Der demografische Wandel macht es erforderlich, Mitarbeiterpotenziale zu erschließen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. In den Blick geraten dabei zunehmend die 4,3 Millionen Erwerbstätigen, die über keinen Berufsabschluss verfügen und als Ungelernte oder Geringqualifizierte bezeichnet werden. Es ist daher davon auszugehen, dass mangelnde Grundbildung und Strategien der Kompensation verstärkt zum Thema in der betrieblichen Weiterbildung werden. Bislang spielt die arbeitsplatzbezogene Grundbildung wegen des vergleichsweise geringen Bedarfs kaum eine Rolle in der betrieblichen Weiterbildung, weil diese in der Regel tätigkeits- und anlassbezogen ist.

Der Ansatz der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung stammt aus dem angelsächsischen Raum und wird dort Workplace Basic Education (WBE) genannt. Gemeint ist damit das nachträgliche Lernen von berufsrelevanten Grundbildungsinhalten am Arbeitsplatz, vor allem Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen, aber auch Problemlösungsstrategien, Teamarbeit oder die Computeranwendung. Adressaten sind solche Mitarbeiter, deren Basiskompetenzen nicht bzw. nicht mehr für die geänderten Anforderungen am Arbeitsplatz ausreichen. Damit umfasst WBE das nachholende Lernen von grundlegenden Fähigkeiten am Arbeitsplatz bzw. für den Arbeitsplatz, die in der Regel bereits durch das allgemeinbildende Schulwesen hätten vermittelt werden müssen.

Im Rahmen des Verbundvorhabens „Chancen erarbeiten – Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Regionalbüro Darmstadt, einen Leitfaden zur arbeitsplatzorientierten Grundbildung für Unternehmen entwickelt.

Der Leitfaden richtet sich an Personalexperten, die sich über das Thema der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung informieren wollen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken und geringer qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen stärker in die Weiterbildung einzubeziehen.

Dazu liefert der Leitfaden Hintergrundinformationen zu den Ursachen von mangelnder Grundbildung (Kapitel 1). Weitere Inhalte sind: Beschreibung der von den Unternehmen erwarteten Mindestanforderungen an Grundbildung von Schulabsolventen und Geringqualifizierten – basierend auf Ergebnissen einer IW-Unternehmensbefragung (Kapitel 2). Argumente für die Implementierung von Grundbildungsmaßnahmen im Unternehmen (Kapitel 3). Kapitel 4 wiederum geht auf den Bedarf an Grundbildungsmaßnahmen in den Unternehmen ein. Kapitel 5 erläutert, welche externen Bildungsträger in Deutschland Workplace-Basic-Education-Maßnahmen für Unternehmen anbieten.

Im Mittelpunkt von Kapitel 6 und 7 stehen Good-Practice-Ansätze zur nachholenden Grundbildung, die in unterschiedlichen Unternehmen und im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Regionalbüro Darmstadt, durchgeführt wurden. Arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen, die zusätzlich notwendig sind, um die Umsetzung von Grundbildungsmaßnahmen in Unternehmen in Deutschland zu flankieren – wie dies zum Beispiel in angelsächsischen Ländern seit vielen Jahren der Fall ist – werden in Kapitel 8 betrachtet.

Bei der Planung von Angeboten zur arbeitsplatzbezogenen Grundbildung ist besondere Sensibilität gefordert, da das Eingeständnis, nicht ausreichend lesen und schreiben zu können, für die meisten Mitarbeiter mit Tabus und zudem mit der Sorge um den Arbeitsplatz belegt ist. Darauf bezugnehmend schließt der Leitfaden mit Empfehlungen für gelungene arbeitsbezogene Grundbildungsmaßnahmen (Kapitel 9), mit Praxistipps und Checklisten zur Entwicklung und erfolgreichen Implementierung von Angeboten der nachholenden Grundbildung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen am und für den Arbeitsplatz (Kapitel 10).

Leitfaden für Unternehmen

Helmut E. Klein / Sigrid Schöpper-Grabe (Hrsg.): Arbeitsplatzbezogene Grundbildung
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