Türen für Fachkräfte öffnen Image
In der Industrie sind schon heute viele ausländische Fachkräfte beschäftigt. Foto: Highwaystarz/Fotolia

Ohne Zuwanderung dürfte Deutschland in den kommenden 20 Jahren ein großes Problem bekommen: Schätzungen zufolge würde die deutsche Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2035 jährlich um mehr als 500.000 Personen sinken – steigende Fachkräfteengpässe wären die Folge. Die Flüchtlinge werden das demografische Problem nicht lösen: Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat ein Viertel der Flüchtlinge weniger als 5 Jahre eine Schule besucht. Und nur 37 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge aus den wichtigsten Herkunftsländern waren 2014 in Deutschland erwerbstätig.

IW-Untersuchungen zeigen zudem, dass 44 Prozent der beschäftigten Syrer, Iraker, Afghanen und Eritreer lediglich eine Helfertätigkeit haben. Flüchtlinge arbeiten kaum in Engpassberufen: Mitte 2015 stammten gerade einmal 300 akademische Fachkräfte im industrienahen Bereich aus diesen vier Ländern. „Das ist nicht verwunderlich, denn in Syrien, dem Irak, Afghanistan und Eritrea spielt die Industrie kaum eine Rolle“, erklärt IW-Direktor Michael Hüther. Zum Vergleich: Die meisten ausländischen Fachkräfte in diesem Bereich stellen Franzosen und Inder mit 5.200 beziehungsweise 5.000 Beschäftigten in Deutschland. Im Gesundheitswesen stammen immerhin 1.500 Ärzte aus dem Bürgerkriegsland Syrien – damit ist jeder zwanzigste ausländische angestellte Arzt in Deutschland Syrer.

„Wir müssen die qualifizierte Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten erleichtern und fördern und dauerhafte Perspektiven bieten“, fordert Ökonom Hüther. Ein Einwanderungsgesetz müsse die rechtlichen Regelungen deutlich vereinfachen und vereinheitlichen. Über ein Punktesystem könnten Fachkräfte auch ohne konkretes Jobangebot nach Deutschland kommen. Zugleich, so das IW weiter, muss schon aus humanitären Gründen die Integration von Flüchtlingen durch Bildung und Qualifikation verstärkt werden – das wäre auch ein Beitrag zur Fachkräftesicherung.

IW policy paper

Wido Geis / Jeannette Michaelle Nintcheu: Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des starken Zuzugs Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnen sollte

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IW-Report

Oliver Koppel: Beschäftigungsspuren der Flüchtlings- und Erwerbsmigration am deutschen Arbeitsmarkt – Der Beitrag verschiedener Herkunftsländer zur Fachkräftesicherung in Deutschland

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Pressekonferenz

Zu den gesamten Materialien

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 14. Februar 2017

Oliver Koppel / Axel Plünnecke Erste Erfolge der qualifizierten Zuwanderung aus IndienArrow

Bereits in den letzten Jahren haben Zuwanderer erheblich zur Fachkräftesicherung in MINT-Berufen beigetragen. Bestrebungen, MINT-Zuwanderer aus dem Herkunftsland Indien zu gewinnen, zeigen erste Erfolge – sowohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen als auch die Zahl der Studierenden in MINT-Fächern sind zuletzt deutlich gestiegen. mehr

Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-Industrie
Gutachten, 9. Februar 2017

Holger Schäfer Ökonomische Auswirkungen der Familienarbeitszeit auf die Metall- und Elektro-IndustrieArrow

Das Familiengeld soll Eltern finanziell belohnen, die sich die Erwerbsarbeit in einem Korridor von 28 bis 36 Stunden gleichmäßig aufteilen. Eine Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Verbandes Gesamtmetall gemacht hat, zeigt, dass diese Leistung den Fachkräfteengpass in der Metall- und Elektro-Industrie verstärkt. mehr

Zuwanderung in die Großstädte
Gutachten, 7. Februar 2017

Philipp Deschermeier / Ralph Henger / Björn Seipelt / Michael Voigtländer Zuwanderung in die Großstädte und resultierende WohnungsnachfrageArrow

Die Nachfrage nach Wohnraum in den deutschen großen Städten ist nach wie vor hoch. Ursächlich dafür ist die starke Zuwanderung sowohl aus dem Ausland als auch dem Inland. Allerdings gelingt es den Großstädten nicht, genügend zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, um die Nachfrage zu bedienen. mehr