Im Jahr 2015 sind knapp 1,1 Millionen Personen nach Deutschland geflüchtet. Bei der Analyse der ökonomischen Effekte muss man bedenken, dass der Flüchtlingsschutz im Grundgedanken nur für einen temporären Aufenthalt bestimmt ist und davon ausgegangen werden muss, dass ein großer Teil der Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren wird. Für welchen Anteil der aktuellen Flüchtlingsmigranten dies gelten wird und vor allem wann, ist unklar. Aus dieser Unsicherheit heraus muss sich die Integration der Flüchtlinge dennoch grundsätzlich an einem längerfristigen Verbleib orientieren.

Bei den finanziellen Belastungen für den deutschen Staatshaushalt ergeben sich für die Jahre 2015 bis 2017 (bei einer Zuwanderung von 2015: 1,1; 2016: 0,8; 2017: 0,5 Millionen Menschen) insgesamt Kosten in einer Größenordnung von 55 Milliarden Euro. Allerdings hängen diese Schätzungen stark von Annahmen ab. Einen großen Einfluss auf die gesamtwirtschaftlichen Kosten hat die Zeit, die benötigt wird, um die Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Aktuell zeigen die Arbeitsmarktdaten für Personen aus den vier Flüchtlingsherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak und Syrien, dass nur 50.000 Personen in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind – die Zahl der Arbeitslosen allerdings bei rund 90.000 Personen liegt. Zudem übt ein Großteil nur eine Helfertätigkeit aus und geht nur selten einer qualifizierten Tätigkeit nach.

In den Unternehmen besteht eine Bereitschaft Flüchtlinge einzustellen: rund 11 Prozent der Unternehmen, die bisher noch keine Flüchtlinge beschäftigt haben, planen dies künftig zu tun. Bei Unternehmen, bei denen bereits Flüchtlinge arbeiten, steigt dieser Wert sogar auf 40 Prozent, was auf positive Erfahrungen der Unternehmen bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen schließen lässt. Hemmnisse bei der Einstellung von Flüchtlingen sind primär mangelnde Sprachkenntnisse und unpassende Qualifikationen.

Auch wenn noch nicht absehbar ist, wie viele Flüchtlinge letztendlich nach Deutschland kommen und hier bleiben werden, zeichnet sich ab, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter durch den aktuellen Flüchtlingszustrom auch längerfristig substanziell zu-nehmen wird. Dies trifft in den nächsten Jahren aufgrund des demografischen Wandels auf einen zunehmenden Fachkräfteengpass am deutschen Arbeitsmarkt.

Der Fachkräftemangel bezieht sich vor allem auf Bedarfe bei gut qualifizierten Personen mit beruflichen oder akademischen Abschlüssen, insbesondere in industrienahen Tätigkeiten sowie im Gesundheits- und Pflegebereich.

Personen aus den wichtigsten Flüchtlingsherkunftsländern fällt es bisher nicht nur sehr schwer, überhaupt eine Stelle in Deutschland zu finden, sondern dass diese, wenn es ihnen gelingt, meist auch nur einen geringen Stundenumfang hat und es sich selten um einen Engpassberuf handelt.

Daher ist es für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge sehr wichtig, dass diese, soweit sie die notwendigen Voraussetzungen mitbringen, zunächst eine in Deutschland gesuchte Fachqualifikation erwerben, etwa eine berufliche Ausbildung durchlaufen, sodass sie auch Fachkräftestellen besetzen können.

Stellungnahme zur Anhörung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie

Michael Hüther / Wido Geis: Zu den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingsmigration

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MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr

How migration impacts the housing market
IW-Nachricht, 25. Oktober 2016

Germany How migration impacts the housing market Arrow

In recent years, the German housing market has come under considerable pressure: The demand has drastically increased particularly due to the high number of international migrants, while at the same time construction activity has hit a new low. Therefore the Cologne Institute for Economic Research has made a first attempt to estimate the exact construction demand in Germany. mehr

IW-Trends, 20. September 2016

Andrea Hammermann / Matthias Niendorf / Jörg Schmidt Kulturelle Diversität als Erfolgsfaktor? Empirische Ergebnisse auf Basis des Linked-Employer-Employee-Datensatzes des IAB Arrow

Der Einfluss der kulturellen Diversität innerhalb der Belegschaft auf den betrieblichen Erfolg ist kontextabhängig. Kulturelle Vielfalt innerhalb der Belegschaft wirkt per se weder förderlich noch hinderlich. Dies ist das Ergebnis einer empirischen Auswertung von Linked-Employer-Employee-Daten für Deutschland über das Zusammenspiel kulturell unterschiedlicher Gruppen in Unternehmen und ihren (möglichen) Einfluss auf die Bruttowertschöpfung. mehr