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Fachkräfteengpässe in 139 Berufsgattungen im September 2014

Im September 2014 bestanden in 139 von 615 Berufsgattungen Fachkräfteengpässe. Die meisten Engpassberufe bestanden in den Berufsfeldern „Gesundheit, Soziales und Bildung“ sowie „Bau- und Gebäudetechnik“ mit jeweils 26 Engpassberufen. Engpässe bestehen, wenn die Zahl an Arbeitslosen nicht ausreicht, um alle offenen Stellen zu besetzen. Da nur etwa jede zweite offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldet wird, liegt ein Engpass vor, wenn weniger als 200 Arbeitslose auf je 100 gemeldete offene Stellen kommen.

Besonders starke Engpässe in 55 Berufsgattungen

Die meisten der insgesamt 55 Berufsgattungen mit starkem Engpass waren in den Berufsfeldern „Gesundheit, Soziales und Bildung“ (12 Engpassberufe), „Energie, Elektro und Mechatronik“ (9 Engpassberufe) sowie „Logistik und Sicherheit“ (7 Engpassberufe) zu verzeichnen. Ein starker Engpass besteht, wenn weniger als 100 Arbeitslose auf je 100 gemeldete offene Stellen kommen. Selbst dann, wenn alle offenen Stellen tatsächlich bei der BA gemeldet würden, reichten die Arbeitslosen nicht aus, um alle Stellen zu besetzen.

Etwa jede vierte Fachkraft ist in einem Engpassberuf beschäftigt.

Die Beschäftigten in Engpassberufen stellen eine quantitativ bedeutsame Gruppe dar: Insgesamt 6,7 von 23,9 Millionen Fachkräften arbeiteten in Engpassberufen. Die meisten Fachkräfte in Engpassberufen waren im Berufsfeld „Gesundheit, Soziales und Bildung“ beschäftigt (1,57 Millionen); das entspricht jedem dritten Beschäftigten in diesem Berufsfeld. In den Engpassberufen der „Maschinen und Fahrzeugtechnik“ arbeiteten mit 865.000 Fachkräften sogar 51 Prozent in Engpassberufen.

Der demografische Wandel erhöht den Anteil älterer Beschäftigter …

Immer mehr ältere Menschen sind erwerbstätig. Waren im Juni 1999 lediglich 5,2 Millionen Personen ab 50 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, stieg die Zahl bis zum Jahr 2013 auf 9,1 Millionen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil älterer Beschäftigter in diesem Zeitraum von 19 auf 31 Prozent. Zwei Gründe sind für diese Entwicklung wesentlich. Zum einen rücken die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre zunehmend in die Altersgruppe der 50Jährigen und Älteren auf, zum anderen nahm die Erwerbsquote älterer Menschen in den vergangenen Jahren deutlich zu.

… und führt zu steigenden Ersatzbedarfen an Fachkräften.

Der absehbare Renteneintritt der Babyboomer wird mittelfristig zu einem erhöhten Ersatzbedarf an Fachkräften führen, sofern die Nachfrage nach Fachkräften stabil bleibt. Von den 6,7 Millionen Fachkräften in Engpassberufen werden 2,1 Millionen ältere Fachkräfte innerhalb der nächsten 15 Jahre den Arbeitsmarkt verlassen und müssen ersetzt werden. Im Berufsfeld „Logistik und Sicherheit“ sind bereits heute 39 Prozent der Fachkräfte mindestens 50 Jahre alt. Im Berufsfeld „Bau und Gebäudetechnik“ sowie „Metall“ sind es 36 beziehungsweise 34 Prozent. Die Ersatzbedarfe sind hier besonders hoch und können Engpässe zukünftig weiter verstärken.

Einige Engpassberufe weisen besonders viele ältere Beschäftigte auf.

In 53 Engpassberufen liegt der Anteil älterer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 32 Prozent. Den höchsten Anteil Älterer haben Aufsichtskräfte in der Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehung mit 51 Prozent der 21.600 Beschäftigten. An zweiter Stelle folgt die Berufsgattung Überwachung Eisenbahnverkehrsbetrieb, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, mit einem Anteil von 50 Prozent bei 10.700 Fachkräften. Auch bei Aufsichtskräften im Tiefbau und Personen mit Hochschulabschluss in der Vermessungstechnik lag der Anteil mit 46 Prozent beziehungsweise 44 Prozent sehr hoch. In diesen Engpassberufen ist zukünftig von besonders hohen Ersatzbedarfen auszugehen, die bestehende Engpässe noch zuspitzen können.

Quantitativ betrachtet wird der größte demografisch bedingte Ersatzbedarf bei Berufskraftfahrern entstehen: Etwa 230.000 von 520.000 Berufskraftfahrern – das sind 44 Prozent – waren im Dezember 2013 mindestens 50 Jahre alt und werden in absehbarer Zeit den Arbeitsmarkt verlassen. Rücken nicht genügend Nachwuchskräfte nach, wird sich der Engpass weiter verschärfen. In der Gesundheits- und Krankenpflege (ohne Spezialisierung) sind 175.000 von 568.000 Fachkräften und damit jede dritte beschäftigte Person 50 Jahre und älter. In Gesundheitsberufen kommt hinzu, dass der Bedarf an Fachkräften durch die Alterung der Gesellschaft steigt. Die Nachwuchsförderung hat hier eine besonders hohe Relevanz.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind von Engpässen betroffen.

In 105 Engpassberufen waren mindestens 50 Prozent der Fachkräfte in KMU beschäftigt. In 76 Engpassberufen war dieser Anteil höher als der gesamtwirtschaftliche Beschäftigtenanteil in KMU von 67 Prozent. In dieses Bild passt, dass KMU deutlich häufiger von Rekrutierungsschwierigkeiten berichten als große Unternehmen.

Gutachten für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Sebastian Bußmann / Susanne Seyda: Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Die Altersstruktur in Engpassberufen

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