durch die Zahl der Stimmen bei den Betriebswahlen ihren Status nachweisen. Wer in einem Unternehmen mindestens 10 Prozent der Stimmen für eigene Kandidaten bekommen hat, gilt damit bei Haustarifverhandlungen als repräsentativ. Branchenweite Tarifverhandlungen darf führen, wer mindestens 8 Prozent der Stimmen der Branche gewonnen hat. Ein Tarifvertrag ist allerdings nur dann gültig, wenn er von Gewerkschaften getragen wird, die in den vorhergehenden betriebsinternen Wahlen zusammen mindestens 30 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten. Da dies in der Regel keine einzelne Gewerkschaft alleine schafft, müssen sie Koalitionen bilden und sich tarifpolitisch abstimmen. Dies könnte die starke Rivalität zwischen den einzelnen Bünden künftig begrenzen. Denkbar ist auch, dass es zu einem Konzentrationsprozess kommt.

Aufgrund der schwachen gewerkschaftlichen Verankerung greift der Staat unterstützend in die Tarifverhandlungen ein. Viele Branchen-Tarifverträge werden vom Staat per Gesetz auf unorganisierte Arbeitnehmer und tarifungebundene Arbeitgeber erstreckt. Frankreich kommt dadurch auf einen tarifvertraglichen Geltungsbereich von über 80 Prozent. Außerdem stützt der Staat die Löhne seit 1950 durch einen gesetzlichen Mindestlohn, der seit Jahresbeginn bei 9 Euro pro Stunde liegt. Von ihm profitieren derzeit 15,6 Prozent aller Arbeitnehmer.

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