• Fachkräfteengpässe sind weit verbreitet. Zahlreichen Unternehmen fällt es schwer, geeignete Fachkräfte für ihre vakanten Stellen zu finden. Von diesem Problem sind insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) betroffen. Abhängig von der gesuchten Qualifikation berichteten 2013 zwischen 46 und 60 Prozent der KMU von mittleren oder großen Problemen bei der Stellenbesetzung.
  • Im Frühjahr 2014 bestanden Engpässe in 63 Berufsgattungen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Im März 2014 bestanden in 63 von 294 Berufsgattungen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung benötigen, Fachkräfteengpässe. Besonders betroffen waren der MINT-Bereich mit 25 Engpassberufen sowie der Gesundheitsbereich mit elf Engpassberufen. Es wurden nur Berufsgattungen betrachtet, in denen mindestens 100 Arbeitslose vorlagen.
  • Großteil der Engpässe in Berufsgattungen mit dualer Ausbildung verortet. Zu den 63 Engpassberufen zählen 49 Berufsgattungen, die im dualen System ausgebildet werden. Zu beachten ist, dass die Engpassberufe nicht deckungsgleich mit den Ausbildungsberufen sind, sondern ein breiteres Tätigkeits- oder Berufsfeld darstellen.
  • Das Ausbildungsgeschehen ist ein wichtiger Einflussfaktor auf Fachkräfteengpässe. Die Ursachen für Fachkräfteengpässe sind vielfältig. Ein wichtiger Grund ist die gestiegene Nachfrage nach Fachkräften. Eine Möglichkeit, den gestiegenen Bedarf zu decken, besteht darin, mehr junge Menschen in einem Engpassberuf auszubilden.
  • Unternehmen haben ihr Angebot an Ausbildungsstellen in Engpassberufen des dualen Systems erhöht. Seit 2008 haben Unternehmen in 38 von 49 Engpassberufen die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen erhöht. In den Engpassberufen ist die Stellenzahl um 16,3 Prozent auf 156.000 Ausbildungsstellen gestiegen. So lässt sich vermuten, dass die Unternehmen die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der Mehrzahl der Engpassberufe antizipiert und entsprechend gegengesteuert haben. Der größte absolute Zuwachs an Ausbildungsstellen findet sich bei zahnmedizinischen Fachangestellten (+ 3.113 Stellen), Fachkräften für Sanitär, Heizung, Klimatechnik (+2.942 Stellen) und für Kraftfahrzeugtechnik (+2.877 Stellen). In den 14 Engpassberufen, für die keine entsprechenden dualen Ausbildungsberufe existieren, können die Unternehmen hingegen nicht unmittelbar mit einer erhöhten Ausbildungstätigkeit reagieren.
  • Jugendliche reagieren, wenn auch verhalten, auf strukturelle Veränderungen beim Ausbildungsangebot. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsplätze im dualen System ist seit 2008/2009 um 0,8 Prozent gesunken; in den Engpassberufen war der Rückgang mit 2,6 Prozent etwas stärker. Dieser Rückgang ist zwischen den Engpassberufen jedoch ungleich verteilt. So sind in der Mehrheit der Engpassberufe (in 32 von 49 Engpassberufen) die Bewerberzahlen gestiegen, d.h. dass Jugendliche häufiger eine Ausbildung in diesen Engpassberufen anstrebten. Allerdings fiel der Bewerberrückgang im anderen Drittel der Engpassberufe quantitativ deutlich größer aus, woraus der Bewerberrückgang resultiert. In den Berufsgattungen mit Bewerberrückgang könnte sich der Engpass also weiter verschärfen. Hiervon betroffen sein dürften beispielsweise die Fachkräfte für Metallbau, die einen Bewerberrückgang von 2.435 Personen aufweisen. Die größte Zunahme an Bewerberinnen und Bewerber findet sich bei Fachkräften für elektrische Betriebstechnik mit einem Plus von 1.275 und für Maschinenbau- und Betriebstechnik (+1.242 Bewerberinnen und Bewerber). Dieser Bewerberanstieg kann sich positiv auf die Engpasssituation am Arbeitsmarkt auswirken.
  • Dennoch: In der Mehrheit der Engpassberufe gab es weniger Bewerberinnen und Bewerber als Ausbildungsstellen. In 37 Engpassberufen (von 49, in denen duale Ausbildungsberufe verortet sind) bestanden Schwierigkeiten, genügend interessierte Jugendliche zu finden – die Bewerberzahlen sind geringer als die Stellenzahlen. Dies tritt in einigen Berufsfeldern gehäuft auf: Dazu zählen die Berufsfelder Metall, Energie, Elektro und Mechatronik, Bau und Gebäudetechnik, Logistik und Sicherheit sowie Verkauf und Tourismus.
  • In zwölf Berufsgattungen mit Engpass war die Bewerberzahl größer als die Stellenzahl. In zwölf Engpassberufen war die Bewerberzahl größer als die Stellenzahl. Das heißt, dass in diesen Berufen ein besseres Ausschöpfen des Bewerberüberschusses Potenzial bietet, Engpässe mittelfristig zu verringern. Zu diesen Berufsgattungen zählen: Fachkräfte für Schweiß- und Verbindungstechnik, Land- und Baumaschinentechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau- und Betriebstechnik (o.S.), Fahrzeuglackierung, Leitungsinstallation, Anlagen- und Behälterbau, Brandschutz, Sozialverwaltung, -versicherung, Orthopädie- und Rehatechnik sowie Zahntechnik. Allerdings passen auch in diesen Berufsgattungen Angebot und Nachfrage aus regionaler Sicht sowie Qualifikationsanforderungen und Voraussetzungen der Bewerberinnen und Bewerber nicht immer zusammen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Fachkräftesicherung

  • Potenzial der Jugendlichen besser ausschöpfen. Sowohl das vorhandene Potenzial in Form der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber sollte besser ausgeschöpft als auch neue Zielgruppen für die Ausbildung gewonnen werden, um trotz demografischen Wandels und steigender Studierneigung mehr Jugendliche für eine Ausbildung (in Engpassberufen) gewinnen zu können. Ausbildungsbegleitende Hilfen, Kooperationen mit externen Ausbildungsträgern u.a. können insbesondere KMU ermutigen, auch leistungsschwächere Jugendliche auszubilden. Auch Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher könnten gezielt für eine duale Ausbildung gewonnen werden.
  • Berufsorientierung verbessern. Jugendliche müssen einen guten Überblick über die Vielzahl vorhandener Berufe erhalten. Praktika sind sehr geeignet, um Einblicke in verschiedene Berufe und den Unternehmensalltag zu erhalten. Wichtig ist zudem die Einbeziehung des sozialen Umfelds (v.a. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer), die den Jugendlichen Informationen zur Berufswahl vermitteln. Informationen über unterschiedliche Bildungswege sowie Aufstiegschancen und damit verbundene Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten können die Entscheidung zwischen Berufsausbildung und Studium erleichtern.
  • Information und Werbung für Engpassberufe intensiveren. In der akademischen Bildung ist s gelungen, durch massive Ausweitung der Hochschulfinanzierung und Werbung für ein Studium die Studienanfängerquote innerhalb von nur 15 Jahren zu verdoppeln. Zugleich konnten die Anfängerzahlen in den MINT-Fächern anteilig gesteigert werden. Für die berufliche Bildung ist eine verstärkte Kommunikation der Vorteile, der beruflichen Perspektiven und der späteren Karriereoptionen ebenfalls erforderlich, um die Fachkräftesicherung zu fördern.

Gutachten für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Sebastian Bußmann / Regina Flake / Susanne Seyda: Fachkräfteengpässe in Unternehmen – Unternehmen steigern Ausbildungsangebote in Engpassberufen

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