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Die große Halle des Zuwanderungsmuseums auf Ellis Island erinnert an die Zuwanderungsgeschichte der USA – und an all jene Deutschen, die ihr Glück in der Ferne suchten. Foto: groveb/iStock

Die IW-Studie weist darauf hin, dass es sinnvoll wäre, das deutsche Zuwanderungsrecht weiter zu liberalisieren, um die dringend benötigten Fachkräfte zu gewinnen. Um gleichzeitig zu verhindern, dass die hiesige soziale Sicherung für viele Migranten zum entscheidenden Faktor für die Zuwanderung und den Verbleib im Land wird, sollte die Politik den Zugang zu Asylbewerberleistungen möglichst restriktiv handhaben. Im Gegenzug sollte es für Flüchtlinge – wie jüngst mit Blick auf die Westbalkanländer geschehen – zusätzliche Zugangswege nach Deutschland als Erwerbsmigranten geben.

Basis der IW-Studie ist die Migrationsgeschichte der Deutschen selbst: Im 19. Jahrhundert zog es in manchen Jahren über 200.000 Deutsche in die USA. „Was auffällt, ist, welche Bedeutung die Zuwanderer für die wirtschaftliche Entwicklung der USA hatten und wie gut sie sich integrierten“, erklärt IW-Ökonom Wido Geis. Laut IW-Studie hing es einst von vier Faktoren ab, ob ein Deutscher überhaupt ins Ausland aufbrach: von den Kosten der Migration per Schiffsüberfahrt, vom Lohn in der Fremde, von der Altersstruktur dies- und jenseits des Atlantiks und von der Zahl der bereits im Zielland lebenden Migranten, weil diese nützliche Hinweise in die Heimat weitergeben konnten.

Damals wie heute, so die IW-Studie, stand beziehungsweise steht im Verhältnis zur Zahl der Arbeitskräfte viel Kapital zur Verfügung – damals, weil in den USA immer weitere Gebiete erschlossen wurden, heute wegen des demografischen Wandels und der daraus resultierenden Fachkräfteengpässe. Der wichtigste Unterschied liege indes darin, dass es in den USA keine staatlichen Sozialleistungen gab. Entsprechend müsse Deutschland eine zweigleisige Strategie verfolgen: Zum einen den unmittelbaren Bezug von Sozialleistungen so weit wie möglich beschränken, zum anderen den Zugang nach Deutschland für all diejenigen weiter erleichtern, die hier arbeiten wollen.

IW policy paper

Martin Uebele / Wido Geis: Deutsche Einwanderung in den USA im 19. Jahrhundert – Lehren für die deutsche Einwanderungspolitik?

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Die MINT-Lücke wäre noch deutlich größer, wenn wir nicht die starke Zuwanderung in den letzten Jahren gehabt hätten.
Interview, 1. Dezember 2016

Axel Plünnecke im Deutschlandfunk "Der Osten droht dauerhaft abgehängt zu werden"Arrow

In Deutschland fehlen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaft so viele Arbeitskräfte wie nie zuvor. Besonders der Osten sei betroffen, sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Deutschlandfunk. Dort gebe es weniger Zuwanderung. Die helfe aber "sehr stark, die Fachkräftesicherung und die Innovationskraft zu erhalten". mehr

MINT-Herbstreport 2016
Gutachten, 30. November 2016

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel Plünnecke MINT-Herbstreport 2016 – Bedeutung und Chancen der ZuwanderungArrow

MINT-Kräfte haben eine zentrale Bedeutung für die Innovationskraft in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die Erwerbstätigkeit von MINT-Akademikern von 2011 bis 2014 um rund 84.000 pro Jahr gestiegen ist. In vielen Regionen Deutschlands leisten Zuwanderer einen Beitrag gegen Fachkräfteengpässe. mehr