Die Gebäudeenergieeffizienz ist ein wichtiges Handlungsfeld der Wärmewende. Nur ein Siebtel des bundesweiten Bestands sind Nichtwohngebäude (NWG), sie haben jedoch einen Anteil von 40 Prozent am Endenergieverbrauch aller Gebäude in Deutschland. Ein wichtiger Bestandteil davon sind Büroimmobilien. Ihre Anzahl und der energetische Zustand werden bislang nicht umfassend statistisch in öffentlich zugänglichen Quellen dokumentiert, sodass u.a. folgende Fragen bislang nicht beantwortet werden konnten:

  • Wie hoch ist der Anteil der Büroimmobilien am NWG-Bestand?
  • Welcher Energiebedarf und -verbrauch ist den Büroimmobilien zuzuschreiben?
  • Und welchen Anteil hat der Energieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser von Büroimmobilien am gesamten Energiebedarf der NWG?

Ziel der vorliegenden Grundlagenstudie ist es daher, die Struktur der Büroimmobilien zu quantifizieren und klassifizieren, um strategische Entscheidungsmöglichkeiten daraus abzuleiten.

Anhand eines Schätzmodells wird der Büroimmobilienbestand in dieser Analyse auf Basis von zwei zentralen Datenquellen beschrieben. Diese sind:
1. Die Grundgesamtheit stellen regionale Beschäftigtenzahlen von Bundesagentur für Arbeit und Zensus dar, aus denen der Bürogebäudebestand hochgerechnet wurde.
2. Die zentralen Eigenschaften des Bürobestands einschließlich der energetischen Aspekte werden durch Daten von ImmoilienScout24 beschrieben. Dazu wurden knapp 100.000 inserierte Objekte mit 33.500 Energieausweisen ausgewertet.

Die Schätzung liefert mit insgesamt 310.800 Büro- und Verwaltungsgebäuden und einer Nutzfläche von 456 Millionen Quadratmetern äußerst plausible Ergebnisse, die sich auf Kreisebene darstellen lassen. Der durchschnittliche Energiebedarfskennwert liegt bei Büroimmobilien bei 174,1 kWh/(m²·a) und der durchschnittliche Energieverbrauchskennwert bei 133,4 kWh/(m²·a). Die Differenz zwischen Bedarf und Verbrauch schwankt vor allem bei älteren Gebäuden zwischen rund 50 und 70 kWh/(m²·a). Bei nach dem Jahr 2002 errichteten Neubauten hingegen liegt die Differenz bei gut 10 kWh/(m²·a). Hintergrund dafür sind die kontinuierlich steigenden Anforderungen der EnEV an den Jahresprimärenergiebedarf eines Gebäudes, die, um die Ziele der Europäische Gebäuderichtlinie zu erreichen, wahrscheinlich noch weiter angezogen werden.

Anhand des Modells lässt sich ein Energieverbrauch der Büro- und Verwaltungsgebäude für Raumwärme und Warmwasser in Höhe von ca. 60 TWh abschätzen. Dies entspricht rund 20 Prozent des Wärmeverbrauchs aller Nichtwohngebäude. Das zeigt die besondere Bedeutung der Bürogebäude innerhalb des NWG-Bestands.

Das erarbeitete Modell soll in einer Vertiefungsstudie weiterentwickelt werden, sodass solide und detaillierte Erkenntnisse über den Energieverbrauch im Bereich Büro- und Verwaltungsgebäude möglich werden. Dazu sollen weitere – in dieser Grundlagenstudie bereits vorgestellte und diskutierte– Datenquellen einbezogen und zusammengeführt werden.

Gutachten für die Deutsche Energie-Agentur

Ralph Henger / Philipp Deschermeier / Marcel Hude / Björn Seipelt / Michael Voigtländer: Energieeffizienz bei Büroimmobilien – dena-Analyse über den Gebäudestand und seine energetische Situation.

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